Eine Studie zeigt Handlungsbedarf für die Erneuerung von Ausstattung und Technik des beliebten Bads im Körschtal. Die Sanierung könnte gut sieben Millionen Euro kosten.
Vor gut zwei Jahrzehnten wurde das Denkendorfer Freibad letztmals umfassend saniert. Die Badewassertechnik ist teilweise gar über 40 Jahre alt. Der Gemeinderat hat deshalb eine Studie in Auftrag gegeben, die aufzeigen soll, wo welcher Handlungsbedarf besteht. Dazu wurden Gebäude, Beckenkonstruktion, Sanitär- und Badewassertechnik ebenso wie Heiz- und Elektrotechnik unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Gemeinderat vorgestellt. Auch wenn klar erkennbar sei, dass das Freibad in die Jahre gekommen ist, sei vieles noch gut und erhaltenswert, betonte der Bürgermeister Ralf Barth. „Wir werden das Bad so, wie es ist, auch im nächsten Jahr wieder öffnen können.“ Entscheidend sei die Wasserqualität. Die Werte würden ständig überprüft und seien stets top. „Es gab von Seiten der Wasser- und Umweltaufsichtsbehörden keinerlei Beanstandungen“, sagte der Bürgermeister. Auch die technischen Anlagen genössen im Grundsatz Bestandsschutz. Doch gerade bei der Freibadtechnik bestehe mittelfristig Handlungsbedarf. Immer wieder habe es auch während der Saison Schäden und Ausfälle gegeben. So sei in diesem Sommer an einem Morgen das Schwimmerbecken plötzlich nicht mehr ganz voll gewesen.
Sprungbecken technisch veraltet
Fünf-Meter-Turm entspricht nicht den aktuellen Normen
Neben den technischen Einrichtungen sind es vor allem das Sprungbecken und das Kinderplanschbecken, die technisch und funktional veraltet sind, so die Studie. Das geflieste Springerbecken mit seinem Fünf-Meter-Turm entspreche nicht den aktuellen Normen, erklärte Kathrin Richter-Hönes vom mit der Studie beauftragten Büro Richter und Rausenberger. Sie schlägt vor, es wie zuvor schon das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken mit Edelstahl auszukleiden, um die Wasserverluste zu verringern, und zudem die technischen Installationen zu verbessern. Das zweiteilige Kinderplanschbecken, das vor 20 Jahren ebenfalls nicht saniert wurde und noch mit einer Folie ausgekleidet ist, könne nicht ertüchtigt, sondern müsse komplett erneuert werden. Richter-Hönes stellte drei Gestaltungsvarianten vor, die alle eine Edelstahlauskleidung und ein Sonnensegel vorsehen. Ergänzend könnte es eine Naturstein-Bachlandschaft erhalten oder einen „Spraypark“ mit verschiedenen Wasserspritzanlagen.
Großer Sanierungsbedarf besteht vor allem auch bei den technischen Einrichtungen des Bads. Diese seien weitgehend überaltert, ineffizient und schadensanfällig, so Richter-Hönes’ Kollege Jochen Rausenberger. Dazu gehören die mehr als 40 Jahre alten Filteranlagen und die Elektrotechnik, die laut der Studie komplett erneuert werden muss. Auch die Heizung ist technisch überholt. Für den Gasheizkessel gebe es keine Ersatzteile mehr, weshalb die Heizung bei einem Ausfall nur noch schwer instandzusetzen sei.
Rausenberger schlägt den Neubau einer zentralen Filter- und Technikhalle vor. Damit würden die derzeit über das Freibadgelände verstreuten Technikstandorte zentralisiert und für die Mitarbeitenden übersichtlicher. Die Heizung soll durch einen Gasbrennwertkessel mit optionaler Wärmepumpentechnik ersetzt werden.
Kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht laut Rausenberger bei den Sanitäranlagen. Sie wurden 2014 saniert. Bei den Umkleiden und Garderobenschränken wie auch den Personalräumen jedoch gebe es Erneuerungsbedarf.
Die Nettokosten für die Sanierungsmaßnahmen beziffert die Studie auf knapp 7,1 Millionen Euro. Das sei eine beachtliche Summe, so Barth. Zumal es sich um eine Freiwilligkeitsleistung der Gemeinde handle. Rund eine Million Euro ließen sich einsparen, wenn man künftig ganz auf das Sprungbecken verzichten würde. Doch eigentlich gehöre es zum Bad, so die Meinung in Gemeinderat und Verwaltung.
Prüfung von Fördermöglichkeiten
Hoffnung auf Mittel aus Bundesförderprogramm
Klar sei, dass die Gemeinde diese Investition nicht ohne öffentliche Förderung stemmen könne, sagt der Bürgermeister. Er hat unter anderem das Bundesförderprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur im Auge. Das passe genau auf das Denkendorfer Vorhaben. Denkbar sei auch die Gründung eines Fördervereins, der sich an der Finanzierung beteiligen könnte. Als nächstes sollen verschiedene Szenarien erarbeitet werden, wie und welche Maßnahmen in welchem Zeitraum umgesetzt werden. Auch Fördermöglichkeiten sollen geprüft werden.
Der Gemeinderat stellte sich einhellig hinter die Sanierung des Freibads, das ein großes Einzugsgebiet hat. Man sehe hier auch einen gesellschaftlichen Auftrag, so FWV-Fraktionschef Frank Obergöker, der sich von der energetischen Sanierung auch reduzierte Energiekosten verspricht. Sein CDU-Kollege Peter Nester ergänzte: „Wir wollen schließlich, dass unsere Kinder schwimmen lernen.“ Das Bad gehöre einfach zu Denkendorf, so Matthias Schöllkopf (Grüne). Auch Barbara Fröhlich (SPD) betonte: „Die Sanierung ist nötig.“
Maßnahmen und Perspektiven
Sanierung
In zwei Bauabschnitten wurden 2001 und 2004 unter anderem das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken mit Edelstahl ausgekleidet, um den Wasserverlust durch poröse Fliesen zu verringern. Auch die große Wellenrutsche wurde damals installiert. In der Zwischenzeit wurden immer wieder Erneuerungen und Reparaturen durchgeführt. Unter anderem wurde das Dach über dem Umkleide- und Sanitärbereich samt der dort installierten Solarabsorberanlage erneuert. In den Sanitärräumen wurden Fliesen und Armaturen ausgetauscht. Der Heizkessel, der das Wasser in den Becken erwärmt, wurde ebenfalls ausgewechselt.
Wohnraum
Da die Dachterrasse über den Wirtschaftsgebäuden seit Jahren von der Gastronomie nicht mehr genutzt wird, könnte dieser Bereich aufgestockt und Wohnungen geschaffen werden, so eine weitere Überlegung. Alternativ könnten auch weitere Absorberanlagen zur Erwärmung des Beckenwassers aufgestellt werden. urh