Radfahren auf den Fildern soll attraktiver werden. Foto: picture alliance/dpa/Friso Gentsch

Pedaleure und Fußgänger teilen sich im Flughafentunnel zwischen Bernhausen und Plieningen einen schmalen Weg. Das führt zu Konflikten, die nun Thema bei einer Demo sind.

Bernhausen/Plieningen - Damit die Verkehrswende gelingt und mehr Menschen nicht nur Bus und Bahn, sondern auch das Fahrrad nutzen, braucht es attraktive und sichere Radwege. Das betonen Experten immer wieder. Um darauf aufmerksam zu machen, laden der ADFC Stuttgart und das Radbündnis Filder am Samstag, 24. Juli, zu einer Demo ein. Diese beginnt um 15 Uhr an der Filharmonie in Bernhausen und führt durch den Flughafentunnel zur Mittleren Filderstraße und der Jahnstraße und dann weiter bis zum Wilhelmsplatz Stuttgarter City.

„Mit unserer Fahrraddemo wollen wir aufzeigen, wie und wo man entscheidende Verbesserungen für den Radverkehr erreichen kann, um mehr Menschen aufs Rad zu bringen. Ganz konkret geht es darum, Radschnellwege zügig einzurichten, den Flughafentunnel für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern und den Radschnellweg Jahnstraße umzusetzen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auch Oberbürgermeister Traub hat schon einen Vorschlag gemacht

Der Flughafentunnel ist seit einiger Zeit im Fokus. Für Radfahrende ist er ein schwieriges Pflaster. Auf die Fahrbahn dürfen die Pedaleure nicht, sie sollen den Gehweg nehmen. Doch dieser ist sehr schmal.

Der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub griff das Thema vor kurzem in einem Brief an den Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer auf. In seiner derzeitigen baulichen Gestaltung sei der Flughafentunnel alles andere als eine angemessene und zeitgemäße Verbindung zwischen Filderstadt und dem Süden der Landeshauptstadt. Die augenblicklichen verkehrsrechtlichen Anordnungen würden buchstäblich verhindern, dass Berufspendler auf dieser Strecke das Fahrrad nehmen, schrieb der Oberbürgermeister.

Er plädierte dafür, die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Flughafentunnel und auf den Zufahrten auf 30 Kilometer in der Stunde zu begrenzen. Weiter sollen im gesamten Tunnel bauliche Barrieren wie zum Beispiel Poller das Überfahren des Mittelstreifens verhindern. Unter diesen Umständen könnte das für den Tunnel geltende Durchfahrtsverbot für Radler aufgehoben werden, schreibt Christoph Traub in seinem Brief und bittet um Prüfung dieses Vorschlags.

Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Dennis Birnstock

Der Filderstädter Landtagsabgeordnete Dennis Birnstock (FDP) hat das Thema ebenfalls aufgegriffen. In einer Kleinen Anfrage wollte er kürzlich wissen, welche Maßnahmen das Land plane, um die beengte Radverkehrssituation im Flughafentunnel zwischen Plieningen und Bernhausen zu verbessern, sodass eine zügige Durchfahrt der Radler in beiden Richtungen gewährleistet ist. In der Antwort heißt es, dass dem Verkehrsministerium die unzureichende Situation bekannt sei. Die derzeit sechs Meter breite Fahrbahn könne aber nicht weiter verschmälert werden. Eine Verbreiterung des vorhandenen Weges sei daher nur mit einer Verbreiterung des Tunnels möglich. Das würde bedeuten, einen neuen Tunnel bauen zu müssen. Und das wiederum sei bei Aufrechterhaltung des Flugverkehrs nicht möglich. Eine parallel zum Flughafentunnel verlaufende eigene Röhre für Radfahrer und Fußgänger zu bauen, wäre möglich. Zuständig wäre der Bund als Baulastträger, doch dieser habe ein solches Projekt aufgrund der hohen Kosten bisher sehr kritisch beurteilt.

Vielleicht gibt es aber eine andere Lösung. Denn in der Antwort des Ministeriums heißt es auch, dass derzeit eine Risikoanalyse erstellt werde mit dem Ziel, die Sicherheit im Tunnel zu erhöhen. In diesem Zusammenhang sei auch ein Rettungsstollen im Gespräch, um die Abstände zum nächsten Fluchtweg zu verkürzen. „Die Nutzung eines Rettungsstollens für den Radverkehr auch bezüglich der dafür erforderlichen Querschnittsabmessung ist dann zu prüfen“, heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Insgesamt seien Verbesserungen am Flughafentunnel angesichts der Ausgangslage „keine einfache Aufgabenstellung“. Das Land werde sich dennoch dafür einsetzen, heißt es in dem von Verkehrsminister Winfried Hermann unterzeichneten Schreiben.

Neuer Rettungsstollen könnte die Lösung sein

Dennis Birnstock kommentiert: „Die aufgezeigte Möglichkeit, einen Rettungsstollen sowohl zur Verkürzung der Fluchtwegsabstände als auch als Radweg zu nutzen, ist verlockend. So würden sich zwei Probleme auf einmal lösen lassen.“ Er sei gespannt auf die Ergebnisse der Risikoanalyse und plädiere bereits jetzt für eine weitblickende Bewertung. „Denn die derzeitige Situation ist für niemanden zufriedenstellend.“

Die Demo am Samstag, 24. Juli, beginnt um 15 Uhr am Parkplatz der der Filharmonie, Tübinger Straße 40, in Bernhausen.

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