Rund fünf Millionen Menschen nutzen in Deutschland Kleingärten, fast eine Million Hobbygärtner sind in Vereinen organisiert – auch in der Esslinger Region. Zu ihnen gehören die Esslinger Gisela und Klaus Süpfle.
Esslingen - Wer in der wärmeren Jahreszeit über die Seracher Heide geht, könnte zuweilen glauben, dass er einen Blick ins Paradies erhascht: Alles grünt und blüht, fleißige Gärtner graben, pflanzen, säen, schneiden und ernten – und jeder Pächter hat sein kleines Stück vom großen Glück mit ganz eigener Handschrift liebevoll gestaltet. Mitte der 50er-Jahre haben die Gartenfreunde Seracher Heide auf Esslingens Höhen ihre Kleingartenanlage eröffnet. Auf 1,2 Hektar sind dort 48 Parzellen angelegt – die allermeisten bleiben über Jahrzehnte in festen Händen. „Wer einmal zu uns gekommen ist, bleibt in der Regel, solange er oder sie das Gärtchen bewirtschaften kann“, erzählt Klaus Süpfle, der Vorsitzende der Gartenfreunde Seracher Heide. Und wenn doch mal eine Parzelle frei werden sollte, stehen die nächsten Interessenten bereits auf der Matte. „Wir haben immer eine gut gefüllte Warteliste“, weiß Süpfles Ehefrau Gisela. So ist das auch in vielen anderen Kleingartenanlagen in Stadt und Landkreis Esslingen, wo Gleichgesinnte der Liebe zu Pflanzen und Natur frönen.
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Kleingärtner wie die Süpfles werden gerne mal beneidet um die kleine Idylle, die sie sich auf der Seracher Heide geschaffen haben. Dass sie darin richtig viel Arbeit und Sachkenntnis investiert haben, ahnt der Laie meistens nicht. „Wenn wir in unserem Gärtle sind, gibt es fast immer etwas zu tun“, erzählt Gisela Süpfle, die die Arbeit im Schrebergarten nicht missen möchte: „Mir würde etwas fehlen, wenn wir unser Gärtle nicht hätten. Man weiß genau, was zu welcher Jahreszeit zu tun ist. Und weil man jedes Beet und jede Pflanze kennt, weiß man immer, wo’s gerade fehlt und wo man zupacken muss“, verrät sie. Und was das Schönste ist: „Man bekommt ganz viel zurück, weil man in jeder Hinsicht die Früchte seiner Arbeit ernten kann. Was man an Arbeit in seinen Garten investiert, bekommt man von der Natur zurück.“ Dass gerade junge Familien gerne nachziehen, wenn auf der Seracher Heide eine der begehrten Parzellen frei werden sollte, kann Klaus Süpfle gut verstehen: „Wer bei seiner Wohnung keinen eigenen Garten hat, ist dankbar, wenn er anderswo hinaus ins Freie kann. Wenn man mitten in der Stadt wohnt, kann der Bezug zur Natur, der gerade für Kinder so wichtig ist, leicht verloren gehen. Da ist ein Kleingarten eine gute Möglichkeit.“ Die Süpfles selbst haben vor mehr als elf Jahren ein Stück Land in der schmucken Kleingartenanlage auf Esslingens Höhen übernommen. „Ein Bekannter, der damals Vorsitzender der Gartenfreunde war, hat mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht“, erzählt Klaus Süpfle. „Anfangs habe ich gezögert, aber die Aussicht, etwas Sinnvolles für den Ruhestand zu haben, hat mich schließlich überzeugt. Den Ausschlag hat allerdings gegeben, dass meine Frau versprochen hat, mich tatkräftig zu unterstützen.“ Dass es danach nicht lange dauern würde, bis er selbst den Vorsitz der Gartenfreunde übernehmen würde, hatte Klaus Süpfle damals allerdings noch nicht geahnt.
Die Arbeit im Verein ist eine Sache, die Arbeit im eigenen Garten ist eine ganz andere. Wenn die Natur in der Winterzeit zur Ruhe kommt, darf auch der passionierteste Kleingärtner mal einen Gang zurückschalten. Doch wenn die Natur im Frühjahr wieder erwacht, werden die Ärmel hochgekrempelt und die neue Gartensaison wird eingeläutet. Noch ist es etwas kühl, um im großen Stil zu pflanzen. „Doch mit den Vorbereitungen muss man jetzt beginnen, weil ein Garten nicht nur gepflegt, sondern auch gut geplant sein will“, weiß Süpfle. Dazu muss der Natur auch der Boden bereitet werden – im wahrsten Sinn des Wortes sogar: „Wir legen großen Wert darauf, den Boden auf natürliche Weise aufzuwerten“, verrät der Vereinsvorsitzende. „Es dauert Jahre, bis man eine gute Grundlage geschaffen hat, und die muss danach gepflegt werden. Was man an Arbeit in die Bodenverbesserung investiert hat, das zahlt sich für den Rest des Jahres aus.“
In einer Kleingartenanlage wie auf der Seracher Heide, aber auch in den vielen anderen Anlagen in der Region wird die Gemeinsamkeit großgeschrieben: Man hilft sich, man achtet aufeinander, packt auch mal kräftig zu, und man versteht es auch, zu feiern – zum Beispiel beim Hopfengartenfest, das immer im Juli steigt und an dem auch Besucher die Möglichkeit haben, die Reize der Anlage zu entdecken und vielleicht selbst auf den Geschmack zu kommen. „Jeder hat seine eigene Handschrift“, erzählt Gisela Süpfle. So strahlt jede Parzelle eine gewisse Individualität aus, ohne zu sehr aus dem Rahmen zu fallen. Schließlich soll der Charakter der Anlage erhalten bleiben. Und dann sind da auch noch die Vorgaben des Bundeskleingartengesetzes mit seiner viel zitierten Drittel-Regelung: Auf einem Drittel der Fläche müssen Obst und Gemüse angebaut werden, ein weiteres Drittel ist dem Ziergarten vorbehalten und das letzte Drittel gehört der Erholung mit Gartenlaube, Rasen und Terrasse. „Das bekommt man eigentlich ganz gut geregelt“, versichert Gisela Süpfle.
Und können die Süpfles bei all der Arbeit, die ihr Schrebergarten auf der Seracher Heide macht, ihr kleines Paradies auch genießen? „Selbstverständlich“, versichern sie. „Gartenarbeit macht Spaß, und je mehr Erfahrung man sammelt, desto größer ist die Freude. Der Garten ist ein wichtiger Teil unseres Lebens.“ Und wenn sie so richtig etwas weggeschafft haben, schmecken Gisela Süpfles legendäre Kuchen und ein Kaffee auf der kleinen Terrasse vor ihrer Gartenlaube noch mal so gut.