Frank Nopper (rechts) bei der Verabschiedung seines Vorgängers Fritz Kuhn. Am Donnerstagabend wird Nopper vereidigt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Von nun an gilt’s: Frank Nopper muss als neuer Stuttgarter Oberbürgermeister Akzente setzen und eine positive Grundstimmung in der Stadt erzeugen, kommentiert Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Amtsverweser klingt nicht gerade nach Traumjob. Und es ist auch nicht das, was Frank Nopper angestrebt und wofür er monatelang Wahlkampf gemacht hat. Doch es ist nun mal so. Wegen anhängiger Klagen von ehemaligen Mitbewerbern gegen die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl vom November wird Wahlsieger Nopper an diesem Donnerstagabend zwar als Nachfolger von Fritz Kuhn vereidigt, muss sich als OB bis zur Feststellung der Rechtmäßigkeit der Wahl jedoch mit der Amtsverweserrolle bescheiden. Ein sperriger Begriff; er strahlt keinerlei Glamour aus. Man könnte meinen, hier werde etwas notgedrungen verwaltet. Das aber wäre das Letzte, was Stuttgart braucht.

Wird er versucht sein, Leuchtturmprojekte zu starten?

Was Stuttgart braucht, ist neuer Schwung und ein echter Aufbruch, nicht nur ein Aufbrüchle. Der Wunsch danach ist mit den Händen zu greifen. Gestützt auf eine frisch motivierte Verwaltung und eine aktive Bürgerschaft, muss es darum gehen, Dinge in der Stadt in Bewegung zu bringen und in Bewegung zu halten. Frank Nopper hat von Donnerstagabend an die Möglichkeit dazu – auch wenn die Stimme eines Amtsverwesers bei Abstimmungen im Gemeinderat nicht zählt. Auf seine Stimme kommt es dennoch an. Ihr muss er Gewicht verschaffen und dabei einen konstruktiven Ton anschlagen. Das betrifft seinen Umgang mit der öko-sozialen Mehrheit im Gemeinderat, den Bürgermeistern, der Verwaltung und natürlich der Bürgergesellschaft.

Sie alle werden genau hinhören, welche Akzente „der Neue“ setzt und welche Standpunkte der CDU-Mann einnimmt. Wie hält Nopper es konkret mit dem Thema Mobilität und der Zukunft des Autos in dieser Stadt? Wie soll der „Mobilitätsfrieden“ der Verkehrsmittel aussehen, von dem er gesprochen hat? Wird er im Amt mehr Worte über den Klimaschutz verlieren als im Wahlkampf. Wie viel Energie verwendet er auf das Wohnungsproblem und auf andere soziale Themen in der Stadt? Wie offen ist er für Impulse, wie sie beispielsweise von der Internationalen Bauausstellung ausgehen? Und wird er anders als sein Vorgänger versucht sein, imageträchtige Leuchtturmprojekte zu starten, um Stuttgart „zum Leuchten zu bringen“, wie er es bereits angedeutet hat?

Kein Schulterklopfen, sondern ein Unter-die-Arme-greifen

Noppers Aufgabe ist es, auf diese und auf viele andere Fragen überzeugende Antworten zu geben und – so trivial es klingt – eine positive Grundstimmung zu erzeugen. Im Rahmen dessen, was ein OB leisten kann, muss sein Bestreben sein, wieder mehr Leben und Lachen in die Stadt zu bringen. Nicht, weil bald Fasching ist. Sondern weil Stuttgart nach der Coronatristesse dringend eine Stimmungsaufhellung braucht. Noppers Talent zur Bürgernähe kann dabei helfen.

Gefragt ist allerdings kein Schulterklopfen, sondern ein Unter-die-Arme-Greifen. Kulturschaffende, Handeltreibende, Sportvereine – sie alle sind über die Krisenzeit hinaus auf Unterstützung durch die Stadt angewiesen. Finanzieller wie ideeller Art. Das reiche Stuttgart wird nach der Coronakrise weniger reich sein. Umso wichtiger ist der Reichtum an Fantasie und Kreativität. Der neue OB muss ein Förderer und Ermöglicher werden.

jan.sellner@stn.zgs.de