Arbeitseinsatz am Wernauer Baggersee. Foto:  

19 Freiwillige fanden sich am Samstag zum Pflegeeinsatz an den Wernauer Baggerseen ein. Einen Biber haben sie nicht gesehen, dafür aber seine Spuren.

Motorsägen und Muskelkraft sind im Einsatz. „Wir gucken, dass im Schutzgebiet möglichst wenig Bäume stehen“, fasst Roland Appl vom Nabu-Kreisverband das Ziel der regelmäßigen Pflegeeinsätze zusammen. Denn ohne Zutun des Menschen wäre hier bald alles Wald. Stattdessen gilt es, die offenen Flächen dieses besonderen Lebensraums zu erhalten. Die Helferinnen und Helfer haben die seltene Gelegenheit, ihn „von innen“ zu erleben – ansonsten darf er nicht betreten werden.

Schon auf dem Fußweg zum Einstieg ins Gebiet wartet eine erste Entdeckung, die vermutlich den meisten entgehen würde. Harald Brandstetter, ebenfalls vom Nabu-Kreisverband, macht auf den Trampelpfad aufmerksam, der rechts aus dem Gelände kommt und auf der anderen Seite schnurgerade zum Wasser führt. „Das ist ein Biberwechsel“, sagt Brandstetter. „Der Biber ist hier schwer aktiv.“ Ein Paar lebe am kleinen See, ein zweites auf der anderen Seite des Neckars, wo ein anderer Teil des Naturschutzgebiets liegt. Einige der Freiwilligen gehen mit Brandstetter zur Biberburg, einem unordentlich wirkenden Holzhaufen. Darunter liegt die Wohnhöhle, in der wahrscheinlich auch in diesem Moment die nachtaktiven Biber sitzen. Der Eingang befindet sich unter Wasser. Aber wie geht das, wenn der See derzeit zugefroren ist? Gar kein Problem, beruhigt Harald Brandstetter: Die rund 30 Kilo schweren Biber „gehen da mehrmals täglich raus und rein, dann bleibt der Weg frei.“

Viele kleine Bäume müssen gefällt werden

Man wirft noch einen Blick auf den hohen Zaun, der das Gelände der angrenzenden künftigen Photovoltaik-Freiflächenanlage umgibt – für die Naturschützer ein schmerzlicher Anblick. Sie hätten die Fläche gern dem Naturschutzgebiet zugeschlagen. Vor einem Jahr steckten sie noch in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Eigentümer, weshalb ihnen damals der Pflegeeinsatz verwehrt blieb.

Umso mehr gibt es dieses Mal zu tun, mittlerweile sind schon unüberhörbar die Motorsägen im Einsatz. Vier Männer kappen Gehölze, Brombeeren und kleine Bäume, die anderen ziehen den Grünschnitt aus dem Dickicht und schichten ihn auf – später wird er mit dem Traktor geholt. „Da hinten ist ein Birkenwäldchen gewachsen“, stellt Roland Appl fest. Auch diese weißen Bäumchen werden im Lauf der nächsten Stunde fallen – sie sollen sich nicht aussäen und nicht als Ansitz für Greifvögel dienen, die für die selteneren Tierarten auf dem Gelände eine Bedrohung sind. Auch Waschbär oder Fuchs gilt es einzudämmen, deshalb steht ein Hochsitz für die Wernauer Jäger im Naturschutzgebiet.

An den Wernauer Baggerseen geht es heiß her

Trotz der klirrenden Kälte friert mittlerweile niemand mehr. Die Sonne schaut raus, in der Vesperpause werden die Handschuhe ausgezogen. „Am Anfang waren die Finger schon kalt“, sagt Ute Grießhaber, die mit ihrer Familie zum ersten Mal beim Pflegeeinsatz dabei ist; bisher hätten sie immer vom Uferweg aus mit dem Fernglas reingeblickt. Ihr Mann Jürgen Baum hat rote Backen von der Arbeit, Sohn Immanuel hat längst die Jacke ausgezogen.

Roland Appl erzählt, dass man zusammen mit dem Nabu-Landesverband über ein Kiebitz-Projekt an den Baggerseen nachdenkt. Der Kiebitz als Bodenbrüter ist in Baden-Württemberg ausgesprochen selten geworden. Für ihn müsste man eine offene Fläche mit Wasserlachen anlegen, einzäunen und Rinder darauf weiden lassen, um den Bewuchs einzudämmen. Noch ist offen, ob daraus etwas wird.

Zweiter Pflegeeinsatz in diesem Jahr: Samstag, 24. Februar ab 9 Uhr. Treffpunkt ist bei den Wernauer Sportfreunden in der Stadionstraße. Interessierte kommen einfach dazu – mit wasserdichten Schuhen und Arbeitshandschuhen.