Zwischen der Friedrich-Schiller-Schule und der Festhalle soll die Anton-Walter-Grundschule entstehen. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Wegen der großen Vielzahl der Themen ist die erste Sitzung des Neuhäuser Gemeinderates nach der Konstituierung auf zwei Abende aufgeteilt worden. Sechs Stunden tagte das Gremium am Dienstag.

NeuhausenGenug politische Themen für fünf Jahre standen laut Bürgermeister Ingo Hacker am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Neuhausener Gemeinderates. Das neugewählte Gremium beriet sechs Stunden lang über den Neubau der Anton-Walter-Schule, das Baugebiet Akademiegärten und eine mögliche Erweiterung der Egelseehalle. Und das war erst der Anfang: Am Mittwochabend ging es direkt weiter mit Themen wie der S2-Verlängerung bis Neuhausen.

„Es hat sich schon abgezeichnet, dass die Sitzung geteilt werden muss“, sagte Hacker nach der Marathon-Sitzung am Dienstagabend. „Der Ältestenrat hatte im Vorfeld eigentlich beschlossen, dass wir bis 22.30 Uhr durch sein sollten, aber das konnten wir nicht einhalten.“ Als Grund dafür nannte Hacker die externen Architekten und Bauplaner, die zu der Sitzung eingeladen waren. Des Weiteren war es für einige Ratsmitglieder die erste Gemeinderatssitzung nach der Konstituierung Ende Juni. „Da müssen wir dem ein oder anderen halt zugestehen, bei Dingen nachzufragen, die er oder sie noch nicht wissen kann“, so Hacker. Dennoch wurden die Gesichter mit fortschreitender Stunde länger, die Gemüter gereizter. Im Großen Sitzungssaal hatte man in weiser Voraussicht körbeweise Brezeln und Obst bereitgestellt. Auch Kaffee und Cola waren gegen Ende der Sitzung nahezu komplett verschwunden – den Koffein-Schub hatten die Anwesenden nötig.

Die erste große Entscheidung des Abends betraf den Neubau der Anton-Walter-Grundschule und einer zugehörigen Mensa, die auch andere Schulen in der Gemeinde beliefern soll. Bislang war das Schulgebäude mit zwei alternativen Fassaden geplant worden. „Vom Grundsatz gehen beide“, sagte Architekt Dieter Broghammer. Es habe allerdings am Montag neue Erkenntnisse gegeben. „Bei der Holzvariante ist im Brandfall relevant, dass es in den Innenecken einen Brandüberschlag geben könnte.“ Die Entscheidung über die Fassade wurde somit aus dem Beschlussvorschlag herausgetrennt. „Die neue Situation beraubt Sie jetzt der Entscheidungsmöglichkeit“, so Hacker. Sehr zum Missfallen von IGL-Fraktionschefin Gabriele Probst. „Unsere Fraktion hat sich eindeutig für die Holzvariante ausgesprochen, die uns besser gefällt als das Sichtmauerwerk.“ Sie erbat sich die Möglichkeit, in ihrer Fraktion über die veränderte Lage zu beraten. Nach einer kurzen Beratung sprach sich das Gremium schließlich mehrheitlich – mit vier Gegenstimmen und einer Enthaltung – für die vorgeschlagene Fassade aus Sichtmauerwerk aus.

Im weiteren Verlauf stellten Claudia Weber-Rummel von HWP aus Stuttgart und Landschaftsarchitekt Rainer Gänßle von Gänßle und Hehr aus Esslingen die Vorentwurfsplanung für Schule und Mensa sowie die Planungen für Schulhof und Außenbereich vor. Dem Außenbereich werden der vorhandene Volleyballplatz zum Opfer fallen, erklärte Gänßle auf mehrere Fragen aus dem Gremium. Der Bolzplatz sei aber in Zukunft weiterhin bespielbar. Zusammen belaufen sich diese Maßnahmen auf rund 28,7 Millionen Euro.

„Als ich diese Zahlen gesehen habe, ist mir schon erst einmal die Luft weggeblieben“, gestand Mariela Herzog, die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Auch Probst zeigte sich überrascht von den projizierten Kosten. Mehrere Gemeinderäte stellten daraufhin die Frage nach einer Förderung.

Die Hoffnung auf eine Kostenübernahme nahm der Leiter des Personal- und Hauptamtes, Bernd Schober, den Ratsmitgliedern direkt wieder. „Derzeit können wir maximal auf einen Zuschuss von 2 Millionen Euro hoffen, das sind nicht einmal zehn Prozent“, so Schober. „Das hängt aber von den genauen Flächenmaßen ab, der Wert kann durchaus auch darunter liegen.“

Wie teuer genau welcher Teil des Neubaus wird, könne momentan noch nicht genau gesagt werden. „Die Schule liegt zwischen 17,2 und 19 Millionen Euro, die Küche zwischen 3,6 und 4,6 Millionen und die Mensa zwischen 2,4 und 3,2 Millionen Euro. Genauer geht’s gerade nicht“, sagte Broghammer.

Etwas genauer sieht es bei der Einteilung der Kosten über die Jahre aus. Zwischen 2019 und 2022 sollen Schule und Mensa entstehen. Die größte Investition steht der Gemeinde demnach im Jahr 2021 bevor. „Dieses Jahr wird noch 1 Million fällig, 2020 sind es voraussichtlich 3,9 Millionen. 2021 kommt dann die höchste Summe mit 11,4 Millionen und 2022 sind dann noch einmal zehn Millionen Euro geplant“, sagte Weber-Rummel.

Das Gremium diskutierte noch über die Gestaltung der Freiflächen. Es gebe zu wenig Schatten für die Schüler, monierte Probst. Auch bei der Kühlung der Klassenräume – geplant ist eine Kombination aus Nachtkühlung und aktiver Kühlung am Tag – sah sie Handlungsbedarf. Schließlich aber wurden die Vorentwurfsplanungen für den Neubau einstimmig beschlossen. Im weiteren Verlauf wurden die Ratsmitglieder zunehmend unruhiger. Bürgermeister Hacker reagierte und hielt die Vortragenden dazu an, ihre Präsentationen abzukürzen – zum Unmut der Architekten, stecken dahinter doch mehrere Wochen bis Monate Arbeit.

Die Gemeinderatssitzung wurde am Mittwochabend fortgesetzt – ein Bericht folgt.

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