Die Musikerinnen und Musiker sind sehr anspruchsvoll. Foto: Petra Weber-Obrock - Petra Weber-Obrock

Musiker mit und ohne Behinderung stehen bei der Bigband Groove Inclusion gemeinsam auf der Bühne. Im Kulturzentrum Dieselstraße überzeugten sie das Publikum mit hohem künstlerischem Anspruch.

EsslingenSeit 2008 verspricht die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen Menschen mit Handicap Teilhabe und gleiche Rechte in der Gesellschaft. Der 3. Dezember gilt weltweit als Tag der Menschen mit Behinderungen. Dennoch bleibt die Inklusion ein schwieriges Feld. Dass es auch anders geht, zeigte das Konzert der Bigband Groove Inclusion, die nun im Kulturzentrum Dieselstraße in der Pliensauvorstadt auftrat.

Inklusion bedeutet dieser Band vor allem Spaß an der Musik. Wenn die 26 Musikerinnen und Musiker mit und ohne Behinderung gemeinsam jammen und grooven, haben Vorurteile und Grenzen im Kopf keine Chance. Im Kulturzentrum Dieselstraße heizten sie ihrem Publikum zwei Stunden lang ein. „Wir wollen den Tag der Menschen mit Behinderung nutzen und ein Signal nach Esslingen und in die Welt senden“, sagte Fabian Treffert vom Verein Lebenshilfe, der neben der Dieselstraße als Mitveranstalter fungierte. „Unsere Stimme soll, muss und will gehört werden.“

Groove Inclusion zu überhören, ist unmöglich. Bobby McFerrins „Don’t worry, be happy“ machte zu Beginn besonders Laune. Dieses Stück bot so etwas wie ein Motto des Abends. Das große Ensemble gibt unterschiedlichen Instrumentalisten Raum und überschreitet dabei die klassische Besetzungsliste einer Bigband. Neben der saxofonlastigen Bläsersektion, E-Gitarre und E-Bass, gibt es zwei Drumsets, Percussion, Kontrabass, Klarinette, Akkordeon und Geige. Die Gesangsgruppe ist dreiköpfig. Jenny Sprenger-Müller und Sonja Knospe nahmen den Rollstuhlfahrer Tobias Petersen in ihre Mitte, der seine veritable Bluesröhre erklingen ließ.

Weltmusik und Latin

Der Sound heizte ein wie die großen Jam-Sessions der 60er-Jahre. Abdullah Ibrahims „Maraba Blues“ und das durch die Coverversion von Carlos Santana bekannt gewordene „Oye como va“ gingen stark in Richtung Weltmusik und Latin. Drei Profimusiker aus der lokalen Jazzszene verstärken die Band. Da ist der Bandleader Hans Fickelscher, der wie ein Magier mal hier mal dort zu finden war. Er wurde unterstützt von dem Saxofonisten Arne Meerwein und von Holger Bihr (Percussion). Zwischen den Stücken gab Fickelscher Einblick in die Entstehung und in den Alltag der Band. Groove Inclusion ist die offizielle Bigband der Volkshochschule Unteres Remstal. Immer freitags proben die Musikerinnen und Musiker in Fellbach. Die Gruppe existiert seit 2014, hat seither über 70 Konzerte gegeben und gastierte schon in Budapest, Jekaterinburg und Peking. Nächstes Jahr geht es nach Südkorea. Gegründet wurde sie, weil zwei junge Posaunisten mit Down-Syndrom keinen Platz in einem herkömmlichen Musikverein fanden. Die Idee dafür hatte die damalige Leiterin der VHS, Rosa Budziat, die bei Groove Inclusion Trompete spielt. Hans Fickelscher formte aus Menschen mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen die fulminante Band.

„Hallelujah“ mit viel Gefühl

Viel Gefühl verbreitete der Song „Hallelujah“ nach Leonard Cohen, den die Band zur Hochzeit eines Mitglieds zum ersten Mal erklingen ließ. Nach der Pause heizte man dem Publikum weiter ein. Besonders anspruchsvoll war der Song „Rehab“ von Amy Winehouse, bei dem die Akkordeonistin Laura Freytag und die Geigerin Carola Gramling ein Solo spielten. „Alle haben Einzelunterricht. Sonst wären wir heute nicht so weit“, sagte Fickelscher zum guten Standard der Gruppe.

Mit einem perfekt arrangierten, klezmerlastigen „Bei mir bistu shein“ und Lou Reeds „Walking on the wild side“ wurde der Auftritt abgerundet, bevor der Bandleader das Publikum einlud, das Tanzbein zu schwingen. Der Song „Es ist alles nur geklaut“ von den Prinzen und die leidenschaftlich gespielten Zugaben sorgten für beste Stimmung zum Abschluss.

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