Für Klaus Brodbeck ist das Projekt „meine ernte“ eine Herzensangelegenheit. Foto: oh

Selber ackern und Gemüse anbauen unter Anleitung? Das Projekt „meine ernte“ macht’s möglich. Der Möhringer Landwirt Klaus Brodbeck brennt dafür.  

Stuttgart - Dass ein Eisbergsalat nicht samt Plastikfolie auf dem Acker wächst, sollte bekannt sein. Doch viele Menschen kommen mit Gemüse erst im Supermarkt in Berührung, wo es abgepackt präsentiert wird. Einige haben nur eine vage Vorstellung davon, wie Gemüse angepflanzt und geerntet wird. Bauer Klaus möchte seine Kunden darüber aufklären. Denn der Landwirt hat schon äußerst skurrile Sachen gehört. „Eine ältere Dame hat mich gefragt, ob man bei Kartoffeln die Knollen im Boden oder die Blüten erntet“, erzählt er.

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Klaus Brodbeck, genannt Bauer Klaus, betreibt seit 1990 einen Hof in Stuttgart-Möhringen, den er von seinen Eltern gepachtet hat. Seine Mutter, Ruth Brodbeck, hilft mit ihren 85 Jahren noch kräftig mit. Daneben unterstützen Mitarbeiter und Saisonarbeitskräfte die Brodbecks. 60 Hektar bewirtschaftet Bauer Klaus. Zwei Drittel der Fläche sind Ackerbau, auf dem Getreide, Sojabohnen und andere Feldfrüchte angepflanzt werden sowie Gemüse, das im Hofladen verkauft wird. Der Rest der Fläche ist Grünland, das als Nahrung für die 25 Pensionspferde dient. Seit August 2017 ist der Hof nach der EU-Bio-Verordnung ökozertifiziert und seit knapp zwei Jahren ein Bioland-Betrieb.

Seit neun Jahren macht Bauer Klaus bei „meine ernte“ mit – einem Start-up, das Gärten vermietet. Der Landwirt bereitet Felder für seine Kunden vor, die dort ihr eigenes Gemüse ernten können. „Wir bestellen von März bis Ende April einen Gemüseacker, auf dem wir zum Beispiel Blumenkohl, Karotten oder Salat anpflanzen. Insgesamt sind es fast 30 verschiedene Sorten. Der Acker wird in Parzellen eingeteilt, die jeweils 45 Quadratmeter umfassen“, erklärt er.

Erfolg garantiert

Ab 1. Mai sind dann die Hobbygärtner für ihr Gemüsebeet verantwortlich. Der Landwirt und seine Mitarbeiter begleiten den Prozess und unterstützen die fleißigen Hobby-Gärtner. Mitmachen kann jeder – egal, ob Anfänger oder Profi. „Viele Sorten sind von uns ja schon vorgepflanzt. Das ist unsere Erfolgsgarantie bei der Sache. Ein Teil der Felder, die wir vermieten, ist als Wunschbeet angelegt. Eine Fläche von zehn Quadratmetern wurde von uns hergerichtet. Die Kunden dürfen dort die Pflanzen, die sie gerne ernten möchten, selbst anpflanzen“, sagt Bauer Klaus.

„Meine ernte“ ist eine Herzensangelegenheit für Bauer Klaus. „Das ist für mich ein pädagogisches Projekt. Ich möchte den Menschen zeigen, wie und was auf dem Acker wächst. Manche Kunden wollen genauer erfahren, wie Ackerbau funktioniert und versuchen es bei sich im eigenen Garten. Viele machen bei meiner Ernte mit, um selbst Erfahrungen im Gemüseanbau zu sammeln.“ Dabei ist es dem Landwirt wichtig zu betonen, dass die Flächen für das gemeinsame Gärtnern gemietet werden und nicht für andere Beschäftigungen: „Einige denken, wir verpachten Gärten, um eine Fläche zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht das Prinzip. Es geht darum, die Beete zu bepflanzen“.

In das Projekt investieren er und sein Team viel Zeit. „Unsere Kunden werden wöchentlich per Newsletter informiert, was für Arbeiten anstehen, oder welches Gemüse erntereif ist. Wir bieten eine Gärtnersprechstunde an, in der ich oder meine Mitarbeiter auf den Acker kommen, Fragen beantworten und beim Anbauen helfen. Das passiert in der Anfangsphase jede Woche.“ Daneben stellt der Bauer auch Gartenwerkzeuge zur Verfügung. Ebenso sind die Felder nicht nur per Auto, sondern auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Nachfrage ist da

Ein Gemüsegarten mit 45 Quadratmetern kostet 229 Euro pro Saison, für ein Beet mit 90 Quadratmetern bezahlt man 439 Euro. Der finanzielle Aspekt steht für Bauer Klaus jedoch nicht im Vordergrund, eine Goldgrube ist das Projekt für ihn nicht. Den Aufwand, den er reinsteckt, bekommt er bezahlt, mehr aber nicht. Bei den Kunden scheint „meine ernte“ gut anzukommen. „Dieses Jahr wollen wir 170 Parzellen anlegen, gestartet sind wir mit 80, und in den letzten drei Jahren sind wir bei 150 angelangt.“ Familien mit Kindern sind seine Hauptkunden – und sie geben den Beeten Namen wie „Erster Versuch“, „Wir wollen es wagen“ oder „Guck mal, was da wächst“.