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Viele Hobbygärtner sind eher konservative Gemüter. Was bei ihnen im Garten und auf der Fensterbank grünen darf, spiegelt das wider, was sich im örtlichen Gartenmarkt und Co. findet. Allerdings kann es sich auch lohnen, etwas kreativer vorzugehen und auch andere Pflanzen hinzu zu gesellen.

Gärtnern ist das große Hobby vieler Menschen in unserer Region. Deutschlandweit gehört es sogar zu den mit Abstand beliebtesten Freizeittätigkeiten mit Millionen von Anhängern – und das schon seit Jahren. Allerdings: Warum müssen es immer nur Geranien, Begonien, Gummibaum, Tomaten, Petersilie und Co. sein? Immerhin hält die Botanik noch unzählige weitere Schätze bereit, die auch von Hobbygärtnern und in mitteleuropäischen Breiten durchaus angebaut werden können und das, was beim Nachbarn grünt, absolut übertreffen können.

1. Arnika

Manchem Leser dürfte der Name Arnika durchaus geläufig sein – dabei handelt es sich nämlich eigentlich um keinen Exoten im klassischen Sinn. Viel mehr ist, oder besser war, Arnika einst in Deutschland eine weitverbreitete Pflanze. Zudem eine, die fast schon klassische Zutat für häuslich hergestellte Extrakte gegen Prellungen, Verstauchungen und auch Verbrennungen war. Mittlerweile ist das anderes. Der NABU sieht Arnika auf der Liste der am meisten bedrohten Pflanzen der Republik. Der Grund ist Landwirtschaft, wodurch die natürlichen Lebensräume der Pflanze immer weiter zurückgedrängt werden. Dadurch wird das heimische Züchten von Arnika im Zierbeet nicht nur zu einer Bereicherung, sondern praktiziertem Artenschutz!

Wichtig ist zunächst, dass Samen der echten Arnika genommen werden, also Arnika montana. Erfolgt die Aussaat dann auf dem bevorzugten Gebiet der Pflanze – saure, kalkarme und halbschattige Wiesen – gedeiht sie prächtig und erfreut mit sattgelben Blüten – und kann natürlich auch in Eigenregie zu Extrakten verarbeitet werden. Vorsicht allerdings: Arnika ist bei oraler Einnahme giftig!

2. Hanf

Hanf gehört ebenfalls zu den bedrohten Arten – allerdings ist der Grund in der Gesetzgebung zu finden. Das heißt, obwohl es eine hohe Vielfalt von Arten gibt, die Samen zudem in der EU frei bestellt werden dürfen, handelt es sich um eine Pflanze, die (noch) in einer rechtlichen Grauzone angesiedelt ist – wenngleich niemand, der eine Pflanze nur zur Zierde hat, Strafe fürchten muss. Unter anderem, weil es EU-weit starke Legalisierungsbestrebungen gibt.

Doch weg von derlei rechtlicher Spitzfindigkeit ist Hanf eine Pflanze, die relativ einfach auf der Fensterbank gedeiht. Der pH-Wert sollte mit 6 leicht sauer sein, zudem sollte es im Topf keine Staunässe geben. Als Ergebnis winkt ein echter, mitunter einen Meter hoher Hingucker; besonders, wenn die Pflanze in voller Blüte steht.

3. Okra

Wer Okra züchten will, sollte dafür ein sehr sonniges Südfenster haben oder noch besser ein Gewächshaus. Kein Wunder, die mit dem Hibiskus verwandte Pflanze stammt aus Afrika, mag es also dementsprechend sehr sonnig und warm. Was Okra so besonders macht, ist die Tatsache, dass es sich um einen bei uns sowohl in Beet wie Küche weitgehend unbekannten Vertreter handelt. Unter anderem in den USA ist das anders. Da sind die Schoten, die die Pflanze im Sommer erzeugt, ein beliebtes Gemüse und werden (gern in frittierter Form) als Beilage angeboten sowie in Form eigener Rezepte als Zutat verwendet.

