Mit Blitzern in Plieningen soll verhindert werden, dass Autofahrer illegale Abkürzungen nehmen. Doch es gibt noch viele andere Stellen in Stuttgart, an denen Verbote ignoriert werden.
Nicht nur Verkehrsteilnehmer sind regelmäßig auf Stuttgarter Schleichwegen unterwegs, auch die Ordnungshüter legen sich dort immer wieder auf die Lauer. Es gibt jedoch so viele verbotene Abkürzungen in der Landeshauptstadt, dass nur Stichproben möglich sind. An zwei Stellen wird das Durchfahrtsverbot nun mit Blitzern kontrolliert: Direkt vor dem Bahnhof Bad Cannstatt mit einer fest installierten Säule und zwischen Plieningen und Ostfildern mobil. Aber es gibt noch andere Stellen in Stuttgart, an denen regelmäßig illegal abgekürzt wird. Wir haben eine Auswahl der Stellen zusammengestellt, an denen es immer wieder Ärger gibt.
Stuttgart-West: Stauumfahrung Hasenbergsteige
Sobald es sich in der Rotenwaldstraße – rund um den Monte Scherbelino – staut, setzen regelmäßig ortskundige Verkehrsteilnehmer den Blinker und biegen am Parkplatz unterhalb des Birkenkopfs in Richtung Hasenbergsteige ab. Dass Durchfahrtsverbot für Auto- und Motorradfahrer interessiert aber offenbar nicht. Oftmals mit überhöhter Geschwindigkeit geht es durchs Wohngebiet bis in den Stuttgarter Westen – und umgekehrt.
Stuttgart-Wangen: Über die Wangener Höhe vorbei am VfB-Stau
Die Not macht bekanntlich erfinderisch. Und so suchen sich auch Verkehrsteilnehmer ihren Weg, um einem Stau zu entgehen. Beispielsweise, wenn ein Abendspiel des VfB Stuttgart auf dem Programm steht und man auf den Straßen im Stuttgarter Osten und den Oberen Neckarvororten nur noch im Schritttempo vorankommt. Ab geht’s – vorbei an den Schrebergärten. Unter anderem illegalerweise auf dem Wangener Höhenweg, der den gleichnamigen Stadtbezirk mit der Waldebene Ost verbindet.
Stuttgart-Berg: Poststraße als Alternative zur B10
Ab geht die Post in Stuttgart-Ost. Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Esslingen kommend auf einen Stau am Leuzeknoten zufahren, müssen sich schon auskennen, um diesen illegalen Schleichweg durch den Stadtteil Berg zu nehmen. Denn Navigationsgeräte fordern noch in der dortigen Poststraße dazu auf, umzudrehen und auf die Bundesstraße 10 zurückzukehren. Sobald man das Mineralbad Leuze – zurzeit vorbei an einer großen Baustelle – erreicht hat, wird aber eine neue, meist deutlich kürzere Route berechnet.
Stuttgart-Kaltental: Abkürzung über die Christian-Belser-Straße nach Sonnenberg
Für die etwa sechs Kilometer lange Strecke von der Stadtbahn-Haltestelle Waldeck in Stuttgart-Kaltental bis zum Möhringer Stadtteil Sonnenberg benötigt man mit dem Auto je nach Fahrweise und Verkehr rund zehn Minuten. Es sei denn, man fährt nicht am Waldfriedhof entlang, sondern nimmt die verbotene Abkürzung über die Christian-Belser-Straße. Der Weg vorbei an der Sonnenberg Klinik beträgt gerade noch ein Drittel der ursprünglichen Route. Staus sind ebenfalls nicht zu erwarten.
Stuttgart-Bad Cannstatt: Der Zuckerleweg ist nur für Anwohner
Das große, rot-weiße Verbotsschild am oberen Ende des Zuckerlewegs in Bad Cannstatt ist eigentlich nicht zu übersehen. „Anlieger frei“, ist darunter zu lesen. Und dennoch biegen Verkehrsteilnehmer, die in Richtung Stuttgart wollen und keine Lust mehr haben, in der Schmidener Straße im Stau zu stehen, regelmäßig an der Stadtbahn-Haltestelle Obere Ziegelei nach rechts in Hofener Straße ab.
Stuttgart-Uhlbach: Schleichweg Tiroler Straße
Der Schleichverkehr zwischen Uhlbach und Rüdern ist auch der Stadt in den vergangenen Jahren nicht entgangen. Seit Frühjahr 2020 ist die Durchfahrt dort mehr oder weniger verboten. Mehr oder weniger. Zum einen, weil die versenkbaren Poller bereits mehrfach bei Unfällen beschädigt worden sind und im Anschluss wochenlang nicht funktionierten. Zum anderen, weil ortskundige Autofahrer neue Schleichwege durch die Weinberge gesucht und gefunden haben. „Dennoch ist die Sperrung auf jeden Fall eine Entlastung für die Anwohner“, sagt ein Uhlbacher. „Es gibt viel weniger Schleichverkehr als ohne Poller.“
Stuttgart-Sillenbuch: Auf der Tuttlinger Straße nach Rohracker
Egal ob Pizzabote, Taxifahrer oder Pendler – jahrzehntelang haben Verkehrsteilnehmer auf Verbote gepfiffen und den direkten Weg zwischen Sillenbuch und Rohracker genommen. Zwei Poller in der Tuttlinger Straße machen ihnen jedoch seit Dezember 2021 einen Strich durch die Rechnung.
Alles in Ordnung aus Sicht der Anwohner in Sillenbuch und in Rohracker? Nicht ganz. Die Wogen haben sich zwar deutlich geglättet. Aber: Die beiden Stahlpfosten, die mit einem Vorhängeschloss gesichert sind, seien in der Vergangenheit immer wieder mutwillig herausgerissen worden, berichtete eine Radfahrerin, die auf dem Weg zu ihrem Garten ist. „Wir haben sie dann meist in Gebüschen unterhalb der Absperrung gefunden.“ Letztere werde auf teilweise noch schmaleren Schleichwegen umfahren. „Dort geht es dann aber richtig eng zu.“