Auch in der Mensa der Albert-Schweitzer-Schule in Denkendorf wird im Katastrophenfall ein Notfalltreffpunkt sein. Foto:  

Die Gemeinde Denkendorf erstellt ein Handlungskonzept für Krisen und Notfälle wie Naturkatastrophen oder technische Störungen. Die Bürger sollen sensibilisiert werden.

Mit einem Krisen- und Notfallplan will die Gemeinde Denkendorf für den Ernstfall gerüstet sein. Er soll als Grundlage für das kommunale Handeln bei Naturkatastrophen wie Starkregen, Hochwasser oder Sturm sowie bei technischen Störungen wie Ausfällen der Infrastruktur und der Strom-, Wasser- oder Gasversorgung sein und für geordnete Abläufe im Krisenfall sorgen. Der Plan wurde jetzt vom Gemeinderat beschlossen. Details sollen nun weiter ausgearbeitet werden.

Zunehmende geopolitische und wirtschaftliche Spannungen, Extremwetterereignisse, Energieengpässe oder technische Störungen könnten auch auf kommunaler Ebene zu erheblichen Beeinträchtigungen führen, sagte der Bürgermeister Ralf Barth bei der Vorstellung des Plans.

Darin ist unter anderem festgelegt, wie die Bevölkerung im Notfall informiert wird, vor allem auch, wenn digitale Informationswege etwa wegen Stromausfalls nicht mehr möglich sind. An vier Stellen im Gemeindegebiet werden dann dezentrale Anlauf- und Infopunkte eingerichtet. Dies können auch Feuerwehrfahrzeuge sein, bei denen Bürger Hilfe suchen und Informationen erhalten können. Als Standorte sind die Obere Ortsmitte beim Schafhaus, das Feuerwehrgerätehaus, das Rathaus und das Foyer der Festhalle vorgesehen. Zudem sind zwei Standorte für Notfalltreffpunkte festgelegt, die bei Bedarf nacheinander aufgebaut werden. Dabei handelt es sich um die Mensa der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) und das Foyer der Festhalle. Diese sollen eine schnelle Anlaufstelle in verschärften Krisensituationen bieten. Sie werden von Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung, der Feuerwehr und von Hilfsorganisationen besetzt und werden aktiviert, wenn andere Kommunikations- und Informationsquellen ausfallen.

An den Notfalltreffpunkten werden unter anderem Notrufmeldungen entgegengenommen und weitergeleitet, erste Hilfe bei medizinischen Notfällen geleistet oder auch Hilfsmaßnahmen innerhalb der Bevölkerung organisiert. Im großen Saal der Festhalle und in der Schulturnhalle bei der ASS werden darüber hinaus Wärmehallen eingerichtet.

Alle Fäden werden im Fall einer Krise im Rathaus zusammenlaufen. Von dort aus wird unter anderem die Kommunikation mit Feuerwehr und DRK sowie anderen Hilfsorganisationen, aber auch die Information der Bevölkerung koordiniert.

Denkendorf muss beim Katastrophenschutz freilich nicht bei Null anfangen. Es wurden bereits an der Körsch Hochwasserschutzmaßnahmen unter anderem im Bereich der Hohenheimer Straße realisiert und ein Konzept für Starkregenrisikomanagement erarbeitet. Auch einige Notstromaggregate wurden bereits angeschafft.

Gemeinde bereits heute gut für Notfälle gerüstet

Wichtig sei es aber auch, die Bevölkerung für die Eigenvorsorge und die Nachbarschaftshilfe zu sensibilisieren, so Barth. So wird empfohlen, sich einen privaten Vorrat an Lebensmitteln und Trinkwasser anzulegen, der einige Tage abdecken könne. Auch Medikamente, persönliche Hilfsmittel und Hygieneartikel sollten vorrätig gehalten werden. Zudem rät die Gemeinde, Warn-Apps zu nutzen. Auch Grundstücke und Gebäude sollten gegen Hochwasser oder Starkregen geschützt werden.

Barth ist zuversichtlich, dass die Gemeinde bereits heute gut für Notfälle gerüstet ist: Schon jetzt arbeite man mit Feuerwehr, DRK und anderen Beteiligten gut zusammen. Das habe sich nicht zuletzt bei bisherigen Krisen wie Hochwasser oder Starkregen gezeigt. Auch FWV-Fraktionschef Frank Obergöker, in Personalunion Denkendorfer Feuerwehrkommandant, betont: „Wir sind in weiten Teilen gut aufgestellt.“ Als Beispiel nennt er den Hochwasseralarmplan. Aber auch er betont: „Die Bürger müssen selbst Vorsorge treffen. Die Feuerwehr kann nicht überall sein.“ Den Krisen- und Notfallplan halten alle Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat für unabdingbar. Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Nester ist zudem wichtig, die Bevölkerung zur Selbstvorsorge zu bewegen. Auch Christa Brockhaus-Henzler, die Sprecherin der Grünen, meint: „Auch im Kleinen muss man einen Notfallplan haben“. Kerzen, Streichhölzer und Wasser sollten im Haus sein. Ihre Kollegin Barbara Fröhlich (SPD) regte an, bei einem Aktionstag den Bürgern ganz praktisch zu zeigen, was sie im Notfall alles brauchen.

Ratgeber zur persönlichen Notfallvorsorge

Warnsysteme
Über das Smartphone kann man sich per App in Not- und Katastrophenfällen warnen lassen. Die Warn-App NINA (Notfall-Informations-und Nachrichten-App) ist eine vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur Verfügung gestellte App. Sie ist die erste App, die zur Warnung der Bevölkerung in ganz Deutschland entwickelt wurde. Über KATWARN werden Warnungen des Zivil- und Katastrophenschutzes in Gefahrensituationen verbreitet (z. B. bei Großbrand, Bombenfund, Umweltkatastrophen), hauptsächlich über eine Smartphone-App, aber auch über andere Kanäle. Cell Broadcast versendet Nachrichten an alle Empfänger innerhalb einer Funkzelle. Es wird keine zusätzliche Software auf den Mobilfunkgeräten benötigt.

Notfall
Auf der Internetseite des Landkreises finden sich Informationen zum Verhalten in Notsituationen und ein Ratgeber zur persönlichen Notfallvorsorge zum Herunterladen: www.landkreis-esslingen.de/start/service/Bevoelkerungsschutz.html . urh