Trotz der geringeren Flugbewegungen will die Gemeinde Baltmannsweiler den Fluglärm messen lassen. Foto: Adobe Stock//Amadeus Persicke

Obwohl aufgrund der Corona-Pandemie derzeit immer noch recht wenige Flüge in Stuttgart starten und landen, will die Gemeinde Baltmannsweiler den Fluglärm jetzt messen lassen.

Baltmannsweiler - Zwei Richtmikrofone sollen ab Ende August zwei Monate lang die Fluglärmbelastung in Baltmannsweiler messen. Das hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Bis Jahresende sei mit den Messergebnissen zu rechnen, heißt es von der Verwaltung. Die Gemeinde war im vergangenen Sommer der interkommunalen Resolution gegen Fluglärm des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Plochingen beigetreten. Damals war gefordert worden, bei künftigen Messungen berücksichtigt zu werden. Nun sei der Flughafen Stuttgart auf die Gemeinde zugekommen, weil eine neue Messung ansteht. „Das ist ein gutes Signal, dass wir mal Gehör finden“, sagte Bürgermeister Simon Schmid.

Aussagekraft angezweifelt

Obwohl sich die Gemeinderäte einig waren, dass Baltmannsweiler seit einigen Jahren verstärkt unter Fluglärm leidet, gab es auch Anregungen, die Messungen in der aktuellen Zeit nicht durchführen zu lassen. So merkte Alexander Strobel (SPD) an, dass die Ergebnisse aufgrund des coronabedingt eingeschränkten Flugverkehrs „nur äußerst bedingt zu berücksichtigen“ seien. Er hoffe deshalb, dass es nicht bei nur einer Messung in Baltmannsweiler bleibe. Das sah auch Bürgermeister Schmid so. Man müsse an dem Thema dranbleiben. Die Kommunen im Neckartal würden auch regelmäßig berücksichtigt. „Je nach Ergebnis wird das bei uns auch ein Thema werden“, so Schmid. „Es wäre ein falsches Signal, wenn wir die Messung jetzt nicht machen. Lassen Sie uns diese Erfahrungen sammeln.“ Herbert Schrag (FWV) wollte wissen, ob auch nachts gemessen werde, schließlich flögen die Maschinen derzeit teilweise schon morgens um 3 oder 4 Uhr über den Ort. Das verneinte Ortsbaumeister Marlon Bier. Die Gefahr, dass die hochtechnischen Geräte gestohlen würden, sei zu groß. Schrag kritisierte außerdem den Standort der beiden Messgeräte. Sie sollen auf den Dächern der Rathäuser in Baltmannsweiler und Hohengehren stehen. Dort führe die Hauptfluglinie aber nicht lang, so Schrag. Bier beteuerte, die Geräte würden trotzdem verlässliche Ergebnisse über den Fluglärm liefern. Straßenlärm und andere Nebengeräusche würden herausgefiltert. Bier verteidigte darüber hinaus den Standort der Geräte. Bei den Rathäusern gebe es keine umstehenden Gebäude, sodass kein Schall absorbiert werde, bevor er gemessen werden kann.

Geräte werden Ende August aufgestellt

Peter Röser (Grüne) wollte zudem von der Verwaltung wissen, ob es möglich sei, mit den Richtmikrofonen den genauen Verursacher eines einzelnen Lärmereignisses zu bestimmen. „Wenn sich dann einer nicht an die Regeln hält, könnte man mithilfe des Abflugplans den Verursacher zu packen kriegen“, sagte er. So könne man eventuell die Einhaltung des Nachtflugverbotes verbessern. Bier hatte auf die Frage keine Antwort parat, versprach aber, sich zu informieren.

Die Mitglieder des Gemeinderates sprachen sich am Ende doch einstimmig dafür aus, die beiden Geräte Ende August aufstellen zu lassen. Die Ergebnisse dürften nur nicht zur Beurteilung der tatsäch­lichen Fluglärmbelastung genutzt werden. „Immerhin ist die Flughafenerweiterung immer noch nicht vom Tisch“, sagte Carlo Schlienz (CDU).

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