Trotz Öffnungen der Läden hat sich die Lage weiter entspannt. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Lage in der Coronakrise hat sich in Stuttgart weiter entspannt. Die Zahl der Neuinfektionen liegt seit einiger Zeit im einstelligen Bereich. Auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen sind die Verhältnisse stabil. Die Anträge auf Hartz IV sind stark angestiegen.

Stuttgart - Mehr als zwei Monate nach dem Aufflammen der Coronakrise hat sich die Lage in der Landeshauptstadt weiter entspannt. „Die bisherigen Lockerungen haben noch zu keinen Verschlechterungen geführt“, sagte der Leiter des städtischen Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt, am Montag im Ratsausschuss für Soziales und Gesundheit. „Auch die Teilöffnung der Schulen hatte bisher keine negativen Effekt.“

Das lässt sich an den aktuellen Zahlen ablesen. So hat die Stadt bisher insgesamt 1462 Infizierte registriert, von denen 1362 als wieder genesen gemeldet sind. Noch 38 Personen sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert. Von Ausnahmen abgesehen, lag die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in den zurückliegenden vier Wochen im einstelligen Bereich. Man müsse dabei „aber eine Dunkelziffer“ berücksichtigen, so Ehehalt.

Auswertung der Todesfälle

Mittlerweile sind 62 Menschen mit oder an dem Virus gestorben. Der Anteil der Verstorbenen an den Infizierten liege bei 4,2 Prozent, sagte der Leiter des Gesundheitsamts. „Das ist eine relativ geringe Rate.“ Rund 42 Prozent von diesen hatten in einem Alten- und Pflegeheim gelebt. Mit den Krankenhäusern der Stadt ist das Gesundheitsamt der oft gestellten Frage nachgegangen, ob diese Menschen, von denen der Großteil hochaltrig war und an Vorerkrankungen litt, nur mit oder doch an dem Virus gestorben sind. Nach der Auswertung lässt sich bei 70 Prozent der Sterbefälle ein klarer Zusammenhang mit der Covid-19-Erkrankung herstellen, in 19 Prozent der Fälle sei dieser möglich, bei den verbliebenen elf Prozent sei diese Verbindung unwahrscheinlich.

Auch in den Alten- und Pflegeheimen sei die Lage stabil, sagte Stefan Ehehalt. Schutzausrüstung hätten die Träger inzwischen ausreichend. Die Materialien seien wieder „recht gut zu bekommen“. Gut ist bisher die Testaktion in den Alten- und Pflegeheimen verlaufen. Von den 4450 Mitarbeitenden, die man auf das Virus getestet hat, waren nur drei positiv, bei 1238 Bewohnern war nur einer mit dem Virus infiziert.

Kliniken holen OPs nach

Da die Zahl der beatmeten Patienten in den Krankenhäusern deutlich gesunken sei, könnten diese mehr und mehr die aufgeschobenen OPs nachholen. Die Kliniken könnten aber „schnell wieder umschalten und gegensteuern“, erklärte Stefan Ehehalt.

Die Ratsfraktionen lobten die Arbeit des Gesundheitsamts, das wegen der Überlastung durch die Coronakrise 20 zusätzliche Stellen bekommen soll. Dessen Leiter betonte, eine Studie habe gezeigt, dass alle drei Faktoren – das Verbot von Großveranstaltungen, die Schließung von Kitas und Schulen, die Kontaktbeschränkungen – notwendig gewesen seien zur Verminderung der Infektionszahlen. AfD-Stadtrat Michael Mayer sagte dagegen, es handle sich nur um Modellrechnungen, die etwa von der Zahl der Tests abhingen und die „unzuverlässig“ seien. Stefan Ehehalt erwiderte, die Modelle seien „hinreichend genau“. Er mahnte weiter zur Vorsicht, die Menschen müssten das eingeübte Verhalten beibehalten.

Zahl der Hartz-IV-Empfänger stark gestiegen

Unterdessen ist die Sozialverwaltung dabei, ihre Angebote unter Einhaltung des Infektionsschutzes wo möglich auf Normalbetrieb umzustellen. Man habe auch bisher „die Struktur gut aufrecht erhalten können“, sagte die stellvertretende Sozialamtsleiterin Gabriele Reichhardt. In Kleingruppen habe es schon Angebote der Träger gegeben. Wo möglich, wurde online gearbeitet. So hat das Jobcenter bei zwei Drittel der Angebote durch „Online-Module Kontakt gehalten“, sagte Jobcenter-Chef Jürgen Peeß. Und 62 Prozent der Arbeitsgelegenheiten für Hartz-IV-Empfänger „können wieder angeboten werden“. Peeß berichtete über eine starken Anstieg von Hartz-IV-Anträgen. Die Neuanträge nahmen von Februar auf April von 587 auf 972 zu, das ist ein Plus von 60 Prozent. Der Jobcenter-Chef hofft, dass Kleingewerbetreibende und Soloselbstständige, die unter den Antragstellern sind, durch die Lockerungen wieder Fuß fassen.

Schmerzlich vermisst wird von alten Menschen die Essensausgabe in den Begegnungsstätten, das ist auch Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann (Grüne) bewusst. Während in manchen Bereichen die Angebote „in einem anderen Modus“ gemacht werden könnten, sei die Essensausgabe ein schwieriges Thema. Gabriele Reichhardt aber betonte, es sei „das gemeinsame Ziel, hier wieder etwas anzubieten“.

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