Der Esslinger Fußball-Verbandsligist schafft durch den 3:0-Sieg gegen den TV Echterdingen und für ihn günstige Ergebnisse auf anderen Plätzen den direkten Klassenverbleib.
Anastasios Ketsemenidis hielt es nicht mehr aus. Der lange verletzte und scheidende Fußballer des Verbandsligisten FC Esslingern riss seinem Kameraden Kimi Kerber das Handy aus der Hand. „Ich bleibe jetzt dran“, brüllte er hinein. Fünf Minuten später, die sich für ihn und alle um ihn herum wie eine Ewigkeit anfühlten, gab der Routinier das Zeichen zum Jubel. Die SF Dorfmerkingen hatten bei der TSG Balingen II 0:0 gespielt – keine der einschlägigen Internetseiten hatten das Ergebnis bisher angezeigt. Kerber hatte geistesgegenwärtig die Freundin eines Kumpels angerufen, die in Balingen vor Ort war. Schon bekannt war, dass die TSG Tübingen bei Meister Türkspor Neckarsulm mit 0:4 verloren hatte. Und so reichte den Esslingern der eigene 3:0 (3:0)-Sieg gegen den TV Echterdingen zum direkten Klassenverbleib. Sie waren noch vom 12. auf den sicheren 10. Platz geklettert. Es brachen die Dämme.
Jubel am Saisonende ist für die Esslinger Kicker ein gewohntes Gefühl. Vier Mal haben sie einen Aufstieg gefeiert. Zum ersten Mal bedeutete ein Klassenverbleib das Happy End. Und es fühlte sich ähnlich gut an. „Nie mehr Land-des-liga“, sangen die Spieler des Aufsteigers so innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal und tanzten im Kreis.
Eitel fühlt sich „einfach leer“
Die Protagonisten gingen etwas unterschiedlich mit ihren Gefühlen um. Emotional Kapitän Aleksandar Mojasevic. „Ich bin so stolz auf jeden Einzelnen. Man hat gesehen, was für einen Charakter die Mannschaft hat. Alle haben sich reingehängt, auch die, die gehen. Wir haben gezeigt, dass wir eine Familie sind“, sagte er. Abgeklärt Matchwinner Jonas Eichinger. „Die Anspannung war nicht so groß. Wir wussten, was wir können und haben unsere Qualität gezeigt“, erklärte der zweifache Torschütze, der seit Wochen starke Leistungen zeigt. Eher ruhig Trainer Dominik Eitel. „Ich dachte, dass ich mich unfassbar freuen werde, aber ich fühle mich einfach leer. Es war viel in den vergangenen Wochen“, sagte der Mann, der Ende März nach dem Rücktritt von Christian Ehrenberg vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen war: „Die Freude wird aber noch kommen, so etwas erlebt man vielleicht nie wieder.“
Eitel sagte aber noch mehr. „Der Klassenverbleib war unfassbar verdient. Wir waren ja schon fast weg. Ich bin stolz darauf, wie die Spieler da rausgekommen sind – sie haben gezeigt, dass sie Verbandsliga verdient haben.“ Und: „Auch für mich persönlich fühlt es sich gut an. Nach den Aufstiegen hätte es sich ungerecht angefühlt, wenn mein Name mit dem Abstieg in Verbindung gebracht worden wäre.“ So wurde Eitel von den Spielern als Retter gefeiert. Zur kommenden Saison übernimmt wie schon lange geplant Tobias Hofmann.
Wechselbad der Gefühle
Es war ein Wechselbad der Gefühle, das die Esslinger und ihre Fans – zum Showdown gegen Echterdingen kamen immerhin 350 Leute – in den vergangenen Monaten erlebt haben. Zehn Niederlagen in Folge, dann zwei Unentschieden, dann drei Siege, dann der Rückschlag beim 1:3 in Tübingen – und jetzt der Befreiungsschlag. Gegen die schon länger als Absteiger feststehenden und kämpferisch dagegenhaltenden Echterdinger mussten sich alle, die zum FCE halten, eine halbe Stunde lang gedulden, ehe sie zum ersten Mal jubeln durften. Nach Vorarbeit von Lukas Glaser und Mithilfe der TVE-Abwehr traf Eichinger zum 1:0. Kurz vor der Pause machten die immer überlegener agierenden Esslinger dann schon fast alles klar: Echterdingens Leo Milutinovic wollte nach einer Hereingabe von Kerber in höchster Not klären und bugsierte den Ball per unglücklichem Flugkopfball ins eigene Tor. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte drosch Eichinger aus vollem Lauf eine Flanke von Glaser in die Maschen. Alle Spieler von der Bank rannten aufs Feld und begruben den Torschützen unter sich. Anschließen herzte dieser Vorlagengeber Glaser und es ging in die Kabine.
Im zweiten Durchgang tat sich nicht mehr so viel. Die Esslinger kontrollierten das Geschehen, die Echterdinger taten, was sie konnten. Hochkarätige Torchancen gab es aber erst in der Schlussphase, jeweils für die Esslinger. Da war dann auch Echterdingens Enhar Jonus auf dem Feld und nutzte die Gelegenheit, sich vor seinem zukünftigen Publikum zu präsentieren. Er wird, wie schon bekannt war, ebenso wie der frühere Nellinger Kevin Prekaj vom TVE zum FCE wechseln. Dazu kommt nun auch noch Stürmer Dorde Smiljic, der wie Prekaj nicht im Kader war. Vom Oberligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen holen die Esslinger David Micko zurück, der einstmals von der FCE-Jugend zu den Stuttgarter Kickers ausgezogen war.
Das alles spielte nach dem Schlusspfiff im Sportpark Weil aber erst einmal keine Rolle. Alle warteten auf das Spielende in Balingen. Drei Minuten waren offiziell noch zu spielen. Dann berichtete Kerber von vier Minuten Nachspielzeit, ehe Ketsemenidis übernahm.
FC Esslingen: Ulmer – Nehir (90.+1 Deniz), Brockman, Mojasevic, Kerber – Regber – Eichinger (87. Haradinaj), Hummel (84. Srsa), Zaidmann (82. Sarikurt), Glaser (71. Düdder) – Nikl.
TV Echterdingen: Baroni (75. Kaya) – Heinrich, Mägerle, Milutinovic – Handanagic, Fenell (55. Zukic), Renz – Schmidt, Boljanic (46. Jonus) – Cunion, Oguz.
Schiedsrichter: Kadir Yagci (Seitingen-Oberflacht).
Zuschauer: 350.
Tore: 1:0 Eichinger (29.), 2:0 Milutinovic (41./Eigentor), 3:0 Eichinger (45.+3).
Beste Spieler: Eichinger, Nikl, Hummel / Renz.