Cornelia Holzwarth und Manfred Zahler werden „ihren“ Laden vermissen. Foto: Jacqueline Fritsch

Der Second-Hand-Laden „Zweite Liebe“ in Kornwestheim muss schließen. Ihm fehlen seit der Pandemie die nötigen Umsätze. An anderen Standorten verspricht man sich mehr.

Der Diakonieladen war für jeden da: für Menschen, die Kleidung aus zweiter Hand kaufen wollen, sich neue T-Shirts nicht leisten können oder die einfach mal wieder ein Schwätzle halten wollten. Der Kreisdiakonieverband Ludwigsburg betreibt im Landkreis drei solcher Läden – in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und in Kornwestheim. Nun muss einer von ihnen schließen, weil die Diakonie für drei Läden nicht mehr das Geld und nicht mehr das Personal hat. Dass es ausgerechnet die Kornwestheimer „Zweite Liebe“ trifft, die damals als erster Diakonieladen im Landkreis eröffnet hat, finden die Verantwortlichen selbst schade. Manfred Zahler hat den Laden im Jahr 2011 mit aufgebaut. „Da steckt schon viel Herzblut drin“, sagt er.

Eigentlich waren die Diakonieläden auf einem guten Weg. Vor der Coronapandemie sind Umsätze und Kundenzahlen gestiegen, auch Helfer waren genügend da. Das berichten Manfred Zahler, Leiter der Diakonieläden in Ludwigsburg und Kornwestheim, und Julia Ströbele, die beim Kreisdiakonieverband für die Läden zuständig ist. „Der Trend geht ja auch eindeutig dahin, dass sich viele bewusst gebrauchte Sachen kaufen“, sagt Ströbele. Doch wie viele andere haben die Diakonieläden unter der Pandemie gelitten. Vorübergehend sind sie aus Kirchensteuermitteln finanziert worden, doch das sei auf Dauer nicht zu machen, sagt Ströbele. Hinzu kommen nun die steigenden Preise. „Die Leute gucken gerade eher, dass sie ihren Grundbedarf decken können, und sparen als erstes an Kleidung“, sagt Ströbele. Zudem sei der Standort in Kornwestheim schwierig geworden, da die Innenstadt ausblutet und kaum noch Laufkundschaft bringt.

Grundausstattung an Flüchtlinge verschenkt

Komplett gegen die Läden wollte sich der Kreisdiakonieverband jedoch nicht entscheiden. Er möchte die bestehenden Kräfte nun in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen bündeln und ist zuversichtlich, dass diese zwei Standorte noch eine Weile erhalten bleiben. „Die Läden sind ja auch eine niederschwellige Möglichkeit, um mit den Angeboten der Diakonie in Kontakt zu kommen“, sagt Julia Ströbele. Außerdem sei es gut, wenn gewisse Strukturen schon bestehen. So hat der Diakonieladen jüngst eine Grundausstattung an ukrainische Flüchtlinge verschenkt. Das sei nur möglich gewesen, weil es die Läden sowieso gibt – aber Einnahmen hat das freilich nicht gebracht.

Die „Zweite Liebe“ in Kornwestheim ist voraussichtlich noch bis Jahresende dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es wird einen Ausverkauf geben. Manfred Zahler wird den Laden vermissen. „Es war ja fast romantisch hier mit der überdachten Veranda“, sagt er. Die Modenschauen und Sommerfeste wird der 61-Jährige in guter Erinnerung behalten. Ihm selbst bleibt nun noch der Diakonieladen in Ludwigsburg an der Saarstraße – er hofft, dass er dort künftig viele Stammkunden sieht.