Rechts der sogenannte Neubau der Adalbert-Stifter-Schule, der voraussichtlich ab dem kommenden Schuljahr zwei Realschulklassen beherbergen wird. Der benachbarte Altbau soll dem Bagger zum Opfer fallen und neu gebaut werden. Foto: Tom Weller - Tom Weller

Bleibt es bei dem Konsens der Gemeinderatsklausur, wird in der Pliensauvorstadt eine dreizügige Realschule gebaut. Die Stadt hält sich zudem die Option auf eine weitere Realschule offen.

EsslingenWenn die Eltern im März ihre Kinder an einer weiterführenden Schule in Esslingen anmelden wollen, haben sie voraussichtlich eine Wahlmöglichkeit mehr. Nach der Gemeinderatsklausur sieht alles danach aus, dass im kommenden Schuljahr tatsächlich eine neue Realschule mit zwei Klassen im sogenannten Neubau der Adalbert-Stifter-Schule an den Start geht. Und dass ab Dezember 2021 der Altbau der bisherigen und derzeit leer stehenden Werkrealschule abgerissen und neu gebaut wird. Zum Schuljahr 2023/24 soll den Schülern dort dann eine fertig ausgebaute dreizügige neue Realschule zur Verfügung stehen. Kostenpunkt: Rund 10,5 Millionen Euro.

Das war laut Rathaus jedenfalls Konsens nach der Klausurtagung. Der Gemeinderat wird am 11. November abschließend darüber befinden. Ebenso steht in besagter Sitzung der Baubeschluss für die Zollberg-Realschule auf der Tagesordnung, deren Hauptgebäude aufgrund der starken PCB-Belastung neu gebaut werden muss. Stand nach der Klausurtagung: Sie wird vierzügig geplant, voraussichtlich vorerst aber nur dreizügig gebaut. Vorläufige Kostenschätzung: 14 Millionen Euro. Laut dem städtischen Schulamtsleiter Bernd Berroth könnte dieser Neubau dann zum Schuljahr 2024/25 eröffnet werden. „Solange müssen die Container dort noch stehen.“ Vom Tisch sind sowohl die Überlegungen, die Neue Schule Esslingen am Standort Stifter-Schule größer zu bauen. Als auch die Gedankenspiele, die neue Realschule auf dem VfL-Post-Gelände hochzuziehen.

Ein Modell der Neuen Schule Esslingen werden die Eltern beim Anmeldetermin im kommenden Frühjahr allerdings noch nicht zu Gesicht bekommen, bedauert Andreas Starz, im Rathaus für das Aufgabengebiet Schulentwicklung verantwortlich. Denn die Verwaltung muss sich am 11. November vom Gemeinderat erst einmal den Auftrag wieder zurückholen, den Architektenwettbewerb für diese Schule auszuschreiben. Den hatte ihr der Gemeinderat im Sommer kurzfristig aufgekündigt. Denn als es sich herausgestellt hatte, dass die stark PCB-belastete Zollberg-Realschule neu gebaut werden muss, wollte der Gemeinderat auf Initiative der Grünen, der Freien Wähler und der FDP den Gemeinderatsbeschluss, zwei neue Realschulen zu bauen, noch einmal neu aufrollen. Die Ratsmehrheit hatte dann den Gedanken favorisiert, die Zollberg-Realschule und die Neue Schule Esslingen größer zu bauen, bei Bedarf die Seewiesenschule zu erweitern – und stattdessen auf den ohnehin umstrittenen Neubau einer weiteren Realschule am Standort der auslaufenden Werkrealschule in den Lerchenäckern zu verzichten. Die Verwaltung hatte indessen argumentiert, man könne flexibler agieren, wenn man nicht alle Erweiterungsoptionen ausmosten müsse, sondern sich die Lerchenäcker als zweiten neuen Realschulstandort in der Hinterhand halte.

„Die Auseinandersetzung in der Klausur war nicht einfach“, bilanziert Rathaussprecher Roland Karpentier. Die Kraft der Argumente habe aber letztendlich für den Verwaltungsvorschlag gesprochen. Die Hindernisse, die Neue Schule Esslingen am Standort der Stifter-Schule größer zu bauen, waren in Anbetracht des dringenden Handlungsbedarfs – die bestehenden Realschulen laufen seit langem über – zu groß. Die Stadt wäre ohne weitere Grundstücke dafür nicht ausgekommen. Zum anderen spielte der Faktor Geld, der den Ratsmitgliedern mit eindringlicher Schilderung der Haushaltslage auf der Klausur ans Herz gelegt wurde, eine Rolle. Laut Verwaltung kommt der Ausbau der weiterführenden Esslinger Schulen mit der von ihr favorisierten Variante laut Kostenschätzung auf insgesamt 16,75 Millionen Euro, andernfalls kämen 24 Millionen Euro zusammen.

Keine Abstriche

Laut Rathaus soll es trotz der prekären Haushaltslage auch über den Neubau der Neuen Schule Esslingen und der Zollberg-Realschule hinaus keine Abstriche bei den Großinvestitionen in die Schullandschaft geben.

So soll die neue Grundschule in Zell zum Schuljahr 2022/23 eröffnen.

Die rund 30 Millionen Euro schweren, auf mehrere Abschnitte verteilten Maßnahmen an den Schulhäusern der Katharinenschule und der Schule Innenstadt sollen 2020 starten. Wenn Anfang des kommenden Jahres die Halbjahreszeugnisse der neunten Gemeinschaftsschul- und Realschulklassen vorliegen, wird die Stadt ausrechnen, ob ausreichend viele Schüler für eine Gymnasiale Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule zusammenkommen. Wovon sie ausgeht. Dann wird sie den Antrag ans Ministerium stellen, diese Oberstufe zum Schuljahr 2021/22 an der Schule Innenstadt auch einzurichten.

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