Innenminister Thomas Strobl (CDU) verzichtet auf die Kandidatur als Landeschef der CDU. Foto: imago/Arnulf Hettrich/  

Die CDU im Land steht vor einem Führungswechsel. Die frühe Kür eines potenziellen Spitzenkandidaten wäre allerdings nicht ohne Risiko, meint unsere Redakteurin Annika Grah. Der Neue braucht einen langen Atem.

Es scheint, als hätte die baden-württembergische CDU zumindest aus einigen Fehlern der Vergangenheit gelernt. Die Staffelstabübergabe lief einigermaßen geräuschlos. Bitte kein offener Streit, das war die Wunschvorstellung mancher CDU-Granden. CDU-Landeschef Thomas Strobl (63) sollte möglichst freiwillig seinen Platz für Fraktionschef Manuel Hagel räumen. Das scheint – nach einigem Zureden – geglückt. Der Landesinnenminister kündigte seinen Rückzug an und schlug im gleichen Atemzug Manuel Hagel als Nachfolger vor.

Der Nachfolger in spe, Landtagsfraktionschef Manuel Hagel, will sich nun erst des Rückhalts seiner Kreisvorsitzenden versichern, bevor er sich dann mutmaßlich am Mittwochabend erklärt. Dabei war er es doch, der vorvergangene Woche eine Art Ultimatum gesetzt hatte. In den nächsten Tagen werde eine Entscheidung fallen – Ende September hieß es immer aus der Partei.

Strobl hat einige Niederlagen weggesteckt

Dass Strobl seinen Platz nicht einfach so aufgibt, dürfte niemanden verwundern. Die CDU im Land hat Innenmister Thomas Strobl zu viel verdanken. Er hat den Landesverband als Parteivorsitzender nach den immer wiederkehrenden Querelen um Spitzenkandidaturen geeint und die Partei 2016 wieder in Regierungsverantwortung gebracht – wenn auch als Juniorpartner. Unter seiner Führung wurde ein Erneuerungs- und Verjüngungsprozess angestoßen.

Er selbst verglich sich vor gut zwei Jahren mit einer Ameise, die Ordnung schafft im Wald. Ein Bild, das ein gewisses Pflichtethos darstellen soll – und auch, dass der Einzelne eigentlich nicht zählt. Das war 2021 – kurz vor seiner Wiederwahl an der Parteispitze, die mit einer Zustimmung von nur 66 Prozent schon wieder wie eine Niederlage anmutete.

Der Druck auf Strobl war zu groß

Damals hielten sich potenzielle Herausforderer noch in Deckung. Das ist diesmal anders. Das Ermittlungsverfahren gegen Strobl und der Untersuchungsausschuss um die Polizeispitze haben Spuren hinterlassen. Das Murren in der Partei und die Rufe nach einem Neuanfang wurden immer lauter. Das Umfeld von Landtagsfraktionschef Manuel Hagel platziert ihn seit Langem als potenziellen Nachfolger. In den vergangenen Wochen wuchs der Druck.

Es schien als ausgemacht, dass der 35-Jährige übernimmt. Erstaunlich ungeordnet lief nun der Rückzug. Eine letzte Machtdemonstration Strobls? Der CDU-Politiker hat Hagel selbst groß gemacht, der junge Abgeordnete aus Ehingen ist Teil seines großen Erneuerungsplans für die CDU im Land und steht für den Generationswechsel.

Ob das gelingt, muss der 35 Jahre alte Fraktionschef nun unter Beweis stellen. Die Wahl zum Landesvorsitzenden zweieinhalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl ist nicht ohne Risiko. Hagel gälte damit automatisch auch als potenzieller Spitzenkandidat – und steht damit im Rampenlicht.

Wechsel zur Hälfte der Legislatur

Zweieinhalb Jahre sind viel Zeit, um eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, aber auch, um Fehler zu machen. Hagel hat es geschafft, die zerstrittene Landtagsfraktion auf Linie zu bringen. Ob er den langen Atem und ausreichend Erfahrung hat, die in früheren Zeiten so streitbare CDU beisammen zu halten, wird sich zeigen. Hinzu kommt: 2024 muss die Partei Europa- und Kommunalwahl durchstehen. Einige Stimmen in der Partei hielten es für klüger, die Nachfolgefrage erst danach zu klären, damit nichts an Hagel hängenbliebe. Am Ende waren sie ganz offensichtlich in der Minderheit.

Der Wunsch nach Erneuerung aus der Partei – und damit der Druck auf Strobl und seinen potenziellen Nachfolger war ganz offensichtlich zu groß. Ob es schließlich die richtige Entscheidung war, wird sich noch zeigen müssen.