In den vergangenen Jahre gab es viele Wechsel. Trotzdem wurden für das leer stehende Denkendorfer Rathauscafé rasch neue Pächter gefunden. Was die anders machen wollen.
Das Café am Rathaus hat in den vergangenen Jahren eher nicht durch Kontinuität von sich reden gemacht. Etliche Pächterinnen und Pächter folgten in rascher Folge aufeinander. Der bislang letzte warf im Herbst das Handtuch. Ende Januar sollen die Lichter wieder angehen.
Neuer Pächter ist die Genussmanufaktur Denkendorf. Deren Inhaber, die Brüder Silas und Benjamin Grammlich sind im Ort keine Unbekannten. Sie betreiben die örtliche Moste und haben eine Firma für Industriemontage mit inzwischen drei Standorten und laut eigenen Angaben mehr als 50 Mitarbeitenden.
Ein zentraler Ort in Denkendorf
Der Name des neuen Lokals: Denk.Bar. Darin sollen sich die Verwurzelung mit dem Ort Denkendorf und mit der Devise „vieles ist denkbar“ verbinden, erklärt Silas Grammlich. Mit der Übernahme des Cafés verfolgen er und sein Bruder zwei Ziele. Zum einen wollten sie etwas für ihren Heimatort machen. „In Denkendorf gibt es wenige zentrale Orte, wo man abends nur ganz entspannt etwas trinken kann“, sagt Grammlich. Zum anderen suchten sie auch nach einer Möglichkeit, die Produkte der Genussmanufaktur zu präsentieren. Seit diesem Jahr werden in der Moste nämlich nicht nur Äpfel und Birnen zu Saft verarbeitet, sondern auch Wein gekeltert, ausgebaut und abgefüllt. Partner ist Maximilian Dinter, der seit 2017 gemeinsam mit seiner Frau in Esslingen Weinberge bewirtschaftet und den Wein selbst vermarktet. „Maxwein“ findet sich jetzt ebenfalls unter dem Dach der Genussmanufaktur. Sekt, Weiß-, Rosé- und Rotweine sollen ebenso wie Apfelwein und andere in der Moste produzierten Getränke künftig am Denkendorfer Rathausplatz verkostet und verkauft werden.
Deshalb werde die Denk.Bar kein klassisches Café und auch kein Restaurant sein, sondern ein Treffpunkt für den ganzen Ort, wie Grammlich betont. „Wir sehen uns als Bar.“ Dort wird es neben Getränken überwiegend von der Genussmanufaktur und anderen regionalen Herstellern eine kleine Karte geben: Antipasti, Käse, Schinken und Deie sowie wechselnd ein Eintopfgericht wie Curry, klassische Eintöpfe oder auch Maultaschen. Lieferanten sollen vor allem regionale und lokale Produzenten sein. Während Maximilian Dinter und Silas Grammlich als Geschäftsführer der Genussmanufaktur fungieren, ist mit Axel Werft ein erfahrener Gastronom für den laufenden Betrieb in der Denk.Bar zuständig. Mit der Bar gehe für ihn der Traum von einem Lokal in der Ortsmitte in Erfüllung, sagt Werft. Er wird den Betrieb zunächst vorwiegend alleine stemmen und setzt bewusst auf seine Rolle als Gastgeber. „Wir fangen klein und bodenständig an, betont Grammlich. „Es soll kein Schnellschuss sein. Nachhaltigkeit ist uns wichtig.“
„Wir lassen es langsam angehen“
Gerade weil er um die wechselvolle Geschichte des Lokals weiß, betont Silas Grammlich: „Wir lassen es langsam angehen mit eher sparsamen Öffnungszeiten und entwickeln es dann nach und nach weiter.“ So haben die neuen Betreiber zunächst das Inventar des Vorgängers übernommen. Vor allem auch die örtlichen Vereine wollen die neuen Betreiber einbeziehen. Außerdem wolle man auf das Feedback der Besucher reagieren.
Die neuen Betreiber haben viele Ideen. So planen sie regelmäßig Events wie Weinproben, Grillabende mit regionalen Produkten oder andere kulinarische Veranstaltungen, die sie auch zusammen mit der Gemeinde oder örtlichen Vereinen veranstalten wollen. Auch ein mobiler Smoker soll zum Einsatz kommen.
Geöffnet ist die Bar an vier Tagen in der Woche ab dem Nachmittag. Zu den anderen Zeiten kann sich Grammlich durchaus vorstellen, das Lokal für soziale Begegnungen zu öffnen, für Mutter-Kind-Treffen etwa oder Senioren-Kaffee-Nachmittage. Zudem kann man die Bar auch für Veranstaltungen mieten. Grammlich hat hier nicht nur private Feiern, sondern auch Events von Vereinen im Kopf. Und man wolle sich bei Aktionen der Gemeinde einbringen. „Wir sind für vieles offen.“ Grammlich ist überzeugt: „Aus dem Rathauscafé kann man was machen.“
Historie des ehemaligen Cafés
Vergangenheit
Das 1999 eröffnete Café am Rathausplatz führte acht Jahre lang Mario Colaone, bevor er 2007 aus gesundheitlichen Gründen die Eisdiele schloss. Nachfolger Steffen Schlecht setzte mit seiner „Caffé Bar Lounge“ auf ein neues Konzept. Nach zehn Jahren verlängerte er den Pachtvertrag nicht. Für knapp eineinhalb Jahre führte Gianfranco Di Fabio das Lokal bevor 2019 Theodoros Dovridis sein Bistro-Café „Aki“ eröffnete. Seinem Konzept brach die Coronapandemie das Genick. Sein Nachfolger Daniel Brandt schloss „Brandt’s Modern Bar Food“ nach rund eineinhalb Jahren aus gesundheitlichen Gründen. Es folgten im April 2023 „Schilling’s“ und im Juli 2024 das Café „Eiszeit“, das in diesem Herbst schloss.
Eröffnung
Die „Denk.Bar“ startet am 29. Januar 2026. In der Eröffnungswoche wird jeder Gast mit einem Glas Sekt der Genussmanufaktur begrüßt.
Öffnungszeiten
Geöffnet ist „Denk.Bar“ donnerstags bis samstags von 15 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 20 Uhr.