Die Projekte für den Hochwasserschutz an der Körsch koordiniert Helmut Schönleber. Der Tiefbauingenieur ist Geschäftsführer des interkommunalen Zweckverbands.
Starkregen wird in Zeiten des Klimawandels zunehmend zur Herausforderung für die Kommunen. Denn Hochwasser kann hohe Schäden verursachen und die Orte überschwemmen. Das zeigte nicht erst die Katastrophe im Ahrtal. Damit das nicht passiert, machen Kommunen beim Hochwasserschutz für die Körsch gemeinsame Sache. Der Tiefbauingenieur Helmut Schönleber leitet den Zweckverband. Neue Bauprojekte auf den Weg zu bringen, ist eine der großen Aufgaben des erfahrenen Planers.
Im Jahr 2008 haben die Landeshauptstadt Stuttgart, Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen gemeinsam mit Denkendorf den Zweckverband Hochwasserchutz Körsch gegründet. Die Fildergemeinde Neuhausen beteiligte sich nicht an dem Zusammenschluss, obwohl es auch dort immer wieder Probleme mit Überschwemmungen auch im Ortskern gibt.
Viele Projekte hat der Verband seit seiner Gründung bereits angestoßen. Im September war Spatenstich für das sechste Hochwasserrückhaltebecken am Sindelbach in Stuttgart-Möhringen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes gesteuertes Trockenbecken. Der Abfluss aus dem Becken wird so geregelt, dass eine Menge von drei Kubikmeter pro Sekunde nicht überschritten wird. Nur bei einem so genannten 100-jährlichen oder noch größeren Hochwasserereignis werden die gesamten Stauflächen beansprucht.
Die Lage rund um den Fluss im Blick behalten
Für Schönleber ist es wichtig, „die Körsch und ihre Nebenflüsse auf den Fildern insgesamt im Blick zu behalten“. Nur so ist aus der Sicht des Experten ein effektiver Schutz vor Hochwasser möglich. Der Geschäftsführer des Zweckverbands ist ein echter Experte. In seinem Berufsleben war der 67-Jährige bei den Stadtwerken Ostfildern tätig. Da hat er unter anderem das Mulden-Rigolen-Entwässerungssystem im neuen Stadtteil Scharnhauser Park mitgeplant, das bis heute Vorbildcharakter hat. Damals war dieses Projekt zukunftsweisend. „Als der neue Stadtteil um die Jahrtausendwende entstand, waren die zunehmenden Starkregen noch nicht im Fokus abzusehen.“ Heute bewährt sich das System in dem dicht besiedelten Stadtteil besser denn je. Mit der Landschaftstreppe, die städtebaulich bemerkenswert ist, ist der Stadtteil auch in Zeiten des Klimawandels optimal aufgestellt. Bei den Projekten des Zweckverbands werde der Hochwasserschutz immer mitgedacht.
Eine wichtige Aufgabe sieht der kommunikative Ingenieur Helmut Schönleber darin, Menschen über die Gefahren des Hochwassers aufzuklären. Denn mit Blick auf die ruhig dahinplätschernde Körsch hört der Geschäftsführer immer wieder, dass das Hochwasserschutzbauwerk in Scharnhausen wohl doch zu groß dimensioniert sei. 5,7 Millionen Euro hat dieses Großprojekt insgesamt gekostet. „Die Pläne basieren auf genauen Berechnungen“, sagt der Ingenieur. Selbst im Falle eines Jahrhunderthochwassers könnte der Bau den Fluten standhalten.
Dass dieser Puffer dringend gebraucht wird, zeigte sich in diesem Jahr. Schon bei den starken Regenfällen im Juni trat der Fluss über die Ufer. „Dann können wir mit modernster Technik steuern, wie viel Wasser pro Minute im Bachbett fließen darf“, sagt Schönleber. Neben dem Schutzbauwerk sind die gegenüberliegenden Wiesen als Sickerflächen gedacht. Sie hatten sich tagelang in kleine Teiche verwandelt. Jetzt fließt die Körsch längst wieder in ruhiger Bahn. Immer mal wieder verirren sich Enten in die Becken. Doch sobald es regnet, weiß Schönleber, dass sich die Lage schnell wieder ändern kann.
Die Projekte des Zweckverbands werden vom Land bezuschusst. Das bedeutet für den Geschäftsführer viel Schreibtischarbeit, um die entsprechenden Anträge auf den Weg zu bringen. Auch da helfe das interkommunale Netzwerk, ist Schönleber überzeugt. Seit 2009 wurden für die fertigen fünf Hochwasserrückhaltebecken und die lokalen Hochwasserschutzprojekte Fördermittel von insgesamt 13,9 Millionen bewilligt. Vom Land gibt es immer wieder Lob für das erfolgreiche Netzwerk der Filderkommunen. Sogar der frühere Umweltminister Franz Untersteller lobte ihren Einsatz für den Hochwasserschutz: „Das gemeindeübergreifende Engagement des Zweckverbands Körsch ist beispielhaft und verdient große Anerkennung.“
Alle Interessen unter einen Hut zu bringen, das liegt dem ruhigen Ingenieur Schönleber. Er hat sein Büro im Denkendorfer Rathaus. Da habe er einen schnellen Draht zu Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth, dem Vorsitzenden des Zweckverbands. Wichtig ist dem Tiefbauingenieur der Kontakt zu den Mitarbeitenden, die sich vor Ort um die Anlagen kümmern. „Die Kontrollen der Hochwasserschutzbauwerke mit den Kameras, die wir installiert haben, reichen nicht.“ Der Experte baut auf regelmäßige Kontrollen bei Gängen entlang des Flusses. Dabei spüren die Mitarbeiter zum Beispiel große Äste oder abgebrochene Stämme auf. „Im Ernstfall birgt das die Gefahr, dass sich das Wasser zusätzlich staut.“ Da will Schönleber mit seinem Team vorbeugen.
Projekte des Zweckverbands Hochwasserschutz Körsch
Kreis Esslingen
Den Schutz vor Hochwasser entlang der Körsch im Kreis Esslingen hat der Zweckverband Hochwasserschutz an der Körsch bereits weitgehend umgesetzt. Letzter Baustein war dort das Bauwerk am Ortseingang von Scharnhausen an der Kreisstraße 1269, das insgesamt 5,7 Millionen Euro gekostet hat.
Sindelbach
Mit dem Projekt am Sindelbach in Möhringen setzt nun auch die Stadt Stuttgart ihre Projekte um. Das Becken, das westlich der Wohnbebauung von Möhringen liegt und von Gleisanlagen der Stuttgarter Straßenbahnen umgeben ist, wird ein Rückhaltevolumen von 25 700 Kubikmetern haben.
Stuttgart
Um die Region zu schützen, planen die Kommunen an der Körsch ihr Konzept gemeinsam. Denkendorf, Filderstadt, Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen und Stuttgart ziehen an einem Strang. Derzeit werden die letzten Rückhaltebecken geplant, die flussabwärts an der Körsch in Stuttgart liegen.