In Plochingen gelingt die Integration Geflüchteter offenbar gut, doch die Wohnsituation wird von manchen als „nicht geeignet“ bewertet. Warum die Stadt auf Container setzt.
Zehn Jahre ist es her, dass vor allem der Syrische Bürgerkrieg und weitere bewaffnete Konflikte in Vorderasien und Afrika ein Vielfaches an Menschen zur Flucht nach Europa und damit auch nach Plochingen bewegte – über Jahre eine Herausforderung mit viel Konfliktpotenzial für die Stadt wie viele andere Kommunen. Heute ist man in Plochingen überzeugt, eine gute Integrationsarbeit zu leisten. Doch es gibt auch Kritik, beispielsweise an der Wohnsituation der Geflüchteten, von denen einige in Wohncontainern leben.
Der aktuelle Bericht der Verwaltung zur Flüchtlingsunterbringung in Plochingen, der kürzlich Thema im Gemeinderat war, hob auf die positiven Errungenschaften der Integrationsarbeit der vergangenen Jahre ab. Und nach Angaben von Vertretern des Lokalen Bündnisses für Flüchtlinge sind beispielsweise 90 Prozent der 2015 Angekommenen in Arbeit. Zudem seien mittlerweile zahlreiche Geflüchtete selbst ehrenamtlich aktiv und engagierten sich für neu Ankommende.
Stolz auf gelungene Integration in Plochingen
Stadtrat Klaus Hink (Bürgerliste) hätte gern differenziertere Zahlen zur Beschäftigung von Geflüchteten gehabt; die lagen allerdings nicht vor. Ansonsten war quer durch die Fraktionen durchaus Stolz auf die gute Integrationsarbeit zu spüren. Trotz einiger Höhen und Tiefen sei das Thema „letztendlich sehr gut bewältigt“ worden, sagte Dagmar Bluthardt (SPD). Sie führte das unter anderem auf das große Engagement des Lokalen Bündnisses, aber auch in der Stadtverwaltung zurück – und auf die gute Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. Patrick Englisch (ULP) lobte, dass zahlreiche Kontakte und Begegnungen in Plochingen stattfänden und Silvia Ergin (OGL) fand, dass Integration hier „richtig gut funktioniert“.
Ergin sieht aber auch Handlungsbedarf bei den Unterkünften. Die Stadt ist für die Unterbringung von an sie zugewiesenen Geflüchteten ohne Wohnraum verantwortlich, über deren Asylantrag bereits entschieden wurde oder die zwei Jahre im Verfahren sind. Etwa 150 leben in von der Stadt vermittelten privaten oder kommunalen Wohnungen. Etwa 200 in Gemeinschaftsunterkünften. Auch wenn derzeit alle zugewiesenen Personen versorgt seien, handle es sich nicht immer um eine geeignete Unterbringung, bewertet Ergin die Situation: So sollten aus Sicht der OGL Container wie in der Eisenbahnstraße immer nur eine Übergangslösung sein.
Neue Container schaffen Platz für 40 weitere Geflüchtete
Tatsächlich wird dieser Standort derzeit aber noch erweitert um weitere 40 Plätze. Die zusätzlichen Container werden aktuell aufgestellt und sollen ab Januar oder Februar bezogen werden, erklärte Marc Petzold vom Amt für öffentliche Ordnung.
Nach Einschätzung der Stadt braucht man diese Plätze weiterhin im Rahmen der Anschlussunterbringung. „Wir rechnen für das kommende Jahr mit zwischen 80 und 100 Personen“, sagte Petzold – das wäre vergleichbar mit der Zahl im aktuellen Jahr, in dem die Stadt ihre Quote erfüllen kann und sogar leicht darüber liegt. Die Stadt verfügt über knapp 200 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften, die allerdings auch für Obdachlose genutzt werden. Zwei der bestehenden Unterkünfte, die Container in der Eisenbahnstraße und ein Gebäude in der Esslinger Straße, sind derzeit annähernd zu 100 Prozent ausgelastet. Die Häuser im Filsweg und in der Geschwister-Scholl-Straße sind zu 70 Prozent belegt, was dem Bericht zufolge daran liegt, dass dort aktuell gearbeitet wird: in einem Fall war ein Wasserschaden zu verzeichnen, im anderen werden Wohnungen nach dem Auszug von Mietern renoviert.
Auch privater Wohnraum ist in Plochingen an Geflüchtete vermietet, insgesamt leben 76 Personen, überwiegend aus der Ukraine, in 17 privaten Wohnungen. 71 weitere Geflüchtete sind Mieterinnen und Mieter beim Eigenbetrieb Wohnen der Stadt.