Das Brüderpaar Marco (links) und Vittorio Graziano hat die traditionsreiche Weinstube Schnecken in Plattenhardt gekauft. Ihnen schwebt dort gehobene schwäbische Küche vor. Foto: Caroline Holowiecki

Seit Monaten ist die Küche in der traditionsreichen Weinstube in Plattenhardt kalt, nun hat das Lokal den Besitzer gewechselt. Die weiteren Pläne sind sehr konkret.

Die Kissen auf den Holzstühlen sind aufgeschüttelt, als würde an den rustikalen Tischen gleich jemand Platz nehmen. Die Gläser in der beleuchteten Vitrine hinter der Theke stehen in Reih und Glied, und mit Kreide an Tafeln geschriebene Empfehlungen machen Lust auf einen Schluck zum Feierabend. Die Weinstube Schnecken wirkt alles andere als verlassen. Doch der Schein trügt. Die Küche im traditionsreichen Lokal in der Ortsmitte von Plattenhardt ist schon seit Monaten kalt. Hans Schmid, der das beliebte Restaurant gemeinsam mit seiner Frau zwischen 1998 und 2016 betrieben hat, berichtet, dass sein Nachfolger im April 2024 aufgehört hat – aus personellen Gründen. Seither ist die Tür zum prägnanten Fachwerkhaus zu.

Doch es tut sich was. Die Schmids haben die Weinstube samt der Pächterwohnung veräußert. Bis auf ein paar Formalien ist der Wechsel perfekt. Gekauft haben das Objekt zwei Brüder: Vittorio und Marco Graziano. Die 39 und 40 Jahre alten Männer aus Stuttgart-Vaihingen und Rudersberg sind vom Fach. Marco Graziano ist staatlich geprüfter Küchenmeister und Betriebswirt, der jüngere Bruder ist gelernter Koch. Den Schnecken selbst betreiben will das Duo allerdings nicht. Gesucht wird ein Pächter, und die Brüder haben sehr genaue Vorstellungen, was der mitbringen soll.

Das Hauptgebäude wurde 1553 erbaut

Der Schnecken gehört zu den prägenden Gebäuden in Plattenhardt. Auf einer Tafel an der Fassade ist zu lesen, dass das giebelständige Hauptgebäude 1553 erbaut wurde, 1579 kam der nördliche Anbau hinzu. Der namensgebende Wendeltreppenturm aus dem 15. Jahrhundert wurde demnach wahrscheinlich von einem anderen Gebäude herversetzt. Entsprechend urig ist das Ambiente im Haus. Viel dunkles Holz, viel Fachwerk und historische Deko wie ein Pferdegeschirr, Wagenräder, und alte Küchenutensilien erzählen Geschichten von anno dazumal. Der Schnecken stand früher für gut bürgerliche Küche, und genau das schwebt den Brüdern wieder vor. Vittorio Graziano spricht von einer „Herzensangelegenheit. Diese Läden sterben aus, das finde ich schade“. Klar, der Kauf des Gebäudes sei eine Investition, aber nicht nur. „Ich versuche, damit was zu erhalten“, sagt er. Die schönen schwäbischen Weinstuben gebe es vielerorts nicht mehr, und gerade diese habe besonders viel Charme. Der ältere der beiden Männer sagt: „Das gehört für mich zur Kulturerhaltung.“

Gesucht wird ein Pächter, „der gastronomisch und betriebswirtschaftlich was kann“, sagt Marco Graziano. „Wir suchen nicht die Kurzfristlösung. Es soll jemand sein, der mit Leib und Seele dabei ist“, fügt er hinzu. Vittorio Graziano nickt. „Idealerweise jemand, der gastronomische Erfahrung vorweisen kann.“ Die Brüder haben ein gutes Restaurant mit gehobener schwäbischer Küche im Sinn und sind überzeugt, dass das Konzept fruchten wird, „die Zielgruppe ruft danach“, sagt Marco Graziano. Hans Schmid, der Ex-Schnecken-Wirt, kann beiden nur beipflichten. „Das funktioniert. Das mögen die Leute, vor allem hier oben, wo es auch viele Messebesucher gibt“, sagt er.

Mit der Suche nach einem Pächter ist ein Makler beauftragt worden. Der hat das Objekt in einem ersten Schritt in ein bekanntes Immo-Onlineportal eingestellt. Dort ist alles zum großen Gastraum, zur Terrasse, zum Nebenraum, zum Gewölbekeller und zur Pächterwohnung zu lesen. Die eine oder andere Anfrage habe es schon gegeben. „Wir sind guter Dinge, dass wir in den nächsten Monaten jemanden finden“, sagt Vittorio Graziano.