Diese Linde in der Schorndorfer Straße musste, anders als ihre Nachbarinnen, radikal gestutzt werden. Foto: Werner Kuhnle

Von einem Ast erschlagen wurde kürzlich ein Mann in Heidelberg. Ganz ausschließen könne man so etwas auch in Ludwigsburg nicht, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Dass man sich während eines Sturms oder auch in den Tagen danach möglichst vom Wald fernhalten sollte, wissen die meisten. Aber mitten in der Stadt an einem windstillen Tag von einem herabfallenden Ast erschlagen zu werden, wie dies kürzlich in Heidelberg geschehen ist, damit rechnet wohl niemand. Und doch sei die Gefahr real und schwer vorhersehbar, sagt Lena Lehmann von der Kommunikationsabteilung der Stadt Ludwigsburg. Obwohl man die städtischen Bäume regelmäßig kontrolliere.

Das Problem: Zunehmende Hitzeperioden und lang anhaltende Trockenzeiten der vergangenen Jahre stellen auch im Ludwigsburger Stadtgebiet eine erhebliche Belastung für den Baumbestand dar. „Besonders betroffen sind ältere Bäume sowie solche an stark versiegelten oder beengten Standorten, wo der Wurzelraum begrenzt ist“, so Lehmann.

Hitze, Dürre, Schädlinge, Pilze: Die Bäume leiden

Folgen seien unter anderem ein verstärktes Absterben von Feinwurzeln, verminderte Vitalität, abgestorbene Kronenteile und Äste – und eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, Pilze und Schädlinge, was die Bäume zusätzlich schwächt. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit kann es erforderlich werden, betroffene Bäume zurückzuschneiden. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Stand- und Bruchsicherheit zu gewährleisten“, so die Sprecherin weiter.

Einmal jährlich würden die städtischen Bäume durch geschultes Fachpersonal kontrolliert – entweder per Sichtkontrolle oder, bei einem Verdacht auf Schäden oder besondere Belastungen, durch eingehendere Untersuchungen. „Je nach Standort und Zustand des Baumes kommen auch spezielle technische Verfahren zum Einsatz, etwa eine Messung des Bohrwiderstands oder Zugversuche, um die Bruchsicherheit im Einzelfall genauer beurteilen zu können“, erklärt Lehmann.

Bei rund 30 000 Bäumen im öffentlichen Raum – Straßenbäume, Parkbäume, Bäume auf Friedhöfen und Spielplätzen – sei eine Kontrolle jedoch organisatorisch anspruchsvoll. Je nachdem, wie groß die mögliche Gefahr oder wie wichtig der Standort ist, werde priorisiert. Helfen könnten auch Hinweise aus der Bevölkerung, etwa auf sogenannte Grünholzbrüche.

Auch voll belaubte Äste können einfach so abbrechen

Denn es sind keineswegs immer nur die sichtbar abgestorbenen Äste, die unvermittelt zu Boden krachen können. „Aktuell können bei der sommerlichen Trockenheit an gesunden Bäumen voll belaubte Äste plötzlich abbrechen. Solche Grünastbrüche sind nicht vorhersehbar und treten ohne das Zutun von starken Winden oder Stürmen auf“, so Lehmann. Der Grund dafür sei die anhaltend starke Sonneneinstrahlung und Erwärmung der Umgebungsluft. Dadurch lasse die Elastizität der äußeren Holzfasern an der Astoberfläche nach.

Der Bereich um diesen Baum im Blüba war vor dem Zurückschneiden wegen Astbruchgefahr gesperrt. Foto: Werner Kuhnle

Auch im Blühenden Barock wurde unlängst ein großer Baum mit dem Hinweis auf Astbruchgefahr abgesperrt und mittlerweile deutlich gestutzt. In der Parkanlage werden die Gehölze sogar noch häufiger kontrolliert. „In der Regel mehrmals im Jahr durch unsere eigenen Fachkräfte“, sagt Lea Gruber, die Pressesprecherin des Blüba. Zusätzlich seien täglich Mitarbeiter und Gärtner auf dem Gelände unterwegs, die mit geschultem Blick Veränderungen oder Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren könnten. Und: „Bei Bedarf ziehen wir zusätzlich externe Baumexperten hinzu, mit denen wir eng zusammenarbeiten und die auch Kontrollen durchführen.“

Doch auch hier gibt es keine vollständige Sicherheit: „Dass auch voll belaubte Äste plötzlich abbrechen, ist leider nicht ungewöhnlich“, berichtet Gruber. Häufig seien dafür zum Beispiel Käferbefall oder andere Schädigungen verantwortlich.

Bäume mit weichem Holz sind besonders empfindlich

Es gebe aber auch Unterschiede zwischen den Bäumen. Bei Weichholzbäumen wie der Pyramidenpappel, die generell empfindlicher reagierten, könnten schon leichte Mangelerscheinungen oder Trockenstress dazu führen, dass sie Äste oder Totholz abwerfen, auch ohne direkten äußeren Anlass, sagt die Pressesprecherin.

Erhöhte Aufmerksamkeit, um die auch die Stadt Ludwigsburg bittet, kann daher in der Nähe von größeren Bäumen nicht schaden.