Kinder lösen die meisten Probleme selbst: Die ersten Streitschlichter an der Grundschule Aichwald haben ihre Zertifikate erhalten.
Für die Erwachsenen sind es manchmal nur Kleinigkeiten, worüber Kinder in heftigen Streit geraten können. Ein schiefer Blick, eine unbedachte Bemerkung, ein unbeabsichtigter Rempler, und die Welt der Kinder gerät aus den Fugen.
Um solche und ähnliche Konflikte besser bewältigen zu können, darum kümmern sich an der Grundschule Aichwald seit diesem Schuljahr 13 eigens dafür ausgebildete Streitschlichter. Ihre Ausbildung dafür haben die heutigen Viertklässler bereits am Ende ihres dritten Schuljahres absolviert. Kürzlich hatte sie Aichwalds Bürgermeister Andreas Jarolim ins Rathaus nach Schanbach eingeladen, um ihnen offiziell ihre Zertifikate zu überreichen, zusammen mit einem kleinen Geschenk. „Wenn ihr bei Streitigkeiten eine gute Lösung findet, dann ist das eine tolle Sache“, lobte Jarolim das Engagement der jungen Schülerinnen und Schüler.
Streit wegen Vesperdosen auf einem Tischkicker
Unter den ersten Aichalder Streitschlichtern sind auch die Viertklässler Maja, Amelie, Jonathan und Felix. Während Amelie schon fünf Mal und Maja erst einmal eingreifen mussten oder konnten, hatten Jonathan und Felix noch keine Gelegenheit dazu. Im Gespräch ist den beiden Jungen die Enttäuschung darüber anzumerken.
Bricht irgendwo ein Streit aus, können die Streitschlichter von sich aus aktiv werden oder die Streithähne können selbst auf sie zukommen. Maja berichtet von einem Fall, als Jungs aus der dritten Klasse in der Pause auf dem Schulhof zusammen Basketball gespielt und ihre Vesperdosen auf einem Tischkicker abgelegt hatten. Als ein Mädchen eine der Dosen runter warf, war der Streit vorprogrammiert.
Zusammen mit zwei anderen Streitschlichtern hat Maja die Kontrahenten zum Gespräch gebeten und nach einem genau festgelegten und von den Kindern auch selbst dokumentierten Verfahren den Streit beigelegt. Am Ende stand eine Art Vertrag, auf den sich alle Beteiligten gemeinsam geeinigt haben. „Die Jungs haben zugestimmt, nichts mehr auf dem Tischkicker abzulegen, und die Mädchen haben versprochen, nichts mehr runterzuwerfen“, erzählt Maja. Beim Nachtreffen eine Woche später habe sie erfahren, dass jetzt alles toll funktioniere.
Doch nicht immer klappt alles so reibungslos. Beispielsweise dann nicht, wenn einer der Kontrahenten keine Schlichtung wünscht, wie Jonathan erzählt. „Wenn jemand es nicht möchte, dann können wir den Streit auch nicht schlichten“, sagt der Viertklässler bedauernd. „Das tut uns zwar leid, aber wir können das auch nicht ändern“, ergänzt Maja. Jonathan hat festgestellt, dass an seiner Schule deutlich weniger gestritten wird, seit er und die anderen Streitschlichter im Amt sind.
Aufstockung der Schulsozialarbeit
Initiiert haben das Streitschlichterprojekt die beiden Schulsozialarbeiter Daniel Winter, der zudem noch das Jugendhaus Domino leitet, und Martina Wendt, die erst seit vergangenem September an der Grundschule ist – für Schulleiter Jörn Pachner ein Glücksfall. „Ohne die Aufstockung der Schulsozialarbeit hätte es das Projekt nicht gegeben“, sagt er. Bis zum vergangenen Schuljahr war nur eine halbe Stelle für die Schulsozialarbeit vorgesehen, die der Aichwalder Gemeinderat aber im vergangenen Herbst auf 100 Prozent aufgestockt hat.
Für Daniel Winter ist das Streitschlichterprojekt auch ein wichtiger Teil der Gewaltprävention. Er lobt vor allem das Engagement der Kids. „Die sind super selbstständig“, sagt er und freut sich ebenso wie Wendt darüber, dass inzwischen die zweite Generation der Aichwalder Streitschlichter ausgebildet wird und das Interesse unter den Kindern groß ist, dabei mitzumachen.