Die Schulkindbetreuung in Baltmannsweiler findet derzeit teilweise in der Kita Arche Noah statt. Foto: Roberto Bulgrin

Der Gemeinderat in Baltmannsweiler hat in seiner ersten Sitzung nach der Corona-Pause beschlossen, eine Beraterin mit der Weiterentwicklung der Schulkindbetreuung zu beauftragen.

Baltmannsweiler - Er wackelt zwar noch in der Substanz, aber er steht. Der Rat der Gemeinde Baltmannsweiler hat am Dienstagabend auf Drängen der Kämmerin den Haushaltsplan für das laufende Jahr einstimmig beschlossen. In der haushaltsfreien Zeit dürfe die Gemeinde nur Geld für Projekte ausgeben, die schon im Haushalt des Vorjahres aufgeführt waren. Momentan stehe die Gemeinde finanziell zwar mit einem negativen ordentlichen Ergebnis von 695 291 Euro aber mit Rücklagen von knapp sieben Millionen Euro da. Aktuell müssten keine Kredite aufgenommen werden, aber die Verwaltung ließ sich vom Gemeinderat eine Kreditermächtigung geben, um eine Zinssicherung vornehmen zu können. Auch die Möglichkeit, Nachträge zu erlassen, hielt sich Kämmerin Silke Steiner offen. In diesem Jahr sei das nicht unwahrscheinlich.

Mit etwas mehr Diskussion war die Beautragung der Organisations- und Kommunalberaterin Kariane Höhn verbunden, die die Kinderbetreuungslandschaft in der Gemeinde vorantreiben soll. Die Grünen, die einen Antrag auf Durchführung einer Umfrage in den Kindergärten gestellt hatten, fühlten sich nicht ausreichend gehört. Die Entscheidung über die Beauftragung der Beraterin fiel am Ende dennoch einstimmig.

Schulkindbetreuung als Rechtsanspruch

Höhn sei vom Landratsamt und von anderen Kommunen als „fachlich exzellente Dame“ empfohlen worden, stellte Bürgermeister Simon Schmid die studierte Sozialpädagogin dem Gemeinderat vor. Die Kindertagesstätten in Baltmannsweiler seien „zwar nicht zwingend in die Jahre gekommen“, sagte Höhn, aber zu einer Zeit gebaut worden, in der zum Beispiel Schulkindbetreuung noch keine Rolle gespielt habe.

In Baltmannsweiler wurden vor der Corona-Krise 72 Schüler betreut, davon 37 im Hort und in der Grundschule Hohengehren und 35 am Standort Baltmannsweiler. Durchschnittlich 28 Schüler nahmen am Mittagessen teil. Für das kommende Schuljahr reichen die Plätze nicht aus. Zudem müssen die Räume in den Horten für Kitakinder zur Verfügung stehen. Höhn soll darum ein pädagogisches Konzept für die Schulkindbetreuung in der Gemeinde sowie ein Raumkonzept für einen Neubau erarbeiten. Hintergrund: Ab 2025 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Schulkindbetreuungsplatz. 7616 Euro gab der Gemeinderat für Höhns Arbeit frei. Als Ort für den Neubau hatte der Gemeinderat bereits im November das alte Hausmeisterhaus an der Grundschule Baltmannsweiler ausgesucht.

Gespräche schon nächste Woche

In der Sitzung stellte sie ihre Arbeitsweise vor, die Gespräche mit Trägern, Leitungen und Elternvertretern von Kitas und aus dem Schulkindbereich vorsieht. Das Treffen soll bereits am kommenden Mittwoch stattfinden. Damit sollen die relevanten Akteure beteiligt und eine gemeinsame Zielsetzung ausformuliert werden. „Was wollen Sie als Gemeinderat für die Kinder in Ihrer Gemeinde vorhalten? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Sollen pädagogische Fachkräfte oder angelernte Kräfte die Kinder betreuen?“, stellte Höhn einige Schlüsselfragen, die es in diesem Gespräch zu beantworten gelte. Im Anschluss soll es im Juni eine „Kleine Beteiligungswerkstatt Schulkindbereich“ geben, zu der unter anderem Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, Elternbeiratsvorsitzende aus Schulen und Kitas, Verwaltung und ein Architekt eingeladen sind. Dabei soll ein Vorentwurf für den Neubaugezeigt werden.

Peter Röser (Grüne) nannte die Präsentation „ziemlich überzeugend“ und wies darauf hin, wie wichtig es sei, „dass wir die Experten, die wir schon haben, mitnehmen.“ Was ihm allerdings fehle, sei „jegliche Diskussion“ über den Fragebogen, den seine Fraktion ausgearbeitet hatte. Das Thema beschäftige das Gremium seit September und er wolle sicherstellen, dass der Fragebogen „eher früher als später“ umgesetzt werde.

Diskussion um Fragebogen

Rückendeckung bekam Röser von Carlo Schlienz (CDU), der darauf hinwies, dass es nicht viel Arbeit mache, den dreiseitigen Fragebogen der Grünen in den Kitas zu verteilen. Schmid warb für Geduld. „Wir haben einen ambitionierten Zeitplan. Lassen Sie doch Frau Höhn erst mal auf den Fragebogen gucken“, sagte er. Ohnehin erreiche man aufgrund der Corona-Krise die Eltern momentan nicht, an die sich der Fragebogen richte. „Wir sind in einer Corona-Pandemie, wir sind nicht im Normalbetrieb. Das ist nun mal die Realität.“ Man werde trotzdem versuchen, die Umfrage anzugehen. Höhn schlug vor, die Fragen nach einer Überarbeitung in ein Online-Umfragesystem einzuspeisen, um der Verwaltung bei der Auswertung und Aufbereitung nicht noch mehr Arbeit zu machen.

Deutliche Kritik am Beharren der Grünen auf ihrer Umfrage kam von Christiane Lopes (FWV), die sich auf die Seite der Verwaltung stellte. „Wir müssen jetzt keinen unprofessionell gemachten Fragebogen raushauen, um einfach mal so ein Stimmungsbild zu erfragen“, sagte sie. Gerade in der derzeitigen Situation gebe es andere Prioritäten.