Die Stadt Wendlingen kann die Ausgaben von 13 Millionen Euro noch wegstecken. Foto: Pixabay

Obwohl die Stadt Wendlingen in diesem Jahr mehr als 13 Millionen Euro ausgibt, geht es ihr finanziell noch gut. Der Gemeinderat hat den Haushalt jetzt beschlossen. Und die Verwaltung präsentierte ein neues Projekt.

Wendlingen - Mit einer Gegenstimme hat der Gemeinderat der Stadt Wendlingen den kommunalen Haushalt für das laufende Jahr beschlossen. Trotz Investitionen in Höhe von 13,232 Millionen Euro steht die Stadt finanziell noch gut da. Einen Kredit muss sie nicht aufnehmen, da sie 10,238 Millionen Euro aus dem Finanzierungsmittelbestand nimmt. Auch für die kommenden Jahre sieht es gut aus. Die Gegenstimme zu dem Zahlenwerk kam von Werner Kinkelin (FWV), die erklärte, den Haushalt nicht anzuerkennen.

Aufgrund der Vorbesprechung der einzelnen Punkte in den vorbereitenden Ausschüssen waren sich die Ratsmitglieder in den meisten Entscheidungen einig, kaum Fragen waren noch offen. Auch die Anträge der Fraktionen wurden nicht erneut diskutiert. So blieb mehr Zeit für das Thema Mehrgenerationenwohnen in Wendlingen. Das stellte Thomas Schmitt von der Stuttgarter Genossenschaft „Pro ... Gemeinsam Bauen und Leben“ dem Gemeinderat vor, nachdem die Stadt ein bedingt geeignetes Grundstück für ein solches Projekt gefunden hat. Angedacht ist das Mehrgenerationenwohnen für ein 2624 Quadratmeter großes Grundstück an der Ohmstraße (Flurstück 938/72), das Bürgermeister Stellen Weigel zufolge „schon länger zu bebauen ist“. Weil das Grundstück in einem Mischgebiet liege, müsse es bei der Bebauung auch Gewerbeeinheiten enthalten.

Mehrgenerationenwohnen für Wendlingen

Weigel warb darum, dass der Gemeinderat sein Interesse daran bekundet, die Planungen des Projektes voranzutreiben. Der Wunsch nach Mehrgenerationenwohnen geht zurück auf die Altenhilfeplanung der Stadt aus dem Jahr 2015. Darin heißt es: „In einem Neubaugebiet sollen ein oder mehrere Grundstücke für alternative Wohnmodellprojekte vorgehalten werden“. Schmitt: „Es ist gerade ein Trend, bei Mehrgenerationenwohnen nur an alte Menschen zu denken, aber wir haben alle Altersstufen im Sinn.“ Auch Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund sollen in der entstehenden Wohngemeinschaft einen Platz finden. „Die Vorstellung ist, dass die Mieter oder Eigentümer ein Leben lang in ihrer Wohnung bleiben können“, sagte Schmitt. Man werde Synergieeffekte nutzen, sodass auch häusliche Pflege – zum Beispiel durch Mitbewohner – möglich sei. „Es ist uns wichtig, dass Gemeinschaften von uns unterstützt werden, was Solidarität, Integration, Inklusion und Verantwortung betrifft“, so Schmitt.

Das Konzept der Baugenossenschaft sieht vier Phasen vor. Zunächst müsse sich eine Interessengemeinschaft finden, also „eine Gruppe, die sich zusammenfindet, weil sie die Gemeinschaft pflegen will“, erklärte Schmitt. In dieser Phase werden von der Genossenschaft in Absprache mit den Interessenten erste Entwürfe erstellt. In Phase zwei geht es um die Sicherung eines Grundstücks. „Das ist einer der wichtigsten Punkt und es ist gut, dass es in diesem Fall schon ein kommunales Grundstück gibt.“ Nachdem Machbarkeit und Finanzierung geklärt sind, wird ein Baugesuch gestellt und es geht in Phase drei. Ab hier wird die Vorplanung an einen Architekten übergeben. Ist das Projekt fertig, bildet sich aus den Interessenten eine Hausgemeinschaft, die das Gemeinschaftseigentum verwaltet, das Gemeinschaftsleben organisiert und sich bei Bedarf mit der Genossenschaft austauscht. Schmitt: „Die Beteiligung der Genossenschaft hört nicht mit der Schlüsselübergabe auf.“

Gemeinderat spricht sich für Projekt aus

Bernd Dieterle (FWV) wollte wissen, wie es sich in einer solchen Wohnform mit der Unterstützung von Behinderten verhalte. „Das ist unterschiedlich. In Schorndorf sind zwei Einheiten von der Diakonie gemietet worden, die von Menschen mit Handicap bewohnt werden“, sagte Schmitt. Sein Fraktionskollege Wilfried Schmid fragte, wie sich die Lage im Mischgebiet und an der in Zukunft stark befahrenen Straße auswirken werde. Schmitt: „Das bietet die Chance, Arbeiten und Leben zu verbinden. Es wird eine Herausforderung, aber nicht unmöglich.“

Der Gemeinderat sprach sich einstimmig dafür aus, die Planungen voranzutreiben. Interessierte können sich bei der Stadt melden.

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