Die Gastronomenfamilie Mustafa will an die glorreichen Zeiten vom Café Le Théâtre in der Gloria Passage anknüpfen. Im Sommer soll es unter dem altbekannten Namen wieder eröffnen.
An der Eingangstüre kommen Vergangenheit und Zukunft zusammen: Das Originalschild vom Café Le Théâtre hängt noch an der Decke, die Fußmatte zeugt vom Zwischenspiel Hygge. Ganz in Rot ist das Lokal in Stuttgarts Gloria Passage neuerdings gehüllt, der Farbe des früheren Traditionscafés. Im Sommer 2026 soll es als Le Théâtre nämlich wieder eröffnen. „Unter dem Namen ist es seit mehr als 30 Jahren bekannt“, sagt Adrijan Mustafa, der das Lokal künftig mit seiner Familie betreiben wird. Erst vor zwei Jahren hatte der Vorgänger Eren Altan es in Hygge umbenannt und ein neues Konzept eingeführt. Den Betrieb verkaufte er – und übernahm in Esslingen das Restaurant Krone.
Das Konzept: Schwäbische Küche mit mediterranem Touch
Mit Le Théâtre wagen die Mustafas den Schritt in die Stuttgarter Innenstadt. Skender Mustafa führt seit 15 Jahren das Sportheim vom TSV Münchingen und ist seit mehr als drei Jahrzehnten in der Branche beschäftigt, seine Söhne Adrijan und Arijan sind in das Geschäft eingestiegen. In seinem Vereinslokal serviert der 63-Jährige „das typische deutsche Programm“: Rostbraten, selbst gemachte Spätzle und Schnitzel zum Beispiel. Pizza und Pasta stehen ebenfalls auf der Speisekarte. „Schwäbische Küche mit mediterranem Touch“ ist auch ihr Konzept für das Le Théâtre sowie „ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“, erklärt Adrijan Mustafa. In Korntal-Münchingen verlangen sie für ihren Rostbraten mit Beilage und Salat 24,90 Euro. „Bei uns ist es schwer, am Wochenende einen Platz zu finden“, sagt er.
Im Café Le Théâtre war die Familie selbst zu Gast, als es noch von Stefan Gauß geführt wurde. Seit den 1990er Jahren war er der Gastgeber in der Gloria-Passage und sorgte mit Aktionen wie einem Jogginghosen-Verbot für viel mediale Aufmerksamkeit. „Die älteren Stuttgarter kennen es – und die Generation von mir und meinem Bruder“, erklärt Adrijan Mustafa. Das Café im Namen haben sie allerdings gestrichen, weil das Le Théâtre zwar Kaffee und Kuchen bieten wird, aber zusätzlich ein Restaurant und eine Bar sein wird. Das Lokal wollen sie außerdem komplett neu her- und einrichten, weshalb es für drei bis vier Monate geschlossen bleibt. Nur der Boden und die originalen mit Spiegeln bestückten Holzwände werden restauriert. Skender Mustafa sieht viel Potenzial an dem Standort in der Innenstadt. Die Konkurrenz sei zwar groß, „aber man muss es eben sehr einladend gestalten“, sagt sein Sohn.
Sechs Wochen vor der Corona-Pandemie hatte Eren Altan das Café Le Théâtre von Stefan Gauß übernommen. „Es war ein wilder Start“, erinnert er sich, „und es war eine tolle Zeit.“ Nach vier Jahren wollte er den Anteil von Speisen erhöhen, gab dem Lokal den Namen Hygge, was im skandinavischen Raum Gemütlichkeit bedeutet, und servierte schwäbische Tapas. Doch mit seinen 250 Sitzplätzen wurde ihm der Betrieb zu groß, der persönliche Bezug zu den Gästen fehlte ihm. In der Krone in Esslingen kenne er die meisten Besucher nach wenigen Wochen schon mit Namen. Mit seinem Koch Josip Cutura hat er das Traditionslokal übernommen. Neapolitanische Pizza, Pasta und regionale Spezialitäten wie Schnitzel, Spätzle und Maultaschen bieten sie an. Sein Konzept mit den schwäbischen Tapas hat er jedoch nicht ganz aufgegeben: „Es hat wirklich Spaß gemacht, das war eine Leidenschaft“, sagt Eren Altan, „damit könnten wir jederzeit wieder starten.“