Zudem taugt Okra auch als echtes Zierstück – die Pflanze produziert prächtige, blassgelbe Blüten mit tiefem Kelch.

4. Affenbrotbaum

Wir bleiben auf dem afrikanischen Kontinent, bewegen uns aber weg von kleinen Pflanzen hin zu einem, zumindest nach einigen Jahren, ausgewachsenen Baum, eben dem Affenbrotbaum. In seiner Heimat kann das Malvengewächs bis zu 20 Meter und mehr erreichen, bildet dazu einen unproportional dick wirkenden Stamm aus.

Bei uns hingegen, besonders in der Wohnung, wird die Pflanze in der Regel nicht größer als zwei Meter. Dafür eignet sie sich aber ebenfalls als famoser Eyecatcher. Zwar findet man Samen und Setzlinge nur im spezialisierten Exotenhandel, dafür sind Anbau und Kultivierung kinderleicht. Solange der Affenbrotbaum in einem feuchtigkeitsregulierenden Tontopf steht, am besten in Kakteen-Erde, benötigt er nur wenig Wasser und dafür viel Sonne. Dafür bildet er schon im Kleinformat seine charakteristische Form mit dem dicken Stamm aus und bekommt so ohne viel Arbeit den Touch eines Bonsais.  

5. Hörnchenkürbis

Er stammt aus den südamerikanischen Anden, wird auch als Inkagurke bezeichnet und dürfte in jedem Freilandbeet ein absolutes Highlight darstellen: der Hörnchenkürbis. Dabei handelt es sich um einen entfernten Verwandten der Gurke. Allerdings einer, der ein wesentlich stärkeres Höhenwachstum als sein in deutschen Beeten so beliebter Verwandter aufweist.

Vier bis fünf Meter kann die Pflanze mit entsprechenden Rankhilfen erreichen, eignet sich deshalb auch nicht bloß fürs normale Gemüsebeet, sondern sogar zum Begrünen von Gebäudeteilen. Und die Früchte, die der Hörnchenkürbis ausbildet, sind extrem vielfältig verwendbar. Im jungen Stadium sind sie olivengroß, schmecken wie Gurken. Später werden daraus größere „Schoten“, die entkernt und gedünstet unters Essen gemischt werden und geschmacklich an Spargel erinnern.

Das alles gibt es zum Preis einer normalen gärtnerischen Prozedur: Auf der Fensterbank vorziehen, nach den Eisheiligen im Freiland in mit normalem Kompost angereicherte Erde umsiedeln – der Hörnchenkürbis ist ein anspruchsloser Vertreter.

6. Tillandsien

Von allen Exoten dieses Artikels darf die Tillandsie für sich in Anspruch nehmen, die exotischste Pflanze zu sein – nicht so sehr wegen ihres Looks, der mit den langen, dünnen Blättern an viele andere Zimmerpflanzen erinnert. Wohl aber wegen ihrer Haupteigenschaft: Sie ist eine Aufsitzerpflanze.

Das heißt, in ihrer Herkunftsregion, Südamerika, wächst sie auf anderen Bäumen und Sträuchern. Und das ohne jeglichen Kontakt zur Erde. Ganz richtig, Tillsandsien müssen nicht im Topf sitzen, sondern können buchstäblich überall in der Wohnung gedeihen. Wasser und Nährstoffe nehmen sie über die Blätter auf – entsprechendes zielgerichtetes „Gießen“ mit einer Sprühflasche voll angereichertem Wasser ist also Pflicht.

Dann aber bieten Tillandsien die ideale Möglichkeit, sämtliche Besucher des Hauses in Staunen zu versetzen, weil da frisches Grün auf einem Bilderrahmen sitzt, sich an einer von der Decke hängenden Kette hochrankt. Die Möglichkeiten, lebende Bilder zu erschaffen, sind nahezu unbegrenzt. Und: Da Tillandsien es gern feucht mögen, sind sie auch die ideale Dekoration fürs Badezimmer.

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