Mit einer Plakat-Reihe entlang der Straße machen Aktivisten in Ostfildern auf Diskriminierung aufmerksam. Foto: Petra Bail

Der Freundeskreis Asyl Ostfildern hat zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus am 28. März eine Flashmob-Aktion in Ruit und im Scharnhauser Park veranstaltet.

Ostfildern - Viele Autofahrer winken freundlich, manche hupen sogar, nur einer schüttelt verständnislos den Kopf, als er an den Plakaten vorbeifährt. Andrea Koch-Widmann, die Integrationsbeauftragte der Stadt Ostfildern, und Ursula Zitzler, Vorsitzendes des Freundeskreises Asyl Ostfildern, freuen sich über die positive Resonanz. „Wir werden wahrgenommen.“ Zum Abschluss der Internationalen Wochen gegen Rassismus am 28. März wurde am vergangenen Samstag eine Flashmob-Aktion in Ruit und im Scharnhauser Park veranstaltet.

Jeweils fünf Mitglieder des Freundeskreises Asyl positionierten sich mit großem Abstand auf dem Gehsteig und hielten den Vorbeifahrenden Plakate in XXL-Format mit Anti-Rassismus-Botschaften entgegen. „Würden Sie jemanden diskriminieren?“, stand auf einem Banner. „Wenn nein, dann winken Sie mal“, lautete die Aufforderung auf dem folgenden Billboard. Und es wurde gewinkt, wenn auch manchmal mit Zeitverzögerung.

Öffentlich Zeichen setzen

Jeweils eine Stunde lange dauerte der Flashmob in der Stuttgarter Straße und in der Niemöllerstraße. Der Flashmob – oder streng genommen Smart Mob, da es sich um eine sozial-politische Botschaft handelt – ist eine der wenigen Möglichkeiten, in Corona-Zeiten, öffentlich-präsent auf das Problem aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen, sagt Andrea Koch-Widmann. „Wir haben Flagge gezeigt und dafür gesorgt, dass das Thema nicht untergeht“, findet die Integrationsbeauftragte, der die Pandemie bereits im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Damals hat sich die Stadt Ostfildern zum ersten Mal an den Internationalen Wochen gegen Rassismus beteiligt. Aufgrund des ersten Lockdowns mussten allerdings sämtliche Veranstaltungen abgesagt werden.

Man hat sich den Umständen angepasst und dieses Mal doch einiges auf die Beine stellen können. Dazu gehören das internationale Marktcafé to Go, die Online-Diskussionen und Online-Workshops, die Plakataktion, ein Tagesspruch auf der städtischen Homepage und Fahnen vor dem Stadthaus, die ein deutliches Zeichen setzen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt in der Gesellschaft sowie für einen respektvollen Umgang der Menschen miteinander.

Flagge zeigen gegen Gewalt und Hetze

Obwohl Ursula Zitzler vom Freundeskreis Asyl Ostfildern der Stadtgesellschaft in Ostfildern eine große Offenheit attestiert, ist es ihrer Ansicht nach von Bedeutung, Flagge zu zeigen gegen Gewalt und Hetze. Man müsse die Bevölkerung stets aufmerksam machen auf Diskriminierung und Rassismus. Menschen mit Migrationshintergrund hätten häufiger Probleme bei der Wohnungssuche, berichtet Ursula Zitzler. Bei Bewerbungen stünden Personen mit einem fremdländisch klingenden Namen vor größeren Herausforderungen als Herr Maier oder Frau Müller.

Die Vorsitzende Zitzler verweist zudem auf den Alltagsrassismus, der oft unbedacht passiert, etwa bei bestimmten Formulierungen oder wenn eine Frau mit Kopftuch kritisch betrachtet wird. Unabhängig von seiner Hautfarbe und seiner Abstammung kann jeder Mensch von Rassismus betroffen sein.

Auch aufgrund von sexueller Orientierung, von Geschlechtsidentität, Religionszugehörigkeit und Behinderung können Vorurteile, Feindseligkeit und Ausgrenzung entstehen. Deshalb hält der Freundeskreis Asyl Ostfildern die Plakate hoch mit Botschaften wie „Wir in Ostfildern sind doch für Vielfalt und Toleranz – oder?“ Ein paar Meter weiter heißt es dann: „Und Rassismus? Geht in Ostfildern gar nicht – oder?“ Am Ende der Reihe aus Plakaten steht die eindeutige Bitte: „Engagieren Sie sich mit uns für Vielfalt und Integration.“

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