Mogli ist ein fester Teil des Wolfsrudels, Auf seine Familie und beste Freunde wie Panther Baghira (oben) kann er sich immer verlassen. Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Mogli und seine Tierfreunde ziehen zahlreiche Kinder in ihren Bann. Dabei erzählen sie von Freundschaft und der Selbstfindung eines Jungen, der unter Tieren aufwuchs.

WernauWeißer Nebel wabert über die grüne Dschungelbühne. Gespannt warten besonders die vielen jungen Zuschauer, die mit ihren Eltern und Großeltern ins Wernauer Quadrium gekommen sind darauf, dass es endlich losgeht. Unter ihnen sind Emanuela und Lukas. Die beiden Fünfjährigen kennen die Geschichte des Findel-Jungen Mogli, der bei seinen tierischen Freunden im Dschungel aufwächst. „Ich hab schon den Film angeguckt und die Geschichte auch mit meinem Opa zusammen angehört“, erzählt Emanuela. Eigentlich mag sie alle Figuren, sagt die Fünfjährige, „nur der Tiger ist so böse.“

Lukas geht es ähnlich. Sein Favorit ist zwar eine Raubkatze, allerdings ist die schwarz und hört auf den Namen Baghira (Lisa Perner). Der Panther, neben Bär Balu (Okan Şen) Moglis bester Freund im Dschungel, gefällt Lukas am besten. Tiger Shir Khan, der es auf Mogli (Ali Marcel Yildiz) abgesehen hat, dagegen hat auch bei ihm schlechte Karten: „Den mag ich nicht so, weil der so fies ist.“ Wie überzeugend Rick Middelkoop den fauchenden Fiesling und selbst ernannten König des Dschungels auf der Bühne verkörpert, zeigt sich gleich bei seinem ersten Auftritt: Einem der kleinen Zuschauer ist der böse dreinblickende und laut brüllende Tiger so gar nicht geheuer. Da laufen vor Schreck sogar ein paar Tränen. Schnell sind die wieder getrocknet, als die Gefahr für Mogli dank dem mutigen Auftreten seiner Wolfsfamilie (Laura Brümmel als Rudelchef Akela und Wiebke Isabella Neulist als Raksha) vorerst gebannt ist. Schließlich wird keiner allein gelassen, der zum Rudel gehört: „Wir sind mehr als nur Brüder, eng und fest verbunden. Keiner kann uns trennen, wir halten zusammen“, erklingt es im „Wolfslied“.

Bär Balu, der gemütliche und lustige Freund und Lehrer Moglis, und der schlaue, Panther Baghira, der das Menschenkind hütet, wie seinen Augapfel, zählen zu den großen Sympathieträgern bei den vielen Kindern im Publikum. Die beiden sind es, die Mogli lehren, was wahre Freundschaft bedeutet, ein zentrales Thema des Stücks. Sie bestärken ihn darin, seinen eigenen Weg zu gehen und dabei immer nach vorn zu schauen („entscheide dich“). Auch als Mogli immer mehr zu zweifeln beginnt, in welche Welt er eigentlich gehört. Noch verwirrender wird alles, als er dem Mädchen Narami (Wiebke Isabella Neulist) begegnet. „Du bist wie du bist und das ist richtig gut“, bekräftigt ihn Baghira.

Die Dschungelbewohner haben den Jungen in ihrem Kreis aufgenommen und wollen ihn vor den dort lauernden Gefahren schützen. Mogli soll zu den Menschen zurück, was ihm so gar nicht gefällt. Da hilft es auch nichts, dass Balu versucht, ihn auf äußerst unterhaltsame Weise auf die Menschenwelt vorzubereiten, angefangen mit ein paar kuriosen Sprachübungen. Für Lacher sorgt außerdem die verrückte, etwas dusslige und Bananen liebende Affenbande (Rick Middelkoop, Laura Brümmel, Wiebke Isabella Neulist), die Mogli kurzerhand zu ihrem Anführer machen will, oder das verschrobene Geier-Duo (auch hier sehr überzeugend: Laura Brümmel und Wiebke Isabella Neulist), die ihm in der Not aufmunternd zur Seite stehen und sich ebenfalls als wahre Freunde erweisen, wenn es darauf ankommt.

Viel Witz, Charme und Spielfreude

Geheimnisvoller säuselt da schon die Schlange Kaa (Laura Brümmel), die ihr Gegenüber gern mal mittels Hypnose buchstäblich einwickelt. Auf wessen Seite sie eigentlich steht, ist für die Dschungelbewohner nicht so recht durchschaubar. Am Ende aber siegt die Freundschaft über jegliche Gefahr. Mit viel Witz, Charme, Spielfreude und eingängigen Liedern sorgte das sechsköpfige Ensemble für einen kurzweiligen Ausflug in den Dschungel und brachte die 126-jährige Geschichte von Rudyard Kipplings Klassiker in einer ganz eigenen Version auf die Bühne. Einige der Zuschauer im nahezu voll besetzten Saal hatten für den Besuch im Familien-Musical das AboPlus-Angebot der EZ wahrgenommen.

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