1500 sogenannte Feuer weisen Piloten nachts den Weg über die Start- und Landebahn des Flughafens. Foto: FSG - FSG

Der Flughafen hat die Start- und Landebahn mit LED-Leuchtkörpern umgerüstet. Der Austausch kostet fünf Millionen Euro.

Leinfelden-Echterdingen/Filderstadt Die 1500 Feuer der Start- und Landebahn hat der Flughafen auf umweltfreundliche LED-Leuchten umgerüstet. Die bisherigen Halogenleuchten mussten nicht nur weit öfter ausgewechselt werden. Sie verbrauchten auch 50 Prozent mehr Kohlendioxid. Ein Jahr lang dauerten die Arbeiten. Sie liefen meist in den Nachtstunden, wenn keine Maschinen mehr starten und landen. „Tagsüber, wenn der Flugbetrieb läuft, können wir nicht arbeiten“, sagt Uwe Schwantzer. Der Elektromeister ist mit seinem siebenköpfigen Team für die Befeuerung der Piste zuständig. Fünf Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Nicht nur wegen der besseren Umweltbilanz, auch wegen der Arbeitssicherheit setzt der Flughafen auf die neue Technologie. Letzte Umbauarbeiten laufen derzeit noch.

Die Leuchtfeuer, die nachts auf der ganzen Filderebene zu sehen sind, weisen den Piloten den Weg. Grüne Lichter geben die Strecke frei, rote Lampen bedeuten: „Stop“. Weiße Lichter markieren die Bahn. Um zu gewährleisten, dass Flugzeuge auch bei Dunkelheit sicher starten und landen können, muss die Befeuerung ständig gewartet werden. Per Computer sehen die Fachleute jederzeit, wenn ein Feuer ausgefallen ist.

Der Tower hat die Kontrolle

Dann rücken Mitarbeiter aus und wechseln die Leuchtkörper. Außerdem findet mindestens ein Mal pro Woche eine Kontrolle vor Ort statt. Wann die Befeuerung eingeschaltet wird, entscheidet die Flugsicherung im Tower Bernhausen. Ist der Flugbetrieb wegen der allgemeinen Nachtflugbeschränkung beendet und werden keine Maschinen mehr erwartet, schalten die Lotsen die Lichter aus. Sie haben jederzeit die Kontrolle.

Mit dem Wechsel von Halogen- auf LED-Leuchtkörper hofft Theresa Diehl, die für das Nachhaltigkeitskonzept des Flughafens zuständig ist, dass deutlich weniger Energie verbraucht wird – sieht geht von einer Ersparnis zwischen 50 und 60 Prozent aus. Langfristig zahle sich es sich auch wirtschaftlich aus, die Leuchtkörper auf der Piste umzurüsten. Ein weiterer wichtiger Grund ist nach Diehls Worten, dass mit den LED-Lampen mehr Arbeitssicherheit für die Elektriker möglich ist, die das System warten. „Die maximale Spannung ist da deutlich geringer“, erklärt Elektromeister Schwantzer. Außerdem gibt er zu bedenken, dass Halogenleuchten nach etwa 1500 Betriebsstunden ausgewechselt werden mussten. LED-Feuer kommen dagegen auf 50 000 Betriebsstunden. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter weit seltener ausrücken müssen, um die massiven LED-Leuchtkörper auszutauschen. 500 bis 700 Euro kostet ein einzelnes Feuer nach Schwantzers Worten im Schnitt. Sie werden in die Start- und Landebahn eingebaut und müssen so konstruiert sein, dass schwere Flugzeuge ebenso darüber rollen können wie die riesigen Fahrzeuge des Winterdiensts. Das Material ist in der Regel Aluminium.

160 Kilometer Kabel verlegt

Weil die Bestimmungen für die Befeuerung an deutschen Verkehrsflughäfen deutlich strenger geworden sind, rüsten derzeit viele Airports ihre Systeme auf die inzwischen gängige LED-Technik um. „Meines Wissens sind wir in Stuttgart der erste deutsche Flughafen, der die gesamte Start- und Landebahn damit ausgestattet hat“, sagt Schwantzer. Dieses Großprojekt hat der Flughafen mit Teams fremder Fachfirmen realisiert. „Mit unseren Leuten alleine hätten wir das nicht geschafft. Wir haben allein 160 Kilometer Kabel auf dem Flughafengelände verlegt.“

Um zu testen, ob sich die LED-Technologie in der Praxis am Flughafen bewährt, habe man zunächst in Teilbereichen damit gearbeitet. „Wir hatten Produkte verschiedener Firmen im Einsatz, um die für uns beste Lösung zu finden“, beschreibt der Elektromeister den langwierigen Findungsprozess. Für die alten Halogenleuchten gebe es nur noch für begrenzte Zeit Ersatzteile.

Sicherheit für Mitarbeiter

Auch für den Flughafenbetrieb brächten die LED-Leuchten Vorteile. „Viele Bereiche lassen sich mit dem weißen Licht besser ausleuchten.“ Da habe man mit den Halogenleuchten an manchen Stellen Probleme gehabt. Wenn dort Mitarbeiter nachts im Einsatz waren, habe es immer mal wieder Klagen gegeben. Mit den neuen Leuchten sind die Sichtverhältnisse bei Nacht oder bei starkem Nebel deutlich besser. „Wir verfolgen einen integrierten Ansatz“, erläutert Theresa Diehl das Nachhaltigkeitskonzept des Flughafens. Wenn man auf neue Technologien umstelle, habe man nicht nur die Einsparpotenziale und den direkten Nutzen für die Umwelt im Blick. Es gehe auch darum, das Arbeitsumfeld für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verträglich zu gestalten.

„Die Arbeiten sind nach Plan gelaufen“, zieht Schwantzer ein positives Fazit des Millionenprojekts. Die Piloten waren über die Arbeiten informiert. In der Phase, als beide Leuchtsysteme parallel im Einsatz waren, habe man nämlich Irritationen befürchtet. „Im Vergleich zum weißen Licht der LED-Feuer leuchten Halogen-Lampen rötlich.“ Mit rechtzeitiger Information der Flugzeugführer habe man dem aber vorgebaut. Nun hofft der Elektromeister, dass in den nächsten Schritten das Vorfeld des Stuttgarter Flughafens auf LED umgestellt wird. Den gesamten Umbau habe man im Dialog mit der Flugsicherung abgewickelt. Die Kooperation zwischen Flughafen und Lotsen läuft aus Schwantzers Sicht perfekt.

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