Irene Bloos schließt ihren Salon und geht in eine Festanstellung – weil sich die Selbstständigkeit nicht mehr lohnt, wie sie sagt. Foto: Caroline Holowiecki

Nahezu zehn Jahre lang hat die Friseurin Irene Bloos in Bernhausen mit sozialem Engagement und Veranstaltungen von sich reden gemacht. Jetzt schließt sie ihren Salon – warum?

Die Feier zum zehnjährigen Bestehen war bereits geplant, doch nun wird eine Abschiedsparty draus. Der Friseursalon Hair Date in Bernhausen schließt. Am 23. Dezember ist der letzte Arbeitstag der Inhaberin Irene Bloos. Sie geht nach Jahren der Selbstständigkeit wieder in eine Festanstellung. Ein großer Hersteller von Pflegeprodukten hat sie angeworben. Schon jetzt bildet Irene Bloos parallel Friseurinnen und Friseure aus, nun macht sie dies zu ihrem Hauptberuf.

Dass der ausschlagende Punkt ein finanzieller war, verhehlt sie nicht. „Das Angebot war unschlagbar“, sagt sie. Die Friseurmeisterin mit der prägnanten roten Kurzhaarfrisur betont: „Wirtschaftlich kommst du nicht voran.“ Steigerungen bei den Energie- oder den Mietkosten hätten sie immer wieder zu Preisanpassungen gezwungen, das wiederum habe einen negativen Effekt im Salon gehabt. „Es bleiben Kunden weg“, erklärt Irene Bloos. Auf der anderen Seite hätten die Einnahmen nicht gereicht, um große Sprünge zu machen, „du zahlst ja auch für dein Privatleben mehr“.

Friseurmeisterin in Bernhausen: „Wir Kleinen brauchen mehr Unterstützung“

Finanziell komme sie so nicht weiter. „Es befriedigt mich nicht mehr. Ich arbeite gern 50 Stunden, aber es muss sich lohnen.“ Enttäuschung ist bei der 59-Jährigen herauszuhören, wenn sie sagt: „Tatsächlich brauchen wir Kleinen immer mehr Unterstützung.“ Das meint Irene Bloos sowohl auf Bundesebene – als auch auf kommunaler Ebene. „Wir brauchen kurze Wege.“

Ein Sprecher der Handwerkskammer Region Stuttgart sagt, dass es auch anderen in der Branche so geht. Zwar sei die Zahl der Salons in der Region in der Vergangenheit konstant geblieben – 2015 waren es 2752 gewesen, heute sind es 2795 –, „allerdings ist die gesamtwirtschaftlich angespannte Situation auch im Friseurhandwerk spürbar und wirkt sich unter anderem auf das Konsumverhalten der Kundinnen und Kunden aus“. In finanziell herausfordernden Zeiten werde eher auf den regelmäßigen und teils kostenintensiven Salonbesuch verzichtet, das spürten die Betriebe durch eine geringere Auslastung und fehlende Umsätze. „Dazu kommen Belastungen durch steigende Betriebskosten und fehlende Fachkräfte“, erklärt er, für mehr Stabilität und positive Aussichten in der Branche brauche es eine nachhaltige Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage.

Friseursalon in Filderstadt: Events und soziales Engagement

Irene Bloos hat in der Zeit, in der sie in Bernhausen ihren Salon betrieben hat, vieles gemacht, um sich gut zu positionieren. Unter anderem hat sie mit Events in ihrem 50-Quadratmeter-Geschäft auf sich aufmerksam gemacht. Im Juli kamen zur „tiny Wohnzimmer-Session“ immerhin 100 Gäste. Auch mit sozialen Aktionen hat sie von sich reden gemacht. Ende 2020 sammelte sie kleine Geschenke für bedürftige Seniorinnen und Senioren. 633 Päckchen kamen für die Fildertafel zusammen. Zudem unterstützt sie regionale Kunstschaffende und lässt sie in ihrem Salon ausstellen.

Ihr Geschäft schließt sie nun mit „einem lachenden und einem weinenden Herz“, wie sie sagt. Denn: „Hair Date war eine geile Zeit.“ Den Salon, den sie nahezu zehn Jahre lang betrieben hat, nennt sie „mein Baby“. Und ein Türchen lässt sich Irene Bloos offen. Den Namen Hair Date und auch das Konzept der Haarschnitte im intimen Rahmen werde sie behalten, falls es sie doch irgendwann wieder in die Selbstständigkeit ziehe. Sie sagt: „Man weiß nie, was kommt.“