Die Mitglieder des Fotoclubs Schwarz-Weiß, Barbara Siegle (v. l.), Matthias Fink, Winfried Storkenmaier und Hans Kienzle, blicken zurück auf die Gründungsjahre, die Suche nach einem Fotolabor und neue Ausstellungsformen während der Coronapandemie. Foto: Simon Granville

Der Schwarz-Weiß Fotoclub Weil der Stadt ist dieses Jahr 30 Jahr alt. Das wird gefeiert mit zwei Ausstellungen – im Bürgertreff und in der Wendelinskapelle.

Auch wenn der Weil der Städter Fotoclub „Schwarz-Weiß“ in seinem Namen führt: Die Mitglieder des Weil der Städter Vereins fotografieren auch in Farbe. Was dabei herauskommt, kann man jetzt in der Wendelinskapelle sehen, wo sich an den Wänden und in der Mitte – auf Präsentationsflächen, die von der Decke herabhängen – Bilder von 14 Mitgliedern finden. Die Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Vereins trägt den Titel „Nimm zwei“. Und so sind auf den Fotos immer zwei gleiche Motive zu sehen, oft Menschen, aber beispielsweise auch Tiere. Auf der Beschriftung unter den Bildern findet sich nicht nur der Fotograf oder die Fotografin, sondern auch ein Titel, der den Betrachter oft schmunzeln lässt.

Jetzt ist noch eine zweite Ausstellung im Bürgertreff mit Arbeiten von neun Mitgliedern hinzugekommen. Dort werden tatsächlich nur Fotos in schwarz-weiß gezeigt. Die Ausstellung spreche andere Menschen an, weiß der Vorsitzende des Fotoclubs Matthias Fink. Denn: „Nicht alle mögen Fotos in schwarz-weiß.“

Viele Bilder, viele Erinnerungen

Fink erzählt, wie es zu dem Titel „Nimm zwei“ kam und wieso auf den Bildern immer zwei derselben Art zu sehen sind. Der Verein stellt seine Fotos üblicherweise in der Wendelinskapelle aus. Dann hätten sie erfahren, dass die Stadt den Raum als Ausweichmöglichkeit für Trauungen vorgesehen hat. Die Vereinsmitglieder überlegten sich deshalb, dass sie dort etwas zeigen sollten, das mit einem Hochzeitszimmer vereinbar ist.

„Wir haben immer Themen bei den Ausstellungen“, sagt der Vorsitzende. Gerne blickt er gemeinsam mit Hans Kienzle, Winfried Storkenmaier und Barbara Siegle zurück: Da war beispielsweise im Jahr 2003 eine Schau zur Bilderflut. Unzählige Bilder hingen in der Wendelinskapelle von der Decke herab, und die Besucher mussten sich den Weg durch die Fluten an Fotos bahnen. Am Ende hieß es „Schnipp-schnapp, Bilder ab“ und sie wurden abgeschnitten. Während der Coronapandemie, als eine Ausstellung nicht möglich war, hängten die Vereinsmitglieder ihre Bilder einfach draußen an der Kapelle auf. Die Fotos hatten sie zuvor auf wetterfeste Planen drucken lassen. Weitere brachten sie an den Bauzäunen der damaligen Marktplatzbaustelle an.

Es begann mit dem Nachbarn

„Bei der Übertragung auf die Planen haben wir viel gelernt,“ betont Fink. Und Storkenmaier ergänzt: „Die Qualität war ziemlich gut.“ Das Thema der Ausstellung war „Rot“. Jedes Bild musste etwas Rotes haben. Als sich die Fotoclubmitglieder für den Ausstellungstitel „Trotzdem“ entschieden, merkten sie, dass auch da das Wort „rot“ drinsteckt. Das Abhängen der Fotos sei dann eher schwierig gewesen, so Fink und Storkenmaier. Denn es durften immer nur zwei von ihnen zu Werke gehen. Aus den Planen wurden übrigens später Taschen, die der Fotoclub auch verkauft hat.

Was vor 30 Jahren mit neun Fotobegeisterten begann, ist heute ein Verein mit 17 Mitgliedern, darunter drei Frauen. Sie kommen nicht nur aus Weil der Stadt, sondern beispielsweise auch aus Ostelsheim, Heimsheim und Schönaich. „Mit neun Personen haben wir uns damals eintragen lassen“, sagt Fink. Hans Kienzle und er wohnten nicht nur nebeneinander, sie hatten dieselbe Leidenschaft: das Fotografieren. Eines Tages entschlossen sie sich, eine Anzeige zu schalten, um Gleichgesinnte zu finden. „Winfried kam vom Kochkurs der Manufaktur zu uns“, so Fink. Was die Vorlieben und Interessen der Mitglieder angeht – ob digital oder analog, mit oder ohne Bildbearbeitung – ist der Verein für alle und alles offen.

Die Suche nach einem gemeinsamen Fotolabor war einst die Antriebsfeder. Aber: „Es war schwierig, eines zu bekommen“, sagt Hans Kienzle rückblickend. „Es blieb uns nichts anderes übrig, als einen Verein zu gründen“, so Matthias Fink. Noch heute erinnert er sich an den Fauxpas, der ihm passierte, als er versuchte, sie beim Amt als Verein eintragen zu lassen. „Der Beamte dort hatte viele Fotos an den Wänden. Das Bild, das mir gut gefiel, war das einzige, das er nicht gemacht hatte.“ Lachend ergänzt er: „Er hat uns trotzdem eingetragen.“

Squaredance erschüttert das Fotolabor

Die Manufaktur, die damals in der Pfarrgasse 8 ihr Domizil hatte, vermietete ihnen dann einen kleinen Raum, den die Vereinsmitglieder zum Fotolabor machen konnten. Aber durch die Bauweise des Gebäudes waren sie dort nicht ungestört. Hans Kienzle erzählt amüsiert, dass er sich einmal im Fotolabor aufhielt und plötzlich alles wackelte – der Grund: eine Squaredance Gruppe probte gerade im Saal. Als sich der Manufaktur-Verein von den Räumlichkeiten in der Pfarrgasse trennte, seien sie „heimatlos“ gewesen, bringt es Fink auf den Punkt. In der Steinhofgasse fanden sie schließlich Räumlichkeiten, in denen sie auch ein Fotolabor unterbringen konnten, das dort heute noch ist.

Bis zur Pandemie haben sich die Mitglieder in ihrem Clubraum in der Steinhofgasse getroffen. Mit Onlinetreffen und Videokonferenzen hielten sie über die Zeit Kontakt. „Als der Bürgertreff eröffnete, haben wir die Chance ergriffen“, betont Fink. Schon zur Eröffnung hätten sie dort ihre Fotos aufgehängt. An jedem zweiten Donnerstag im Monat treffen sie sich jetzt im Bürgertreff. Nicht nur bei den Motiven scheinen den Mitgliedern des Fotoclubs Schwarz-Weiß die Ideen nicht auszugehen. So sagt der Vorsitzende: „Wir wollen vielleicht in Zukunft Foto-walks machen.“

Die Ausstellung „Nimm zwei“ in der Wendelinskapelle, Herrenberger Straße 17, läuft bis 20. Oktober und ist samstags und sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Fotoausstellung „Schwarz-Weiß“ kann während der Öffnungszeiten des Bürgertreffs, Stuttgarter Straße 34, bis Ende 2024 besucht werden.