Helmut Vollmer aus Notzingen sichert derzeit im Auftrag der Gemeinde das „Schusterhäusle“. Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Lange wurde darum gerungen, ob das Haus Im Hof 3, das viele als Schuster- oder Grafahäusle kennen, erhalten bleibt. Von der Abrissbirne bleibt es wohl verschont, verschwinden werden aber die angrenzenden Gebäude. Deshalb muss das Häusle jetzt gesichert werden.

HochdorfSchon mehrere Jahre beschäftigt den Hochdorfer Gemeinderat bekanntermaßen das Gebäudeensemble „Im Hof 1,3 und 5“. Die einjährige Galgenfrist für das kleine Häusle mit der Hausnummer 3 läuft noch. Die angrenzenden Gebäude Im Hof 1 und 5 sollen laut aktueller Planung im Frühjahr von der Kirchheimer Firma Feess abgerissen werden, um so eine Neubebauung zu ermöglichen. Im Ort ist das Haus mit der Nummer 3 unter verschiedenen Namen bekannt: Während es manchen als „Schusterhäusle“ präsent ist – angelehnt an den Schuster, der dort einmal tätig war, ist es für andere Hochdorfer ganz klar das „Grafa-Häusle“. Der Name rührt von ehemaligen, langjährigen Bewohnern – drei Generationen der Hochdorfer Familie Graf lebten bis Mitte der 50er-Jahre in dem Häusle. Klar ist jedenfalls die Adresse des Häusles „Im Hof 3“, um das es im Folgenden gehen soll. Denn: Die Zeichen stehen für das Gebäude auf Erhalt. Helmut Vollmer aus Notzingen hat Interesse angemeldet, das Häusle zu kaufen und in Eigenregie zu sanieren und sich zudem im Auftrag der Gemeinde bereit erklärt, zunächst die nötigen Sicherungsarbeiten vor dem anstehenden Abbruch der angrenzenden Gebäude auszuführen. Auch wenn die Entscheidung darüber, ob er das Haus tatsächlich zugesprochen bekommt, vom Gemeinderat erst noch gefällt werden muss. Das Risiko sei er eingegangen, sagt der begeisterte Heimwerker, der in seinem Heimatort Notzingen sowohl sein eigenes Haus selbst gebaut, als auch das ehemalige Milchhäusle neben der Kreissparkasse und ein altes Bauernhaus saniert und beide zu Wohnzwecken vermietet hat. Helmut Vollmer selbst ist von Haus aus gelernter Elektriker und selbständig mit einer Dreherei. „Mir liegt das Handwerken und mir macht es vor allem großen Spaß, gerade so alte Gebäude wieder herzurichten. Das ist ein Hobby.“ Er sei ein Macher und keiner, der erstmal ewig Pläne zeichne, sagt der Notzinger über sich selbst und lacht.

Aus dem derzeit zumindest im Inneren sehr baufälligen Hochdorfer Häusle mit seinen gut 98 Quadratmetern Fläche ebenfalls wieder etwas Bewohnbares zu machen, reize ihn. Seit Mitte November schafft Helmut Vollmer bereits tatkräftig im Haus, um es zu sichern. Wo man im Moment vor allem nur noch nackte Mauern und Decken mit ihren freigelegte Balken samt altem Füllmaterial aus Stroh und Lehm in den Zwischenräumen sieht, hat Helmut Vollmer schon ganz klare Vorstellungen, wie das am Ende als fertig sanierte Wohnung für ein bis zwei Personen aussehen könnte. „Da kann man wirklich was daraus machen“, ist er sich sicher. Im Erdgeschoss würde er einen offenen Küchen-, Ess- und Wohnbereich ansiedeln sowie eine Toilette, im Obergeschoss Schlafzimmer und Bad. Der bestehende Kellerboden soll 30 Zentimeter tiefer gegraben und neue Decken eingezogen werden, um mehr Raumhöhe zu bekommen. Dazu schweben ihm neue Dielenböden in beiden Stockwerken vor: „Der alte Charme soll sichtbar werden“. Die notwendigen Elektroarbeiten könnte er selbst ausführen. Gerichtet und begradigt werden müsste im weiteren Verlauf einer Sanierung dann unter anderem auch das Dach, das derzeit etwas nach links hängt. Im Erdgeschoss käme eine neue Wand samt Tür zum Keller rein, im Keller selbst wird eine neue Mauer nötig, denn auf der alten halte kein Gips mehr, erklärt Helmut Vollmer.

Zunächst geht es für ihn aber nur um die Sicherungsarbeiten, die das Häusle beim Abbruch der angrenzenden Gebäude schützen sollen. Entfernt wurde so etwa die einzige gemeinsame Wand zum Nachbargebäude, neue massive Holzbalken wurden eingezogen, um das Gebäude zu stabilisieren. Die ein oder andere Kuriosität habe sich beim Freilegen des Hausinneren auch gezeigt, erzählt Helmut Vollmer. So tauchte im Zwischengebälk des Obergeschosses etwa ein alter Schuh auf, in dem eine Maus ein Nest gebaut hatte. „So ein Projekt ist immer spannend. Man sieht, wie die Zimmerleute und Handwerker früher gebaut haben. Und es hat so lange gehalten, warum soll es das nach einer Sanierung nicht auch in den nächsten 100 Jahren?“, ist Vollmer überzeugt.

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