Zum Dank überreicht der ukrainische Bürgermeister Alexander Zaborovets (links) kunstvoll verzierte Brote an seinen Weissacher Kollegen Jens Millow (rechts). Foto: Simon Granville

Weissach und Bahatschewe besiegeln einen Freundschaftspakt. Drei Fahrzeuge und Hilfsgüter gehen in die Ukraine – von dort hat die Delegation traditionelles Brot mitgebracht.

Dietmar Büchele erklärt auf dem Platz vor dem Rathaus den Gästen aus der Ukraine, wie das Blaulicht am Rettungsfahrzeug leicht wieder in Betrieb genommen werden kann. „Der Wagen war zehn Jahre unser Hauptfahrzeug für Sanitätseinsätze“, sagt der Vorsitzende des Weissacher DRK-Ortsvereins. Jetzt geht das 20 Jahre alte Gefährt nach Bahatschewe, einer 20 000-Einwohner-Stadt südlich von Kiew.

Doch es ist nicht alleine unterwegs. Begleitet wird es von einem ausgemusterten Wagen des Weissacher Bauhofs und einem Allrad-Kasten-Fahrzeug aus dem kommunalen Forst. In der kriegsgeplagten Stadt würden sie noch gute Dienste leisten, zeigen sich die Vertreter aus der Ukraine überzeugt.

Per Urkunde wird ein Freundschaftspakt besiegelt

Der Bürgermeister aus Bahatschewe, Alexander Zaborovets, ist samt seiner Stellvertreterin Zoya Lyapun sowie drei Mitarbeitern, die die Fahrzeuge auf der langen Reise chauffieren, persönlich nach Weissach gekommen. Denn es gilt nicht nur, die Geschenke auf vier Rädern entgegenzunehmen, sondern die beiden Kommunen besiegeln per Urkunde auch einen Freundschaftspakt.

Bereit für die Abfahrt in die Ukraine: Das ausrangierte DRK-Fahrzeug. Foto: Simon Granville

Dies sei ein bedeutender Schritt, soll aber auch ein Anfang für viele weitere Projekte sein, betont Jens Millow. Eine frühere Spende eines Feuerwehrfahrzeuges, das zufällig nach Bahatschewe – das damals noch Watutine hieß – ging, hatte auch den Kontakt zwischen den beiden Kommunen hergestellt, der sich bis zur jetzt besiegelten Freundschaft entwickelte.

Nachts schrecken Sirenen die Menschen in Bahatschewe hoch

Er danke Deutschland dafür, dass es zwei Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen habe, antwortet Alexander Zaborovets. In seiner Stadt lebten inzwischen ebenfalls 4000 Flüchtlinge aus anderen Teilen der Ukraine, die es zu versorgen gelte. Tausend seiner Mitbürger seien als Soldaten an der Front. Er berichtet von Toten, Verletzten und Vermissten in seinem Ort, von Notunterkünften und Zerstörungen. Vier bis fünf Mal am Tag würden die Menschen von Sirenen hochgeschreckt, vor allem nachts, schildert er die Situation im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Man hat das Gefühl, dass die Räuber ins Land gekommen sind“, sagt er in seiner auf Ukrainisch vorgetragenen Rede, die von einer jungen Ukrainerin, die schon eine Weile in Weissach lebt, übersetzt wurde. „Nur mit Deutschland zusammen können wir uns gegen diese Räuber wehren. Unser Gegner ist zehn Mal stärker als wir“, erinnert er die Verbündeten hierzulande. Und er dankt der kleinen Kommune Weissach, „in der die Menschen mit den großen Herzen wohnen“, sagt der Bürgermeister der ukrainischen Stadt. „Das Freundschaftsabkommen hilft uns sehr“, sagt er. „Wir wollten eigentlich noch etwas länger in Weissach bleiben, aber wir fahren morgen zurück. Es hat aktuell wieder einen Beschuss gegeben, die Leute brauchen unsere Unterstützung.“,

Zum Dank gibt es kunstvolles Brot und aufwendig bestickte Hemden

Die Delegation aus Bahatschewe nimmt zwar drei Fahrzeuge aus Weissach mit, gefüllt mit Hilfsmitteln wie Hygieneartikel, Konserven oder Powerbanks. Doch sie haben auch Geschenke aus ihrer Heimat mitgebracht: eine Flagge von Bahatschewe etwa und zwei große, kunstvoll verzierte Brote. „In der Ukraine ist es Tradition, Brot zu verschenken, denn das ist das Wichtigste, was wir haben“, erklärt Alexander Zaborovets den Brauch.

Schließlich erhalten der Bürgermeister Jens Millow und seine Mitarbeiterin Christiane Kules, die sich um die aufwendige und langwierige Organisation der Fahrzeugexporte gekümmert hat, zum Dank die traditionellen, aufwendig bestickten Hemden. Ein solches Wyschewanka soll „Sie vor allem Schlechten schützen“, sagt Alexander Zaborovets an die Adresse des Weissacher Bürgermeisters. Man darf gespannt sein, zu welchen Gelegenheiten Jens Millow dieses Hemd tragen wird.