Sigrid Bayer, Wolfgang Baumann und Irmhild Gebauer . Foto: Karin Ait Atmane - Karin Ait Atmane

Ob Kinderbetreuung, Hilfe im Haushalt oder Hunde-Sitting – das neue Konzept des Sozialnetzwerkes bietet Unterstützung.

ReichenbachIm Reichenbacher Rathaus gibt es seit einiger Zeit eine „Kümmererstelle“: vom Fahrdienst für Senioren bis zum Hunde-Sitting, von der Hilfe im Haushalt bis zur Kinderbetreuung im Notfall – wer ein Problem hat, bekommt beim Sozialnetzwerk Reichenbach „S.O.N.N.E.“ Unterstützung oder zumindest einen Hinweis, wo solche zu finden ist. Den Krankenpflegeverein Reichenbach gibt es nicht mehr. Aber als „S.O.N.N.E.“ wiedergeboren, hat er neue Vitalität, neue Perspektiven und nicht zuletzt auch neue Mitglieder gewonnen. Zwei Jahre Vorlauf hat das gebraucht, und „es war gut, dass wir diese Zeit hatten“, sagt Sigrid Bayer, die zusammen mit Wolfgang Baumann und Irmhild Gebauer am neuen Konzept getüftelt hat. Alle drei waren vom Bürgermeister oder von einem der beiden Pfarrer gefragt worden, ob sie sich vorstellen könnten, den Krankenpflegeverein weiterzuentwickeln. Denn der hat, wie an anderen Orten auch, seine ursprüngliche Funktion längst eingebüßt. Als Personalträger für die Gemeindeschwestern brauchte man ihn schon seit der Einführung der Diakoniestationen nicht mehr. Und als Förderverein für soziale Zwecke war der Verein zwar nützlich, aber eigentlich nicht sichtbar – das hat sich auch auf die Mitgliederzahlen ausgewirkt.

Bayer, Gebauer und Baumann, die heute zusammen mit Kassiererin Gabi Lenz den geschäftsführenden Vorstand bilden, ließen sich von der Mitgliederversammlung offiziell beauftragen und packten die Sache an. Fest stand: Der neue Verein, dessen Kürzel für „sozial, offen, nah, nachhaltig, engagiert“ steht, soll Hilfe in verschiedensten Lebenslagen geben und sich nicht auf die Zielgruppe Senioren beschränken. „Das war uns sehr wichtig“, sagt Wolfgang Baumann. Und tatsächlich „kommen die Leute mit allen möglichen Fragen hierher“, erzählt Sigrid Bayer. Die Geschäftsstelle im Erdgeschoss des Rathauses hat mittwochvormittags geöffnet und ist barrierefrei zugänglich. Der Verein kann sie kostenlos nutzen, die Gemeinde stellt auch die Ausstattung zur Verfügung: optimale Voraussetzungen, finden die Vorstände, die in diesem Ehrenamt „ein ganz gutes Pensum“ zu bewältigen haben. Längerfristig würden sie gerne jemanden in der Geschäftsstelle beschäftigen.

Bei vielen Anliegen können sie mit den vereinseigenen Dienstleistungen weiterhelfen. Einige Angebote stehen allen Reichenbachern zur Verfügung, wie die Fahrdienste zum Friedhof oder zum Einkaufen. Gut angenommen wird die Beratung zu Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht, für die Wolfgang Baumann ausgebildet ist.

Mitgliedschaft im Verein

Andere Angebote setzen die Mitgliedschaft im Verein – der Jahresbeitrag liegt 25 Euro, für die reine Fördermitgliedschaft bei 15 Euro – voraus. Dazu gehören die Hilfe im Haushalt, die Betreuung von Wohnung oder Haustieren im Krankheitsfall oder auch Kinderbetreuung. Ältere können sich zum Arzt fahren lassen, jemanden zum Spazierengehen, Vorlesen oder für gemeinsame Aktivitäten „buchen“. Ebenso vermittelt S.O.N.N.E. Helfer für kleine Reparaturen zu Hause. All das kostet eine kleine Gebühr; die zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Moment diese Aufgaben abdecken, bekommen dafür zehn Euro auf die Stunde. Weitere sind gesucht, denn die Nachfrage steigt. Neue Ideen und Aufgaben ergeben sich aus den Anfragen oder im Austausch mit anderen Gremien wie dem Kreisseniorenrat. „Wir halten die Augen offen, was es so alles gibt“, sagt Baumann. So verteilt das Sozialnetzwerk auch Notfalldosen für den Kühlschrank, will das Bewegungsprogramm BUS für Senioren in Reichenbach einführen und lädt zu Vorträgen ein. Kürzlich ging’s um die Frage, wann Kinder für ihre Eltern aufkommen müssen; im Herbst ist eine Veranstaltung zur 24-Stunden-Pflege daheim geplant. Den gemeinsamen Mittagstisch am Donnerstag hat S.O.N.N.E. vom Krankenpflegeverein übernommen und führt in weiter. Gleichzeitig werden neue Sachen ausprobiert. „Wir setzen uns immer wieder neue Ziele“, betont Irmhild Gebauer. Nicht alles schlägt gleich ein wie erwartet, so werden momentan die Mitfahrbörse zum Freibad oder die Friedhofsfahrten eher zögerlich genutzt. Sigrid Bayer nimmt das als positives Zeichen: „Vielleicht funktioniert da einfach die Nachbarschaft noch.“

Dass der eingeschlagene Weg der richtige ist, zeigen die Nachfrage und die Dankbarkeit von Mitgliedern, die Dienstleistungen nutzen. Und nicht zuletzt die steigende Mitgliederzahl. Vom Krankenpflegeverein hat das Sozialnetzwerk 322 Mitglieder übernommen. Statt dem erwarteten Schwund stieg ihre Zahl inzwischen auf 376 Personen. Und viele davon interessieren sich offensichtlich auch für die Aktivitäten. „Die Mitgliederversammlung 2018 war sehr gut besucht, wesentlich besser als die vorigen des Krankenpflegevereins“, sagt Irmhild Gebauer.

Weitere Informationen gibt es unter www.sonne-reichenbach.de.

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