Die Lebensmittelretter Laura Faust, Stephan Marx, Ulrich Bauer, Lena Kube und Valeria May (von links) planen ein Foodsharing-Café in Ludwigsburg. Foto: Frederik Herrmann

Monate lang haben die Lebensmittelretter Geld gesammelt, um ihren Traum zu verwirklichen. Ein Café der etwas anderen Art – ein letzter, entscheidender Schritt fehlt aber noch.

Das Konzept ist klar, Geld haben sie auch und der Name steht. Die Lebensmittelretter von Foodsharing Ludwigsburg planen ein nachhaltiges Café. „Blätter & Teig“ soll es heißen. Nur einen passenden Standort suchen sie noch.

„Eigentlich wollten wir einen mobilen Container als Café, der auch den Ort wechseln kann“, erklärt Lena Kube, eine der Mitorganisatorinnen. Doch mögliche freie Flächen sind in der Stadt rar, und bürokratische Hürden haben es der Gruppe nicht einfach gemacht. Deshalb suchen sie jetzt einen Leerstand in Ludwigsburg, in dem sie ihre Idee verwirklichen können.

Jeder zahlt, so viel er will

Denn das geplante Foodsharing-Café ist kein normales Café, erklärt Kube. Für den Kaffee zahlt jeder, so viel er will. „Wir wollen eine Empfehlung abgeben“, ergänzt Stephan Marx, ein weiterer Mitstreiter des Projekts. „Aber wenn jemand mal nur sehr wenig zahlen kann, ist das auch okay.“ Sie nennen das ein solidarisches Prinzip: Wer viel hat, soll demnach auch mehr geben.

Das erfordere viel Vertrauen in die Kundschaft. In anderen Städten funktioniere es aber, hebt Marx hervor. Beispielsweise in Stuttgart. Dort eröffnete 2019 mit der Raupe Immersatt das erste Foodsharing-Café Deutschlands.

Lebensmittel retten statt wegwerfen

Im „Blätter & Teig“ in Ludwigsburg soll es nicht nur Kaffee, sondern auch Kuchen und Gebäck geben. Den wollen sie aber nicht selbst backen, sondern retten. Supermärkte werfen häufig Lebensmittel weg, die sie nicht mehr verkaufen wollen, aber noch gegessen werden können. Diese will die Gruppe dann abholen und in ihrem Café gegen eine Spende verschenken.

Von dem gespendeten Geld wollen sie dann einen Wald kaufen. Deshalb auch der Name des Cafés: Blätter & Teig. „Aus Teig sollen also wieder Blätter entstehen“, erklärt Kube.

Mit den Spenden wollen sie einen Wald kaufen. Das Logo bildet deshalb eine Kaffeetasse in Form eines Baumes. Foto: Frederik Herrmann

Schon jetzt sammelt die Initiative regelmäßig Lebensmittel in der Region ein, die sonst im Müll gelandet wären. Dafür fahren sie zu verschiedenen Supermärkten, und holen überschüssige Produkte ab.

Häufig können sie den ganzen Kofferraum eines Autos vollmachen, sagt Marx. „Manchmal hole ich aber auch nur einen Joghurt ab“. Das sei auch gar nicht schlimm. „Je weniger es für uns gibt, desto besser.“ Das bedeute schließlich, dass der Supermarkt ordentlich kalkuliert habe. „Unser Ziel ist es, dass Supermärkte gar nicht erst Lebensmittel wegwerfen und es Initiativen wie uns überhaupt nicht braucht“, sagt er. Mit den gesammelten Lebensmitteln befüllen die Mitglieder von Foodsharing dann Ausgabestellen. Die Gruppe nennt sie „Fairteiler“. Elf davon stehen im Landkreis – öffentliche Schränke oder Boxen, in denen gerettete Lebensmittel zur freien Verfügung stehen. Unter anderem in Korntal-Münchingen, Erdmannhausen und Marbach.

Erster „Fairteiler“ in Ludwigsburg

In die Schränke kommen jedoch nur Lebensmittel, die noch verzehrbar sind. Verderbliches wie Fleisch und Fisch bleibt draußen – noch genießbares Gemüse, Brot und Obst darf hinein. „Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist, heißt das ja nicht, dass es nicht mehr gut ist“, sagt Marx. In das geplante Café soll ein weiterer Fairteiler integriert werden. Zwar steht bereits einer in Eglosheim, in der Fischbrunnenstraße – für die Ludwigsburger Innenstadt wäre es jedoch der Erste. Ein gutes Startkapital für ein eigenes Foodsharing-Café in Ludwigsburg haben sie bereits. Über ein Crowdfunding-Projekt sammelte die Gruppe im vergangenen Jahr über 24.000 Euro. Die Hälfte stammt von der Baden-Württemberg-Stiftung. Mit dem Geld soll dann das Café eingerichtet werden.

Wo soll das Foodsharing-Café entstehen?

„Allein eine Kaffeemaschine kann mehrere tausend Euro kosten“, erklärt Marx. Ob das Geld reichen wird? Das wissen sie noch nicht. „Das hängt ganz vom Standort ab, den wir finden“, so Marx.

Gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg sucht der Verein derzeit nach einer geeigneten Räumlichkeit. Zwar könne die Stadt das Projekt finanziell nicht fördern, aber sie habe bereits mehrere Flächen angeboten.

Spätestens bis Februar 2027 müssen sie ihr Café eröffnen. Denn wenn sie bis dahin das Geld nicht für ihr Projekt ausgegeben haben, müssen sie einen Teil an die Baden-Württemberg-Stiftung zurückzahlen. Die Gruppe ist jedoch optimistisch. „So lange werden wir nicht mehr brauchen“, sagen sie.

Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Tonnenweise Lebensmittel
Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wurden im Jahr 2022 in Deutschland etwa 10,8 Tonnen Lebensmittel weggeworfen.

Nicht nur Supermärkte verschwenden
Davon entfielen rund 0,8 Millionen Tonnen beziehungsweise etwa sieben Prozent auf den Handel. Mit 6,3 Millionen Tonnen, also rund 53 Prozent, entstand jedoch der Großteil der Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten.