Die Ausstellung „Facetten“ in der Städtischen Galerie Ostfildern ist bis 23. März 2021 verlängert. Foto: Jürgen Bubeck

Ungewiss sind die Perspektiven auch für die Galerie der Stadt Ostfildern. Coronabedingt sind die Ausstellungsräume im Stadthaus geschlossen. Die Leiterin Holle Nann plant dennoch das neue Programm.

Ostfildern - Ob und wann die Ausstellung „Facetten“, die derzeit in den Räumen der Städtischen Galerie Ostfildern aufgebaut ist, wieder gezeigt werden kann, ist offen. Da der Lockdown voraussichtlich bis 14. März ausgedehnt wird, bleibt die Lage ungewiss. Wie viele Kulturveranstalter fährt Holle Nann, die die Galerie im Scharnhauser Park leitet, auf Sicht. Vorerst ist die Schau mit Werken von Willi Baumeister, Rosemarie Trockel, Uli Gsell, Bettina Bürkle und Joachim Stallecker und anderen bis zum 23. März verlängert. Da die Ausstellung derzeit nicht besucht werden darf, sind auf der Homepage der Galerie Bilder der Schau zu sehen.

„Wir befürchten, dass erst im zweiten Halbjahr wieder so etwas wie eine Normalität eintritt“, sagt die Galerieleiterin. Das wirkt sich auch auf ihr Jahresprogramm aus. „Derzeit laufen Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern“, sagt Nann. Denn wann die Galerie wieder öffnen darf, ist ungewiss. Im Stadthaus war es aus Nanns Sicht sehr gut möglich, ein umfassendes Abstands- und Hygienekonzept umzusetzen.

Trotz aller coronabedingten Einschränkungen blickt die Kuratorin auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurück. Im Rahmen des Kultursommers Baden-Württemberg präsentierte die sie eine Reihe zu dem New Yorker Minimal- und Konzeptkünstler So LeWitt, der 1992 das vierteilige Mauer-Kunstwerk „Four-Part Piece“ in Ostfildern geschaffen hat. Die unterschiedlichen Formate von der Kunst-Radtour bis zum Konzert unter freiem Himmel haben im Sommer 2020 ein breites Publikum für die moderne Kunst begeistert.

Gerade in Zeiten der Pandemie verweist Nann auf die wichtige gesellschaftliche Bedeutung der Künste. „Es sind Kunst und Kultur, die Menschen beteiligen, sie integrieren und ihnen eine Perspektive zeigen können.“ Deshalb möchte die Galeriechefin trotz aller Schwierigkeiten möglichst bald wieder zeitgenössische Kunst in den Räumen der Galerie im Stadthaus präsentieren.

Dabei ist es Holle Nann wichtig, die junge Kunstszene in den Blick zu nehmen. Vom 25. April bis zum 29. Juni ist eine Ausstellung des jungen Künstlers Jan Zöller, der in Karlsruhe lebt und arbeitet,geplant. In der Städtischen Galerie Ostfildern zeigt der Künstler, der 1992 geboren wurde, seine erste institutionelle Einzelausstellung. „Keine Zeit zum Baden“ hat er als Untertitel für seine Schau gewählt. Jan Zöller wurde 2019 mit dem Bundespreis für Kunststudierende ausgezeichnet. „Er trifft mit seinen Arbeiten den Zeitgeist wirklich gut“, findet die Expertin, die auch die überregionale Szene bestens im Blick hat. Jungen Künstlerinnen und Künstlern ein Forum zu bieten und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen, das ist der erfahrenen Kuratorin ein großes Anliegen. Das große Ausstellungsprojekt mit Zöller zu realisieren, ist für Nann eine spannende Herausforderung. Die „performative, choreografische Qualität“ in Zöllers Malerei hebt der Kunstkritiker und Kurator Oliver Koerner von Gustorf hervor. In Zöllers künstlerischem Kosmos ist nach seinen Worten „alles immer ‚under construcition’“ (deutsch etwa: im Bau befindlich). Dabei gehe es ihm um die Frage, „wie wir durch diese schwierige Zeit kommen“, schreibt der Experte in einem Aufsatz über den Künstler.

Trotz der Ungewissheit wegen Corona hat Holle Nann für die Städtische Galerie ein Jahresprogramm herausgebracht. Vom 18. Juli bis 28. September ist die Ausstellung „Lichtfänger“ von Michelin Kober zu sehen – vorausgesetzt, die dann geltenden Verordnungen lassen das zu. Die Ausstellung „Asche zu Asche“ der Künstlerin Jeewi Lee, die in Berlin und Seoul lebt, ist derzeit vom 17. Oktober bis Januar 2022 geplant. Sie findet im Rahmen des Projekts „1000 Bäume für Ostfildern“ statt. Die Kuratorin wünscht sich, dass die Besucherinnen und Besucher über die Kunst auch zur Diskussion über Fragen des Klimaschutzes angeregt werden.

Die Arbeit der hochkarätigen Künstlerinnen und Künstler zu vermitteln, die nach Ostfildern kommen, sieht Nann als ihre wichtigste Aufgabe an. Die gesellschaftspolitische Funktion der Kunst ist für sie unbestritten. Deshalb legt Nann großen Wert auf Gespräche mit den Kunstschaffenden und mit ihrem Publikum, auf Lesungen oder auf Vernissagen. Diese Vermittlungsformate sind für sie eine ganz wichtige Aufgabe einer städtischen Galerie.

Bilder und Skulpturen der Ausstellung „Facetten“ der Städtischen Galerie Ostfildern gibt es auf der Homepage zu entdecken: https://www.ostfildern.de/galerie.html

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