Das Spiel zwischen Union und Wolfsburg stand kurz vor dem Abbruch. Foto: dpa/Andreas Gora

Erneute Schmähungen gegen Dietmar Hopp und ein Beinahe-Spielabbruch haben das 2:2 (1:0) von Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg in den Hintergrund gerückt.

Berlin - Kaum war das Spiel zu Ende, rollten die Fans von Union Berlin erneut ein Transparent aus. „Jahrelang die Kritik überhört und sich nun an Ausfälligkeiten gestört“, stand auf dem Banner, das eindeutig auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen Reaktion auf die Schmähungen gegen Dietmar Hopp zielte.

Zuvor hatten Anhänger des Bundesliga-Neulings beinahe für den ersten Spielabbruch in der Liga-Geschichte wegen Hetz-Plakaten gesorgt. Weil auch sie kurz vor der Halbzeit des 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit der Aufschrift „Hurensohn“ und das Konterfei des Hoffenheimer Mäzens im Fadenkreuz hochhielten, schickte Schiedsrichter Bastian Dankert beide Mannschaften für zehn Minuten in die Kabinen. Ein weiterer Vorfall in der zweiten Hälfte hätte das Spiel vorzeitig beendet. 

Zunächst keine Beleidigungen

„Protest ja, kann man mal machen. Aber wenn Personen beleidigt werden, hört’s auf“, sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel bei DAZN: „Es ist eine Linie überschritten. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam dahin gehen und sagen, dass wir dagegen sind.“ 

Zunächst allerdings hatten die Union-Fans ihre Meinung zu den Hass-Aktionen mehrerer Ultragruppierungen gegen Hopp - vor allem am Samstag im Bayern-Block in Sinsheim - ohne Beleidigungen gegen den Hoffenheimer Mehrheitseigner kundgetan. „2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht. Fick dich, DFB“, stand auf den ersten Transparenten. Dankert unterbrach das Spiel zum ersten Mal und ließ eine Durchsage machen.

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Diese erste Reaktion des Referees kritisierte Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert in der Halbzeitpause. „Das erste Banner ist eine Äußerung der Fans, die meines Erachtens völlig legitim ist. Da gab es keinen Grund einzugreifen“, sagte er. 

Die Berliner Tore von Sebastian Andersson (41.) und Marvin Friedrich (56.) sowie die Treffer der VfL-Profis Yannick Gebhardt (60.) und Wout Weghorst (81.) waren da nur Fußnoten. Union machte einen weiteren Schritt zum Klassenerhalt, Wolfsburg verpasste den Sprung auf einen Europapokalplatz.

Vorfälle am Samstag

Bereits am Samstag hatte es bei mehreren Ligaspielen Banner gegen Hopp gegeben. In Sinsheim wurde die Partie gegen Bayern München (0:6) aufgrund von Hass-Plakaten im Bayern-Fanblock zweimal unterbrochen. Als Auslöser der abgesprochenen Aktion von Ultra-Gruppierungen gilt die zuletzt vom DFB-Sportgericht ausgesprochene Kollektivstrafe gegen die Fans von Borussia Dortmund. Die BVB-Anhänger dürfen in den kommenden beiden Spielzeiten wegen ihrer Hopp-Schmähungen in der Vergangenheit nicht ins Sinsheimer Stadion.

In der Alten Försterei normalisierte sich nach der sportlich schwachen ersten Hälfte das Geschehen im zweiten Durchgang etwas. Friedrich und Gebhardt köpften die Tore für ihre Teams wie vorher schon Andersson in Halbzeit eins. In der Folge drängte Europa-League-Starter Wolfsburg auf den Ausgleich, erspielte sich aber zu wenige klare Chancen. Weghorst nutzte eine davon zum 2:2. Doch wegen des sportlichen Werts wird die Partie nicht im Gedächtnis bleiben.

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