Lehrer Michael May (von links) und Rektor Erhard Hofmeister Foto: zeigen Andreas Rudlof (Flughafe - zeigen Andreas Rudlof (Flughafen-Feuerwehr) und Landrat Eininger eine Brandmeldeanlage.

An der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen-Zell ist die landesweit erste Fachklasse für Werkfeuerwehrmänner und- frauen eingerichtet worden.

EsslingenFür viele Jungs ist es ein Traumberuf: Feuerwehrmann am Flughafen. Als am Freitagmorgen das moderne Löschfahrzeug des Stuttgarter Flughafens auf dem Hof der Friedrich-Ebert-Schule in Esslingen-Zell stand, zog es die männlichen Schüler magisch an: Handy raus und das Fahrzeug mit der futuristischen Wasserlanze auf dem Dach knipsen. Für Malte Wendel ist der Traum in Erfüllung gegangen. Seit September ist er Azubi am Flughafen und geht in die neue Fachklasse Werkfeuerwehrmann/-frau in Zell. „Das ist ein unfassbar interessantes Aufgabenfeld“, schwärmt der 21-Jährige, der bisher als Schreiner gearbeitet hat.

Diesen Freitag wurde die neue Fachklasse offiziell vorgestellt – eine landesweit einmalige Einrichtung, wie Landrat Heinz Eininger betonte. Werkfeuerwehren seien ebenso wie Berufsfeuerwehren ein unverzichtbarer Bestandteil des Sicherheitsnetzes im Landkreis. Viele Firmen bräuchten heute aufgrund ihrer Anlagentechnik oder dem Einsatz von Fotovoltaik und chemischen Produkten eine Werkfeuerwehr und ein umfassendes Sicherheitskonzept. Solche Unternehmen reihten sich wie eine Perlenkette am Neckar entlang, sagte Eininger. Deshalb sei Esslingen, in zentralen Lage, der richtige Standort für die neue Landesfachklasse.

Die 15 Schüler, die im September angefangen haben, kommen von der Flughafen-Feuerwehr und von der Firma Bosch. Nächstes Jahr steigen weitere Firmen ein, zum Beispiel Audi und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Schüler sind drei Wochen im Betrieb und dann für eine Woche an der Berufsschule. Nach 18 Monaten dualer Ausbildung schließen sie mit einer IHK-Prüfung ab. Auch das ist, neben den unterschiedlichen Aufgaben, anders als bei der Berufsfeuerwehr, wie sie große Städte haben. Die Berufsfeuerwehr schließt mit einer Laufbahnprüfung nach Beamtenrecht ab. Azubi Malte Wendel erklärt den Unterschied anschaulich: „Die Berufsfeuerwehr kommt, wenn’s brennt – wir sind die Problemlöser im Betrieb.“ Löschen tun sie natürlich auch.

Damit die Werkfeuerleute technische Probleme lösen und das Löschen lernen, hat der Landkreis für 80 000 Euro den Unterrichtsraum an seiner gewerblichen Schule eingerichtet und Geräte für die Werkstatt gekauft. Das sei nur die erste Stufe, ein Fahrzeug fehle noch, sagte Michael May, Abteilungsleiter an der Friedrich-Ebert-Schule.

In der Werkstatt lernen die Azubis handwerkliche Fähigkeiten in den Bereichen Metall, Elektrotechnik und Holz. Sie müssen wissen, wie man ein Leitung provisorisch abdichtet, eine Heizung abschaltet oder eine moderne Brandschutzanlage ausliest. Alles was montiert ist, muss ein Feuerwehrmann demontieren können. Sie üben auch, wie sie technische Hilfsmittel einsetzen, vom Spezial-Einschlagkeil über den Schlauchaufroller bis zum Generator. Im Theorieunterricht lernen die Schüler, wie man gefährliche Stoffe handhabt, Bränden vorbeugt und Gefahren an der Einsatzstelle erkennt. Auch naturwissenschaftliche Grundlagen werden gelehrt, etwa die Eigenschaften von Werkstoffen.

Die neue Fachklasse sei Teil einer Qualifizierungsoffensive im betrieblichen Brandschutz, betonte Landesbranddirektor Volker Velten. Er hoffe, dass die Beschäftigten der 168 Werkfeuerwehren in Baden-württemberg auch die ehrenamtlichen Wehren in ihrem Heimatort unterstützen. Andreas Rudlof, Chef der Flughafen-Feuerwehr, sieht die Fachklasse auch als eine Antwort auf die demografische Entwicklung. Mit diesem Ausbildungsgang werde es gelingen, das notwendige Personal zu gewinnen.

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