Ein ägyptischer Archäologe besteigt zu Forschungszwecken die Pyramide von Menkaure (Bild aus dem Jahr 2003). Foto: mago/Aurora Photos

Die dritte und kleinste Pyramide von Gizeh könnte einen noch unentdeckten zweiten Eingang besitzen. Hinweise dafür liefern bauliche Auffälligkeiten  hinter der Ostfassade der Menkaure-Pyramide.

Ganz Gizeh ist von den Archäologen erforscht. Ganz Gizeh? Nein! Die Spatenforschung ist immer wieder für Überraschungen gut. Das beweist ein neuer Fund bei der Menkaure-Pyramide.

Die dritte und kleinste Pyramide der Monumetalbauten könnte einen noch unentdeckten zweiten Eingang besitzen, wie Archäologen unter Beteiligung von Forschern der Technischen Universität München (TUM) im Fachjournal „NDT&E International, 2025“ berichten.

Anomalien hinter der Ostfassade der Menkaure-Pyramide liefern ausreichend Hinweise für diese Vermutung. Den Messdaten von Radar, Ultraschall und Leitfähigkeitsmessungen zufolge könnte es sich um luftgefüllte Hohlräume handeln. Diese möglichen Kammern liegen direkt hinter einer Fläche, in der die sonst groben Granitblöcke ungewöhnlich poliert und geglättet sind.

Die größte und älteste der Pyramiden von Gizeh (Mitte), wurde als Grabmal für den Pharao Cheops gebaut. Rechts im Bild sind die Pyramide des Chephren und links die des Menkaure zu sehen. Foto:  Foto: © Fareed Kotb/dpa

Monumentalbauten aus dem Alten Reich

Die Pyramiden von Gizeh sind ebenso berühmt wie geheimnisvoll. Die drei Monumentalbauten wurden vor mehr als 4500 Jahren für die drei ägyptischen Pharaonen des Alten Reiches, Cheops, Chephren und Menkaure (Mykerinos), errichtet. Doch was sich in ihrem Inneren verbirgt, ist nur in Teilen bekannt.

Ende 2017 hatten Wissenschaftler im Herzen der Cheops-Pyramide einen riesigen Hohlraum entdeckt. Er sei dort rund 4500 Jahre lang völlig unberührt geblieben, berichteten damals die Forscher. Er habe die Größe einer Passagiermaschine mit 200 Plätzen, erklärte einer der Co-Autoren, Mehdi Tajubi.

Die Pyramide von Menkaure auf dem Plateau von Gizeh bei Kairo. Foto: Imago/United Archives

Myonen-Scans leuchten ins Unbekannte

Der rund 30 Meter lange Hohlraum befindet sich demnach über der Großen Galerie, einem fast 50 Meter langen Tunnel, der die Grabkammer des Pharaos mit einem zum Ausgang führenden Gang verbindet.

Für ihre Entdeckung nutzten die Forscher sogenannte Myonen-Teilchen, die ihnen ähnlich wie beim Röntgen einen Einblick in die riesige Pyramide verschafften, ohne auch nur einen Stein verrücken zu müssen.

Mithilfe dieser Myonen-Scans haben Archäologen in jüngster Zeit zudem einen großen Gang in der Cheops-Pyramide, einen Gang in der Chephren-Pyramide und ein unbekanntes Grabmal entdeckt.

Menkaure (griechisch Mykerinos) war der sechste König (Pharao) der altägyptischen 4. Dynastie im Alten Reich. Er herrschte etwa von 2530 bis 2510 v. Chr.[3] Über seine Person und seine Regierungszeit existieren nur sehr wenige Zeugnisse. Bekannt ist er vor allem durch den Bau der dritten Pyramide von Gizeh. Foto: Imago/United Archives

Glatte Stellen in der Granitverkleidung

Jetzt haben Archäologen auch in der dritten Pyramide von Gizeh bauliche Auffälligkeiten entdeckt. Dieses Grabmal des Pharaos Menkaure, auch Mykerinos genannt, ist mit 65 Meter Höhe die kleinste der drei großen Gizeh-Pyramiden.

Ein besonderes Merkmal ist die Fassade dieser Stufenpyramide aus Kalksteinblöcken, von der untere Teil mit Granitplatten verkleidet ist. „Ursprünglich bildeten diese Platten 16 bis 18 horizontale Reihen, heute sind nur noch sieben davon erhalten“, berichten Khalid Helal von der Universität Kairo und seine Kollegen.

Die Granitverkleidung der Menkaure-Pyramide ist am Haupteingang, aber auch an einer Stelle der Ostfassade auffällig geglättet und poliert. Foto: © Sebi/ gemeinfrei

Auch an einer Stelle der Ostseite sind die sonst eher rauen, unebenen Granitblöcke auffällig geglättet. „Diese Flächen stechen durch ihre polierten, akkurat eingepassten Blöcke heraus“, schreiben die Archäologen.

Dieser Bereich ist rund vier Meter hoch und sechs Meter breit und liegt im unteren Teil der Ostfassade. Solche glatten Steine finden sich sonst nur am bisher einzigen bekannten Eingang der Menkaure-Pyramide an der Nordseite.

Umrisse der beiden detektierten Anomalien hinter der Ostfassade der Menkaure-Pyramide. Foto: © Helal et a./ NDT&E International/CC-by 4.0

Hightech-Spurensuche im antiken Gemäuer

Könnte sich auch auf der Ostseite der Pyramide ein weiterer Eingang verbergen? Um das herauszufinden, haben Helal und sein Team die Ostfassade der Menkaure-Pyramide durchleuchtet. „Unsere Aufnahmen enthüllten zwei Anomalien direkt hinter den polierten Granitblöcken“, erläutern die Forscher.

„Diese repräsentieren wahrscheinlich luftgefüllte Hohlräume im Kalksteinbauwerk, die direkt unter der Granitverkleidung der Ostfassade beginnen.“ Der größere Hohlraum ist rund einen Meter hoch und 1,50 Meter breit, der zweite mit 90 mal 70 Zentimeter etwas kleiner.

Wie tief diese beiden Hohlräume in die Menkaure-Pyramide hineinreichen, ist bisher noch offen. „Es war schwer festzustellen, wie weit diese Anomalien in das Innere der Pyramide hineinreichen“, erklären die Ägyptologen „Die Eindringtiefe unserer Methoden reichte dafür nicht aus.“ Es ist jedoch durchaus möglich, dass diese Hohlräume zu einem Gang gehören, der in das Innere der Pyramide hineinführt.

Forscher der Universität Kairo und der Technischen Universität München (TUM) haben erstmals zwei Anomalien in der drittgrößten Pyramide von Gizeh entdeckt und konnten sie als verborgene Hohlräume identifizieren. Foto: ScanPyramids project/TUM

Eingang zu einem verborgenen Raum?

Damit könnte es sich bei den neu entdeckten Hohlräumen um die Reste eines weiteren Eingangs in die Menkaure-Pyramide handeln. Dass es einen solchen zweiten Eingang an ihrer Ostseite gibt, vermuten Archäologen wegen der glattpolierten Granitfläche schon länger.

„Unsere Entdeckungen bringen uns einen großen Schritt weiter, diese zu bestätigen“, konstatiert Koautor Christian Große von der Technischen Universität München. „Nach dem bedeutenden Fund einer unbekannten Kammer in der Cheops-Pyramide im Jahr 2023 ist es erneut gelungen, eine wichtige Entdeckung in Gizeh zu machen.“