Weinstadt wurde für das Förderprogramm „The Städt“ ausgewählt. Ziel ist die Verbindung von umweltfreundlicher Mobilität und Handel für lebendige Ortsmitten. Was bleibt vom Projekt?
Bunt zugegangen ist es im vergangenen Sommer bei den Aktionswochen „Ab in die Mitte“ im Ortskern von Weinstadt-Beutelsbach. Da wurde auf Initiative des städtischen Amts für Kultur, Stadtmarketing und Sport bei der Feierabendaktion „Zack. Schön!“ die Buhlstraße zur Picknickzone, wobei die rund 300 Besucher mit Decken, Liege- und Campingstühlen selbst für Sitzgelegenheiten sorgten, während Bäcker, Metzger und weitere Fachgeschäfte ihre Öffnungszeiten verlängerten und die Remstalkellerei sich mit einem Weinausschank beteiligte.
Einzelhändler und Gastronomen luden gemeinsam mit der Vereinigung Weinstädter Unternehmer (VWU) zu einer After-Work-Party mit Livemusik, Bewirtung und Kinderaktionen. „Das waren zwei absolute Highlights“, blickt der städtische Wirtschaftsförderer Thomas Müller zurück.
Über 30 Aktionen beleben Weinstadts Ortsmitte
Daneben ließ man sich im Rahmen des vom Mannheimer Planungsbüro Yalla Yalla! gecoachten 16-tägigen Aktionsformat für eine lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitte noch viele weitere Angebote einfallen, während sich das Haus der Jugendarbeit über den gesamten Zeitraum um den Verleih von Sport- und Spielsachen aus einem Spielmobil kümmerte. „Insgesamt waren es mehr als 30 Aktionen, an denen sich Gastronomen, Fachgeschäfte, Vereine und Ämter der Stadt beteiligten“, freut sich der städtische Wirtschaftsförderer über den erfolgreichen Verlauf.
Dabei waren die Aktionswochen nur ein Teil des Förderprogramms „The Städt“, um das sich landesweit 23 Kommunen beworben hatten. Weinstadt gehörte dabei neben Hockenheim zu den Auserwählten, die das Glück hatten, vom Verkehrsministerium und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg doppelt unterstützt zu werden – und zwar neben dem Aktionsformat noch mit einem Prozess-Coaching, bei dem das Münchner Büro USP Projekte Kommunen jeweils ein halbes Jahr lang in laufenden Planungs- und Entwicklungsvorhaben begleitet.
„Das hat vor allem dazu geführt, dass wir professionell vorbereitet, und moderiert mit verschiedenen Akteuren zum Sanierungsprogramm Ortskern Beutelsbach ins Gespräch gegangen sind“, berichtet Müller. „Zunächst lag der Fokus auf Einzelhändlern und Gastronomen, und dann haben wir die Gruppe größer gemacht und im Mai zu einem Ortsmitte-Forum auch Immobilienbesitzer, Anwohner, Kulturschaffende, die Leitung der Stadtbücherei sowie den Stadtseniorenrat und den Jugendgemeinderat eingeladen.“
In einem weiteren Schritt zog man den Kreis der Akteure noch größer, mit einer Zukunftswerkstatt, bei der die gesamte Bürgerschaft aufgerufen war, Wünsche und Kritik zu äußern. Zudem habe man einen Kinder-Workshop organisiert, bei dem Viertklässler der örtlichen Grundschule kundtun konnten, was ihnen bei der Umgestaltung der Ortsmitte wichtig ist, betont Müller.
Die Wünsche der jungen Beutelsbacher reichten dabei – wie eine Auflistung in seiner Abschlusspräsentation für den Gemeinderat zeigt – von konsumfreien Aufenthaltsräumen, Spiel- und Sitzmöglichkeiten, Kletterbäumen, Tischtennisplatten über mehr Grün, Beschattung und Wasserelemente wie zum Beispiel Sprühnebel und Zugänge zum Bach, bis hin zu mehr Barrierefreiheit und Sicherheit im Verkehr sowie eine größere kindgerechte Angebotsvielfalt im Einzelhandel und in der Stadtbücherei.
Die Beteiligungsformate sind nicht abgeschlossen
„Die Erkenntnisse fließen in den Sanierungsprozess ein“, erklärt Müller zu den Ergebnissen der verschiedenen Beteiligungsformate, die keineswegs abgeschlossen sind. So solle das Ortsmitte-Forum fortgeführt werden. Eine Wiederholung im vergangenen Herbst habe es bereits gegeben und der nächste Termin sei für März geplant. Des Weiteren wolle man das Feierabend-Picknick „Zack. Schön!“ erneut veranstalten – „gegebenenfalls auch in anderen Stadtteilen“, sagt Müller und denkt dabei etwa an Endersbach und die bevorstehende Sanierung und Umgestaltung der dortigen Einkaufsstraße, die 2027 starten soll.
Statt nur sachlich nüchtern über die Baustelle zu informieren, könne man bereits im Herbst bei gemeinsamen Aktionen mit den Gewerbetreibenden einen Ausblick darauf geben. Ähnliches sei auch für Strümpfelbach denkbar, wo die Sanierung der Hindenburgstraße schon jetzt im Februar beginnt. Knapp zwei Jahre soll es dauern, bis die Strümpfelbacher Ortsdurchfahrt abschnittsweise instandgesetzt ist. „Wir wollen die Gewerbetreibenden unterstützen in diesen herausfordernden Zeiten“, erklärt Thomas Müller.