Vincenzo Nuzzi hat die Pavillons errichtet, weil seine Kunden gerne an der Straße sitzen. Foto: Simon Granville

Vincenzo Nuzzi hat den Job in der Autobranche an den Nagel gehängt und betreibt das Café Noemi’s Espressino. Seine Gäste zieht es auch im Winter nach draußen.

Er hatte sein Café ausgebaut, zu den wenigen Plätzen im Thekenraum und den Plätzen draußen vor der Tür einen weiteren Raum geschaffen mit Plätzen drinnen, geschützt vor Wind und Wetter. In Ruhe sollte man hier im Noemi’s Espressino zusammensitzen, den Tag ausklingen lassen – oder beim Frühstück gemeinsam beginnen. Das werde auch angenommen, sagt Nuzzi und erzählt etwa von den Damen, die sich zum Austausch treffen, und den Schachspielern, die hier zusammenkommen. Und trotz des erweiterten Innenraums blieben die Stühle draußen selbst im Winter belegt.

Ob der Stuhl nun mit Decke gewärmt wurde, der Anorak vor dem kalten Wind schützte – den Gästen war es offenbar egal, wie sie vor dem Haus ihren Espresso genossen. Nuzzi reagierte. Seit einigen Wochen sind die Sitzplätze an der Straße geschützt: Im Pavillon. Dieser lässt den Blick der Passanten auf die Gäste zu – und andersherum den Blick der Gäste auf das Geschehen. „Der Gast sieht alles, er wird gesehen – es geht ums Sehen und Gesehen werden“, sagt Nuzzi.

Seit Dezember steht außerdem eine kleine Hütte vor der Espressobar. Zunächst habe er in der Adventszeit die Atmosphäre wie auf einem Weihnachtsmarkt schaffen wollen, sagt Nuzzi. Die Menschen seien gekommen, um Glühwein zu trinken, Currywurst und Pommes zu essen – das hatte der 49-Jährige zuvor nicht im Angebot gehabt. Für ihn passt das nun dennoch alles zusammen: „Das ist eine italienisch-schwäbische Location.“

Nuzzi hatte Karriere in einem Autohaus gemacht, war Verkaufsleiter, ehe er die Reißleine zog. Er wollte Zeit für seine Familie haben, ließ den Anzug fortan im Schrank hängen und machte sein Hobby zum Beruf. Dazu kam, dass sein Vater oft in einer Bäckerei saß und dort seinen Kaffee trank. Mit dem Flair, mit dem sein Vater in Italien groß geworden war, habe dieser Ort aber wenig zu tun gehabt. So kam eins zum anderen: Nuzzi eröffnete das Noemi’s – benannt nach seiner Tochter – in der Marktstraße, mitten in der Kernstadt also, wo er früher seine Schulhefte kaufte, für die Eltern zudem die Hörzu, für sich die Bravo. Hier wollte er nun Gardasee-Urlaubsstimmung lebendig werden lassen.

Klein-Italien in der Ditzinger Innenstadt

Seit Herbst 2019 ist das Café geöffnet. Zuvor hatten seine Partnerin Jennifer Cianci und er eine Baristaschulung gemacht. „Wir wollten Klein-Italien hier haben“, sagte Nuzzi zu Beginn – daran hat sich bis heute nichts geändert. Sie möchten Urlaubsflair bieten, die Gäste sollen vom Alltag abschalten können, zugleich wollen sie die Tradition bewahren. Sie möchten ihren Gästen die Möglichkeit geben, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, zu sagen: „Für fünf Minuten bin ich weg.“

An der Theke im Innenraum ist der Blick auf ein Teil des Angebots möglich. Foto: Simon Granville

Auch wenn das Speisenangebot mit der Hütte erweitert wurde – der Erweiterung sind Grenzen gesetzt. Denn familiär und authentisch wolle er auch weiterhin bleiben. Angeboten wird, was alle Mitarbeiter auch hinter der Theke, am Grill, in der Hütte leisten können. „Wir stehen mit Leib und Seele für die Produkte. Crêpes – das sind wir, Lachs sind nicht wir nicht. Das passt nicht zu uns. Das würde gespielt sein.“

Aus dem Praktikum zur Mitarbeit

Manch einer der inzwischen 20 Mitarbeiter – fünf von ihnen sind festangestellt – ist über ein Schülerpraktikum zu ihm gekommen. Für die Schüler ist der Ort laut Nuzzi inzwischen auch ein Raum, in dem sie offenbar gerne sind.

Zwischen 10 und 16 Jahre sind die jungen Gäste, die offenbar einen Raum gesucht – und gefunden haben. Einen Raum, „wo sie in Ruhe gelassen werden“, wie es der Chef formuliert.