Drogenboss Viking (Tom Bateman, links) ahnt nicht, dass er sich besser nicht mit Nels (Liam Neeson) anlegen sollte. Foto: Studiocanal - Studiocanal

Als sein Sohn von Drogengangstern umgebracht wird, entschließt sich ein Vater in Hans Petter Molands neuem Action-Krimi „Hard Powder“ zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

EsslingenEs gibt nicht viele Regisseure, die so vielseitig sind wie der Norweger Hans Petter Moland. Eben noch begeisterte er das Berlinale-Publikum mit seiner ruhigen und poetischen Literaturverfilmung „Pferde stehlen“ – nun lässt er es krachen: Molands neuer Film „Hard Powder“ ist ein actionreicher Krimi, der davon erzählt, wie sich ein braver Schneepflug-Fahrer in einen eiskalten Rächer verwandelt, nachdem sein Sohn von einem Drogenkartell gemeuchelt wurde. Erfahrenen Kinogängern dürfte die Geschichte nicht ganz unbekannt sein: Denselben Plot hat Moland vor fünf Jahren bereits als schräge Thriller-Komödie unter dem Titel „Einer nach dem anderen“ verfilmt – in seiner Heimat und mit Stars wie Stellan Skarsgard und Bruno Ganz in den Hauptrollen. Und weil Hollywood Konzepte, die in Europa schon mal funktioniert hatten, gerne fürs US-Publikum neu verfilmen lässt, durfte Moland gleich nochmal ran. Anstelle von Skarsgard wird diesmal Liam Neeson zum Racheengel. Neeson lobt „Hard Powder“: „Es ist ein Wirbelsturm aus Vergeltung, Gewalt und schwarzem Humor.“

Diesmal spielt die Geschichte nicht im hohen europäischen Norden sondern in Kehoe, einem Dorf inmitten eines Skigebiets in den Rocky Mountains. Dort führt der Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson) ein ruhiges und ehrbares Leben, selbst die Depressionen seiner Frau Grace (Laura Dern) können ihm die gute Laune nicht verderben. Und weil er es mit allen immer nur gut meint, wird er sogar zum „Bürger des Jahres“ gekürt. Doch dann lässt sich sein Sohn mit dem schillernden Drogenboss Viking (Tom Bateman) ein, gerät in Konflikt mit ihm und wird von dessen Schergen ermordet. Alles sieht so aus, als sei der junge Mann an einer Überdosis Heroin gestorben, doch Nels weiß sofort, dass das nicht sein kann. So wird er zum rasenden Rächer. Mord und Totschlag kannte der brave Schneepflugfahrer bis dahin nur aus Fernsehkrimis, nun lässt er mit überraschendem Geschick einen Drogengangster nach dem anderen über die Klinge springen. Und während sich der gleißend weiße Schnee in den Bergen um Kehoe zusehends blutrot färbt, verdächtigt Viking seinen mächtigen Rivalen White Bull (Tom Jackson), hinter dem Verschwinden seiner Mannen zu stecken. Und schon beginnt ein rücksichtsloser Bandenkrieg ...

Es ist kein Zufall, dass Hans Petter Molands Thriller-Komödie „Einer nach dem anderen“ von Fans und Kritikern in einem Atemzug mit den Filmen der Coen-Brüder genannt wurde. Denn genau wie die hat Moland einen unverkennbaren Hang zum Skurrilen. Und auch wenn die Neuverfilmung „Hard Powder“ längst nicht mehr so viele Ecken und Kanten wie das Original hat, ragt dieser Streifen deutlich aus der Masse üblicher Hollywood-Thriller heraus. „Ich bin mit den Filmen von Billy Wilder groß geworden“, verrät der Regisseur. „Ich fühlte mich angesprochen von ihrer Düsternis und ihrem Galgenhumor und dem großartigen Gleichgewicht dieser beiden Parameter. Als sich mir die Gelegenheit bot, ‚Einer nach dem anderen’ selbst noch einmal zu drehen, konnte ich nicht widerstehen.“ Schräge Typen, groteske Wendungen und ein Hauptdarsteller, dem man die wundersame Wandlung vom braven Bürger zum rücksichtslosen Rächer abnimmt, dürften auch diejenigen versöhnen, die US-Remakes erfolgreicher europäischer Filme eigentlich nicht mögen. Doch wenn derselbe Regisseur – wie in diesem Fall – die Neuverfilmung selbst übernimmt und wenn sie so überzeugend gelungen ist wie diese, kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Als sein Sohn von Drogengangstern umgebracht wird, entschließt sich ein Vater zu einem gnadenlosen Rachefeldzug. Regisseur Hans Petter Moland bringt diese Geschichte, die er schon mal verfilmt hat, für Hollywood erneut in die Kinos.

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