Lewis Hamilton kann mit sich und der Welt zufrieden sein - er siegt in Österreich. Foto: dpa/Mark Thompson

Der Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis der Steiermark und muss dabei nicht einmal alles zeigen.

Spielberg - Es ist vieles anders in dieser noch jungen Corona-Saison der Formel 1. Keine Fans säumen die Rennstrecken, die Fahrer tragen bei jedem Interview einen Mund-Nasen-Schutz, sie stehen bei der Siegerehrung in ausreichendem Abstand, die Schampus-Flachen sind ordentlich desinfiziert – und die sensationellste Novelle: Die Siegerpokale werden während der Pandemie nicht von Polit-Honoratioren oder von Promis überreicht, sie werden mit ferngesteuerten Robotern keimfrei zu den Podesten gefahren, wo sie die Piloten in Empfang nehmen.

Was sich zur Vor-Corona-Ära allerdings nicht geändert hat: Mercedes ist weiterhin der unangefochtene Anführer in der Hochgeschwindigkeits-Gesellschaft. Nach dem Triumph von Valtteri Bottas vor acht Tagen beim Großen Preis von Österreich in Spielberg siegte am Sonntag beim Großen Preis der Steiermark an selber Stelle Lewis Hamilton. Diesmal gab es für Mercedes sogar einen Doppelsieg, nachdem Bottas vier Runden vor Schluss noch an Red-Bull-Pilot Max Verstappen vorbeigefahren war. „Ich bin so beeindruckt, das war ein fantastischer Job“, funkte Hamilton nach seinem Karrieresieg Nummer 85 an sein Team. „Ich bin so dankbar, wieder ganz vorne zu sein. Ich bin froh, dass wir nach der langen Pause bis zum Saisonstart wieder ein so hohes Niveau besitzen.“ In der WM-Wertung liegt der Brite mit 37 Punkten sechs Zähler hinter Auftaktsieger und Spitzenreiter Bottas. „Lewis hat das Rennen kontrolliert“, sagte der Finne, „ich habe mit Platz zwei immerhin Schadensbegrenzung betrieben.“

Mercedes vor Mercedes

Mercedes vor Mercedes. Vergangene Woche wäre Hamilton auf Platz zwei gelandet, hätte ihn nicht eine Fünf-Sekunden-Strafe wegen einer Kollision mit Alexander Albon auf Rang vier zurückgeworfen. Die schwarzen Silberpfeile haben die Konkurrenz so fest im Griff wie der FC Bayern München den Rest der Clubs in der Fußball-Bundesliga. „Gegen Mercedes ist derzeit kein Kraut gewachsen“, analysierte der ehemalige Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg. Max Verstappen, der sich vergeblich gegen Valtteri Bottas gewehrt hatte, war ziemlich konsterniert. „Das war ein langweiliges Rennen“, sagte der Niederländer, „wir hatten gegen Mercedes keine Chance. Mir war klar, dass Valtteri früher oder später vorbeiziehen würde – wir waren zu langsam, Platz drei war das Maximum für uns.“ Die für die Konkurrenz erschreckendste Erkenntnis: Hamilton musste weder ans Limit seines Autos noch an das seiner fahrerischen Fähigkeiten gehen. „Lewis musste heute tatsächlich nicht alles zeigen“, verriet Mercedes-Teamchef Toto Wolff, „er hatte noch Reserven.“

Zwei Rennen, zwei ungefährdete Mercedes-Erfolge. 2019 hatte das Team 16 Siege in 21 Grand Prix’ gefeiert, der Trend setzt sich fort – und man könnte fast annehmen: Lewis Hamilton wird seinen siebten Titel als Fahrer-Champion im Vorbeigehen mitnehmen und so mit Rekordweltmeister Michael Schumacher gleichziehen. Doch bei Mercedes heißt die Mutter der Porzellankiste Vorsicht. „Die Saison hat wirklich nicht schlecht begonnen“, resümierte Wolff, „aber wir sind erst zwei von womöglich 18 Rennen gefahren. Es ist also noch viel zu früh, um irgendwelche Prophezeiungen zu machen.“ Da hat der Österreicher zweifellos recht, doch irgendwie riecht diese Saison wieder verdächtig nach Mercedes-Dominanz.

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