Die Bücherecke Rehkugler in Köngen schließt. Die Inhaberin Petra Rehkugler geht in den Ruhestand, eine Nachfolge für die Buchhandlung hat sich nicht gefunden.
Mit einem weinenden aber auch einem lachenden Auge wird Petra Rehkugler an diesem Samstag zum letzten Mal die Türe ihrer Buchhandlung in der Köngener Golterstraße aufschließen. Nach 41 Jahren endet mit dem Renteneintritt der selbstständigen Buchhändlerin in der 10000-Einwohner-Gemeinde eine Ära – ganze Generationen von Köngenern haben sich in der „Bücherecke Rehkugler“ mit Lesestoff versorgt. „Viele kamen als Babys im Kinderwagen liegend mit ihren Eltern das erste Mal zu mir“, erinnert sich Petra Rehkugler. Aus den Babys wurden Kinder, Teenager und junge Erwachsene, die die Buchhandlung mal mehr, mal weniger frequentierten: „Dann gab es meist eine Pause, aber wenn sie dann selbst Kinder bekamen, sind sie wieder zu mir gekommen.“
Im Laden wurde auch manches Schwätzchen gehalten
Dabei war die Bücherecke aber immer mehr als eine reine Buchhandlung – rund 150 Veranstaltungen hat Petra Rehkugler mit ihrem Team seit 1984 organisiert, mal in Eigenregie, mal zusammen mit der Köngener Bücherei oder dem örtlichen Geschichts- und Kulturverein: Vom Leseherbst über hochkarätige Autorenveranstaltungen und Harry-Potter-Events bis hin zu Whiskey- und Käsetastings. Auch als Treffpunkt um ein Schwätzchen zu halten war die Bücherecke eine Institution in Köngen. Petra Rehkugler wird viel vermissen – allen voran ihre Stammkundschaft: „Viele Menschen haben mir über 41 Jahre die Treue gehalten.“ Mit 25 Jahren hat die gebürtige Köngenerin nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin in Esslingen ein Ladengeschäft in der Köngener Schwanenstraße angeboten bekommen. „Ich war damals ganz unbedarft und habe das als Chance gesehen.“ Anfang 2000 erfolgte der Umzug in die Golterstraße: „Damit wurde aus einer kleinen eine mittelgroße Buchhandlung.“
Zwei Mitarbeiterinnen, beide gelernte Buchhändlerinnen, hat sie zuletzt beschäftigt – eine davon geht ebenfalls in den Ruhestand, die andere hat sich beruflich noch einmal neu orientiert. Denn eine Nachfolge für den 80 Quadratmeter großen Laden wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden. „Ich hätte mir einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gewünscht. Auch um meine Kunden beruhigt übergeben zu können“, bedauert Petra Rehkugler. Aber alle potenziellen Kandidaten seien abgesprungen, als sie gemerkt haben, wie viel Arbeit hinter einem inhabergeführten Ladengeschäft steckt. „Das reicht von der Pflege des Onlineshops, der seit zwölf Jahren erfolgreich läuft, über das normale Tagesgeschäft, regelmäßige Messebesuche bis hin zu Veranstaltungsorganisation“, erklärt die Köngenerin. Viel habe sich im Laufe der Jahre verändert: „Wir kleinen Buchhandlungen müssen schnell auf neue Trends reagieren.“ So sei etwa der Non-Book-Bereich wie Dekorationsartikel seit Jahren am wachsen. Petra Rehkugler freut sich nun auf mehr Zeit mit der sechsjährigen Enkelin und mit Ehemann Thomas: „Außerdem will ich endlich die Region hier unter der Woche erkunden, ohne ständig Termine im Nacken zu haben.“ Auch was sie am kommenden Montag um halb neun – wenn sie sonst ihre Bücherecke aufgeschlossen hat, macht, weiß die 67-Jährige schon ganz genau: „Da werde ich mit Wanderstöcken im Köngener Wald unterwegs sein und mein neues Stück Freiheit genießen.“
Im Raum steht die Idee eines „Bürgerladens“
Die Gemeinde Köngen, der das Gebäude mit der Bücherecke gehört, war in die Suche nach einem Nachfolger involviert. Köngens Bürgermeister Ronald Scholz bedauert es sehr, dass es nicht geklappt hat. Nun ist die Verwaltung dabei, ein neues Nutzungskonzept für die Räumlichkeiten in zentraler Lage zu erstellen. „Im Raum steht die Idee eines sogenannten Bürgerladens, der Raum für Begegnung, Beteiligung und Beratung bieten soll“, kündigt Scholz an. Dort könnten Angebote wie ein offener Familientreffpunkt mit Spielangeboten, Vorträgen und Café gemacht oder Raum für Kurse und Workshops geboten werden. Auch Ideen einer Präsentations- und Verkaufsfläche für kreative Kleinunternehmen und Künstler aus der Region oder einer Beratungsstelle zu Themen wie Rente, Pflege, Elterngeld oder Hilfe beim Ausfüllen von Formularen geistern durchs Rathaus. „Unser Ziel ist es, mit dem Bürgerladen einen Ort zu schaffen, der den sozialen Zusammenhalt stärkt, bürgerschaftliches Engagement sichtbar macht und niederschwellige Unterstützungsangebote bietet“, wünscht sich Köngens Verwaltungschef.