Cem Özdemir von den Grünen will nicht, dass die Züge der Gäubahn über viele Jahre vom Hauptbahnhof abgehängt werden. Foto: dpa/Felix Kästle

Der Grüne Cem Özdemir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, warnt vor einer langen Unterbrechung der Gäubahn. Das Gutachten für den Tunnel gibt nennt 13 Jahre als Planungs- und Bauzeit.

Stuttgart. - Die Grünen im Bundestag kritisieren die Pläne des Bundesverkehrsministeriums zum Bau eines neuen Tunnels zwischen Böblingen-Goldberg und dem Landesflughafen für Züge der Gäubahn (Singen-Stuttgart). Im Gutachten von Intraplan Consult werden die Baukosten für den Gäubahntunnel mit 919 Millionen Euro angegeben (Preisstand 2015).

Mit weiteren Aus- und Neubauten soll die Fahrzeit auf der Strecke laut Steffen Bilger (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, um 20 Minuten sinken. Die Kosten liegen insgesamt bei 2,1 Milliarden Euro. Die bisherigen Halte in Böblingen und Singen sollen nicht mehr bedient werden. Der Ausbau soll dennoch täglich zu zusätzlichen 1863 Personenfahrten führen.

Özdemir fordert Lösung ohne Unterbrechung

Das Ministerium hat eine Präsentation zum Gutachten veröffentlicht, nicht das Gutachten selbst. „Die Fakten dürfen nicht in der Schublade des Ministeriums liegen bleiben“, sagt Cem Özdemir (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag. Bisher soll die Gäubahn beim Projekt Stuttgart 21 den Flughafen über die S-Bahngleise erreichen und dann zum Tiefbahnhof fahren. Weil das nicht bis zur Inbetriebnahme von S 21 Ende 2025 zu schaffen ist, soll die Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen enden. Planungs- und Bauzeit für die Tunnelvariantewerden mit 13 Jahren angegeben. „Planänderungen müssen die S-21-Projektpartner mit der Öffentlichkeit erörtern“, so Özdemir. Er fordert, „eine Lösung, die ohne jahrelange Unterbrechung der Gäubahn funktioniert“.

Zwei Halte entfallen

Grünen-MdB und Verkehrssprecher Matthias Gastel bezweifelt den Nutzen des Gäubahntunnels. „Er ist höchst fraglich, der Tunnel aus unserer Sicht nicht zwingend erforderlich, er rechtfertigt schon gar keine Milliardeninvestition“, so Gastel. Es sei „widersinnig, die Fahrzeit mit aller Gewalt um 20 Minuten zu verkürzen, wenn die Gutachter der Bundesregierung sagen, dass eine Verkürzung von elf Minuten ausreicht, um die Anschlüsse zu sichern“. Weil der Tunnel den Ausbau unwirtschaftlich mache, lasse man die Halte in Böblingen und Singen entfallen, sagt Gastel. Das sei eine „Trickserei zulasten der Steuerzahlenden und Reisenden“. Der Gäubahn-Ausbau steht bisher mit rund 500 Millionen Euro im Bundesverkehrswegeplan. Die Grünen fordern, dass sich das Parlament mit den neuen, deutlich teureren Plänen befasst.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: