Nachdem die Friseursalons im Land wegen der Corona-Ausbreitung mehrere Wochen geschlossen waren, dürfen sie jetzt unter strengen Vorgaben wieder öffnen. Für sie gibt es jetzt viel zu tun.
Esslingen - Es ist ein weiterer Schritt, um die Corona-Einschränkungen zu lockern. Seit Montag dürfen die Friseure im Land wieder Haare schneiden. Dabei müssen sich die Mitarbeiter und Kunden der Salons an strenge Hygiene- und Abstandsregeln halten. Ein Zustand, an den sich viele sicherlich noch gewöhnen müssen.
Scherenklacken, das Knurren der Rasierapparate, das Zusammenfegen auf Fliesenboden – die vertrauten Geräusche sind geblieben. Nur eine Komponente des typischen Friseurklangs fehlt: Das Gespräch über Gott und die Welt, über Job, Familie und Politik. Dabei gäbe es in allen Punkten so viel zu bequatschen. Immerhin hat sich einiges getan, seit die Salons vor über einem Monat schließen mussten. Doch wie die Landesregierung in ihrer Richtlinie für die Öffnung von Friseurbetrieben vorgibt, ist die „Kommunikation auf ein Minimum zu reduzieren.“ Also kein Gespräch. Terminabsprachen und Frisurwünsche nur online oder telefonisch, Blickkontakt während dem Haareschneiden nur über den Spiegel.
Großer Aufwand
„Ja, es gibt viele Vorkehrungen, die wir treffen mussten“, sagt Marion Ritter, 58. Mit ihrem Mann zusammen führt sie das Studio Ritter in der Esslinger Pliensaustraße. Sie empfängt die Kunden mit einem Lächeln, das trotz Mundschutz ankommt. In dem weitläufigen Salon hinter ihr zeichnet sich ein Bild, an das man sich in den letzten Wochen gewöhnt hat: Weiter Abstand zwischen den Plätzen, deutlich mehr als das Minimum von 1,5 Meter. Sowohl Mitarbeiter als auch Kunden tragen einen Mund-Nase-Schutz. Vor der Eingangstür steht eine Flasche Desinfektionsmittel bereit, darüber hängt ein Schild, auf was man beim Eintreten alles achten solle. „Wir desinfizieren die Scheren und Kämme nach jedem Gebrauch. Auch die Umhänge waschen wir nach jedem Kunden.“, sagt Ritter. „Die Sache mit dem Sicherheitsabstand ist bei uns kein Problem. Wir haben das Glück, dass wir einen sehr großen Salon haben.“ Termine müssen telefonisch vereinbart werden. Spontan vorbeischauen geht nicht, denn der Wartebereich muss leer bleiben. Das soll gewährleisten, dass sich nur so viele Menschen wie nötig im Studio aufhalten. „Wir bieten auch keine Getränke und Zeitschriften an“, fügt Ritter hinzu.
Durch den Extraaufwand entstehen auch zusätzliche Kosten. Das Studio Ritter verlangt deshalb pauschal zwei Euro mehr für die Dienstleistungen. Die sind durch die neue Richtlinie ebenfalls eingeschränkt. Friseure und Barbiere müssen zuerst die Haare der Kunden waschen und dürfen danach nur schneiden und färben. Föhnen sollte möglichst vermieden werden. Alles Vorkehrungen, um die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten.
Nur schneiden und färben
Die Regelung trifft vor allem die Barber-Shops sehr hart, deren Hauptgeschäft eben die Bartpflege ist. „Für uns war es trotzdem sehr wichtig, dass wir wieder aufmachen dürfen“, sagt Helin Alpas, 47, Kassiererin in Oscars Barbershop in Esslingen. Der Laden lebte vor der Krise von der Laufkundschaft, die Taktung teils sehr hoch. „Das war eine Umstellung für uns, denn jetzt dürfen nur Kunden mit Termin reinkommen. Vor allem für die Leute ist das blöd, weil sie jetzt vor dem Laden warten müssen, wenn sich etwas verzögert“, gibt Alpas zu bedenken.
Ähnlich sieht es in der Cut and Color-Filiale im ES aus. Vor dem Laden stehen zwei Kunden und wollen sich informieren. „Man muss unbedingt telefonisch einen Termin ausmachen“, sagt Friseurin Gintare Deksnyte, 27. „Insgesamt haben wir hier im Laden zehn Plätze. Wegen unseren Räumlichkeiten dürfen wir davon vier besetzen.“ Damit sich nicht unnötig viele Mitarbeiter in der Filiale aufhalten, hat Cut and Color ein Schichtmodell eingeführt. „Das macht die Sache auch für uns sicherer“, sagt Deksnyte. „Ansonsten halten wir uns an die Vorgaben der Regierung. Also Abstand halten, die Werkzeuge und Arbeitsplatz desinfiziert, wenig Kommunikation.“
Dass die Öffnung der Friseursalons für viele Menschen sehr wichtig war, bestätigt ein Blick in die Terminkalender der Betriebe. „Wir sind für die nächsten zwei Wochen praktisch ausgebucht“, sagt Ritter nach einem Blick in den Organizer. Der Grund liegt auf der Hand: viele Leute wollen die wilden Corona-Matten endlich in Form bringen lassen. „Friseurbesuche gehören für viele Menschen zur persönlichen Hygiene“, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Laut der befragten Esslinger Betriebe nähmen die Kunden dafür auch in Kauf, dass in den Salons und Studios ein Stück Charme fehlt.