Dr. Sebastian Frank (links) operiert künftig auch im MVZ Backnang und verstärkt das Team um Dr. Franco Tarantini. Landrat Richard Sigel, Dr. Joachim Singer und André Mertel freuen sich über das Modernisierungsprojekt. Foto: RMK/Fuchs

Der Landkreis stärkt die medizinische Versorgung in Backnang: Das MVZ Orthopädie erhält einen neuen OP-Saal – und ab Oktober eröffnet ein MVZ für Kinder- und Jugendmedizin.

Arthroskopien am Knie, Handoperationen, Schleimbeutelentfernungen an der Hüfte – Eingriffe wie diese können in Backnang nun ambulant und auf modernstem Standard durchgeführt werden. Wie die Rems-Murr-Kliniken mitteilen, hat das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) für Orthopädie und Chirurgie einen komplett umgebauten Operationssaal erhalten. Eine Investition von rund einer halben Million Euro, die nach Ansicht von Landrat Richard Sigel „gut angelegt“ ist, um die ortsnahe Versorgung zu sichern.

Seit Juli 2025 steht im Gesundheitszentrum in der Karl-Krische-Straße ein ambulanter OP mit Aufwachraum bereit. Geräte wie ein neuer C-Bogen zum Röntgen, eine OP-Liege, ein Arthroskopieturm sowie spezielle Ausstattung für die Handchirurgie sollen den Alltag der Ärzte und Patienten erleichtern. „Wir haben jetzt ein modernes Umfeld für ambulante Eingriffe – und mit Dr. Sebastian Frank Verstärkung aus der Handchirurgie des Rems-Murr-Klinikums“, sagt der MVZ-Leiter Franco Tarantini.

Ambulant statt stationär – mit kurzem Draht zur Klinik

Das Konzept folgt einem bundesweiten Trend: Wo möglich, werden Patienten ambulant operiert. „Spitzenmedizin vor Ort“ lautet das Motto von Klinik-Geschäftsführer André Mertel. Bei Bedarf sei eine nahtlose Weiterbehandlung in den Kliniken Winnenden oder Schorndorf möglich. Für die Patienten bedeutet das: weniger Wege, kürzere Wartezeiten und eine rasche Rückkehr ins gewohnte Umfeld.

Zweiter medizinischer Meilenstein: MVZ Kinderärzte

Marina Stepanyan übernimmt im Oktober das Kinderarzt-MVZ in Backnang. Foto: Gottfried Stoppel

Parallel zur Orthopädie-Offensive entsteht in Backnang ein weiteres medizinisches Standbein: Ab Oktober eröffnet im selben Gesundheitszentrum ein MVZ für Kinder- und Jugendmedizin. Die neue Leitung übernimmt Marina Stepanyan, eine erfahrene Kinderärztin, die zuletzt in Fellbach tätig war.

Der Hintergrund: Mit der Schließung der Praxis von Dr. Sabina Delic-Bikic drohte der Wegfall eines wichtigen Kassensitzes – und damit eine massive Versorgungslücke. Rund 3000 Kinder wären betroffen gewesen. „Wir haben uns bewusst entschieden einzugreifen, obwohl die ambulante Versorgung nicht unsere originäre Aufgabe ist“, erklärt Landrat Sigel.

Das MVZ übernimmt nicht nur den Kassensitz, sondern auch das eingespielte Praxisteam und die bisherigen Patientenakten. Die Räume der ehemaligen Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte, die unlängst geschlossen wurde, werden umgebaut. Stepanyan, die aus Armenien stammt und seit 2015 in Baden-Württemberg arbeitet, sieht im MVZ-Modell eine Chance: „So kann ich mich auf die Arbeit mit den Kindern konzentrieren, ohne den Druck einer eigenen Praxis.“

Langfristige Sicherung bleibt Herausforderung

Trotz der positiven Entwicklungen mahnt Sigel, dass der Erfolg fragil bleibt. Die Finanzierung müsse gesichert und die Rolle kommunaler MVZs politisch geklärt werden. Denn auch wenn Backnang mit OP-Saal und Kinderarztzentrum nun medizinisch gestärkt ist – ob diese Struktur dauerhaft trägt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Die Rems-Murr-Kliniken sehen in den beiden MVZs in Backnang – Orthopädie/Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin – einen wichtigen Schritt, um Fachärzte vor Ort zu halten und Versorgungslücken zu schließen. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeuten sie vor allem eines: kurze Wege zu moderner Medizin.