Um Leerstand zu vermeiden, liebäugelt die Gemeinde Köngen mit der Einrichtung eines ehrenamtlich betriebenen Ladens von Bürgern für Bürger.
Wo bis vor kurzem noch ein mit viel Herzblut dekoriertes Schaufenster zum Stöbern in der Bücherecke Rehkugler in Köngen animierte, gähnt nun Leere.
Aus Altersgründen hat die Betreiberin des Buchladens in der Ortsmitte direkt neben dem Rathaus ihr Geschäft aufgegeben, ein Nachfolger wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden. Das Gebäude, in dem auch ein Teil der Verwaltung untergebracht ist, gehört der Gemeinde – und die will nun mit einer innovativen Idee dem Leerstand entgegentreten.
Niederschwellige Anlaufstelle in Köngen
„Der Leerstand zwingt uns zu reagieren“, verkündete Köngens Kulturamtsleiter Andreas Halw bei der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause. Die Idee: Um eine sinnvolle Nachnutzung zu generieren, soll aus der ehemaligen Bücherecke ein „Bürgerladen“ – so der Arbeitstitel – werden. Die Verwaltung will damit eine niederschwellige Anlaufstelle schaffen, in der sich Bürger und Bürgerinnen, aber auch Familien treffen, austauschen, informieren und vernetzen können. Zudem ist angedacht, die Geschäftsstelle des Quartiersprojekts „Wir sind Nachbarn“ dort anzusiedeln. Dafür habe man sich jüngst den Bürgertreff in Pfullingen angeschaut, sagte Julia Opitz von der Gemeindeverwaltung. Dort werden in einer früheren Schleckerfiliale von der Stadt vielfältige Formen des bürgerschaftlichen Engagements zusammengeführt, Ehrenamtliche bieten eine Fülle von Programmen und Projekten, die eine aktive Teilhabe an der Gemeinschaft ermöglichen.
Eine Idee, die auch für Köngen umsetzbar ist, findet Opitz, auch wenn es in der Gemeinde schon unzählige Gruppierungen, die sich dem Thema verschrieben haben, gibt: „Wir könnten das alles dort zusammenführen, der Bürgerladen soll aber ganz bewusst keine Konkurrenz zu bestehenden Angeboten sein.“
Ideen bezüglich der weiteren Ausgestaltung hat die Verwaltung einige – das reicht vom offenen Familientreff mit Café und Vorträgen über Verkaufsflächen für Köngens Kreative bis hin zu Beratungen über Rentenangelegenheiten, Pflege oder Elterngeld. Die Einrichtung eines solchen Projekts würde durch sein generationsübergreifendes Angebot zudem zur Belebung der Ortsmitte – eines der leidigen Themen in der Gemeinde – beitragen, sind sich Opitz und Halw sicher. Für die nötigen Umbaumaßnahmen kalkuliert die Kommune mit rund 30 000 Euro, der Betrag könnte sich aber noch deutlich verringern, wie Halw betonte.
Keine Zweigstelle von „Wir sind Nachbarn“
Für Kritik seitens des Gemeinderats sorgte der Umstand, dass sich die Verwaltung noch nicht bei den relevanten Gruppen im Ort mit Blick auf möglichen Bedarf umgehört habe. Dass die Einrichtung eines Bürgerladens zusätzliche Personalkosten nach sich ziehen könnte, gab angesichts der klammen Haushaltskasse zudem Anlass für Bedenken. Sich um solche Projekte zu kümmern, gehöre in den Aufgabenbereich von Julia Opitz, erwiderte Halw: „Wir haben vor, den Bürgerladen mit Bestandspersonal aufzubauen.“ Zudem habe man schon ganz grob Interessen bei potenziellen Nutzern abgeklopft: „Wir sind guter Dinge, dass wir einen Betrieb mit verschiedenen ehrenamtlichen Akteuren hinbekommen.“ Halw betonte dabei ausdrücklich, dass der Bürgerladen keine Zweigstelle von „Wir sind Nachbarn“ werden sollen. Das von der evangelischen Landeskirche finanzierte Quartiersprojekt solle lediglich einer der Player, die den Laden bespielen, werden. „Die Idee eines Bürgerladens ist ein Versuch und hat damit Laborcharakter“, so Halw weiter.
Letztlich ließ sich der Gemeinderat von dem Projekt überzeugen und stimmte den Ausgaben bei einer Enthaltung zu. „Mit dem Beschluss können wir uns nun auf den Weg machen und werden dem Rat die Ergebnisse vorstellen“, freute sich Köngens Bürgermeister Ronald Scholz.