Nachdem die Bundesrepublik zugesagt hat, bis zu 1500 unbegleitete Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern aufzunehmen, hat sich auch Esslingen positioniert. Foto: AP/Felipe Dana

Sowohl die Initiative Gemeinsam für Flüchtlinge in RSKN als auch Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger haben sich zur aktuellen Situation an der griechischen Grenze geäußert. Sie wollen unbegleitete Flüchtlingskinder aufnehmen.

Esslingen - Die Initiative Gemeinsam für Flüchtlinge in RSKN will sich um unbegleitete Flüchtlingskinder kümmern. Das erklärte Sprecher Rainer Hillgärtner anlässlich der Berichterstattung vom Montag. Er nimmt dabei Bezug auf den EZ-Artikel „Stadt soll ,Sicherer Hafen’ werden“. Auch die Stadt Esslingen teilte in einer Stellungnahme ihre Bereitschaft mit, den Flüchtlingen zu helfen.

„Aus den aktuellen Nachrichten ist zu entnehmen, dass Deutschland bereit ist, schutzbedürftigen Kindern zu helfen“, heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Auch Stuttgart habe sich inzwischen bereit erklärt, Kinder aus den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Das wünscht sich die Initiative nun auch für Esslingen – und bietet ihre tatkräftige Unterstützung an. „Wir als ehrenamtlich Engagierte sind grundsätzlich bereit, uns um weitere Geflüchtete zu kümmern und werden im Esslinger Stadtteil RSKN unser Engagement zur Integration von Migranten nach Kräften fortsetzen“, so die Mitteilung weiter.

„Das Leid der Kinder muss beendet werden“

„Unter dem Eindruck der aktuellen Bilder von der türkisch-griechischen Grenze appellieren wir an alle Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft: Leisten Sie jetzt und ohne weiteres Zuwarten humanitäre Hilfe vor Ort. Insbesondere das Leid der Kinder muss beendet werden.“ Seenotrettung sei eine unabdingbare humanitäre Pflicht und müsse sich auf verlässliche nationale wie europäische Regeln stützen können. Deshalb fordere die Initiative die Einsetzung einer leistungsfähigen europäischen Seenotrettungsmission. „Dabei achten und unterstützen wir private, kirchliche und staatliche Seenotretter; kriminelle Schlepper ächten wir“, so die Initiative. „Um den Menschenhandel und das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden, müssen sofort legale Fluchtwege geschaffen werden.“

Um diese Botschaft in Esslingen und darüber hinaus zu verbreiten, will sich die Initiative an der „Rettungskette für Menschenrechte“ beteiligen. Sie hoffe, „dass Esslingen dabei ein sichtbares Signal für mehr Menschlichkeit und Zusammenhalt setzen kann“. Die Initiative bekräftige das Recht auf Asyl und verteidige die in der Verfassung postulierten unveräußerlichen Grundrechte. „Insbesondere behaupten wir unsere demokratischen Errungenschaften gegen Intoleranz und Fanatismus und gegen die Verachtung menschlicher Werte. Wir sind eine weltoffene und tolerante Gesellschaft und wollen, dass es so bleibt.“

OB Zieger bezieht für Esslingen Position

Auch Esslingens Oberbürgermeister Jüger Zieger hat zu der Rettung von minderjährigen Flüchtlingen in einer Mitteilung an die EZ Stellung bezogen. Die Stadt Esslingen sei „im Rahmen der Verteilung durch die Regierungspräsidien auf die Landkreis natürlich gerne dazu bereit, ihren Anteil an der Aufnahme von minderjährigen Flüchtlingen zu übernehmen und sich dieser humanitären Verantwortung zu stellen“, heißt es in der Mitteilung. Die Situation in den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern auf den Ägäis-Inseln sei „insbesondere für die besonders schutzbedürftigen Kinder eine menschliche Tragödie dar“, betont Zieger. „Die dortigen Menschen sind zum Spielball der politischen Ranküne der Präsidenten Assad, Erdogan und Putin geworden. Schnelle Humanitäre Hilfe tut deshalb auf jeden Fall Not.“

Ganz Europa und auch ganz Deutschland sei gefordert. „Ich bin explizit der Auffassung, dass ein Land mit mehr als 80 Millionen Einwohnern wie Deutschland die Aufnahme von ein paar Tausend Kindern aus den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern auf den Ägäis-Inseln verkraften kann“, so Zieger. „Allerdings sehe ich keinen Sinn darin, wenn sich einzelne Städte je nach der Zufälligkeit stadtparlamentarischer Mehrheiten mit humanitären Angeboten überbieten.“ Die Bundesregierung müsse die Flüchtlingskinder „quotial verteilt auf die Bundesländer und die jeweiligen Landkreise organisieren“. Auch Bürgermeister Yalzin Bayraktar betont im Schreiben der Stadt: „Die Aufnahme schutzbedürftiger minderjähriger Flüchtlinge kann eine kreisangehörige Stadt jedoch nur in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Kreisjugendamt bewältigen. Nur dann können wir den Herausforderungen im Sinne der Geflüchteten und der Aufnahmegesellschaft gerecht werden.“

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