Vor allem die betagten Flugzeuge stoßen beim Pleidelsheimer Fliegerfest auf das Interesse der Besucher. Foto: Werner Kuhnle

Die Flugsportvereinigung Pleidelsheim hat am Wochenende zahlreiche Gäste zum Fliegerfest erwartet. Das feierte in diesem Jahr ein Jubiläum.

Der Wunsch zu fliegen wie ein Vogel ist ein alter Menschheitstraum. Vereinsmitglieder und Kooperationspartner der Flugsportvereinigung Pleidelsheim haben beim Fliegerfest gezeigt, welche Möglichkeiten in die Lüfte zu steigen, beim Publikum auf große Begeisterung stoßen. Bei Klein und Groß waren dabei die Köpfe tief in den Nacken gelegt, um gen Himmel zu blicken. Geeignet war das Wetter am Samstag, weil die Sonne nicht gar so intensiv strahlte.

Prototyp mit Batterieantrieb

Es gab viel zu sehen: Gleitschirmflieger vom Hohenhaslacher Verein, brummende Motorflieger, sowie deren kleine Geschwister aus dem Modellbereich, Ultraleichtflugzeuge und solche, die mit einer Flugwinde erst in die Lüfte getragen werden müssen - die Segelflieger – verzauberten all jene, die vom Gleiten aus der Vogelperspektive schwärmen. Den Anforderungen unserer Zeit wollen die Flieger freilich auch nachkommen: Deshalb zeigte sich den Besucherinnen und Besuchern – extra für das Fest ausgeliehen – auch ein mit Elektrobatterie betriebener Prototyp. Ein solcher steht freilich auch auf der Wunsch-Agenda des Vereins. „Die Entwicklung steckt aber noch in den Kinderschuhen und es ist natürlich ein Finanzproblem. Wir denken dabei nämlich auch an eine Solaranlage auf dem Hangardach. Die Zuleitung, um den Strom einzuspeisen, ist aber derzeit zu schwach“, nennt Thomas Leibbrand, zweiter Vorsitzender, die gegebenen Einschränkungen.

Segler rast übers Startfeld

Mit welcher Power der mit Elektroantrieb ausgestattete Segler über das Startfeld rast, das war live zu erleben. Was nicht wie angekündigt realisiert werden konnte, das waren die georderten Heißluftballonfahrten am späten Nachmittag und in Folge das Ballonglühen am Abend, bei dem Heißluftballone gerade soweit erhitzt werden, dass sie sich aufrichten, aber nicht vom Boden abheben. Da prinzipiell nicht über das Naturschutzgebiet hinweg geflogen werden darf, der Wind aber genau aus der falschen Richtung kam, mussten die Ballonfahrten abgesagt werden.

Wer jedoch die spektakulär anmutenden und von farbigen Rauchpatronen deutlich sichtbar gemachten Loopings, Turns oder das atemstockende Trudeln, also das kontrollierte Abstürzen, von Kunstflieger Christian Hartmann auf der Pilatus B 4 mit den Augen verfolgte, der wurde reichlich entschädigt. Provozierte Strömungsabrisse und das schnelle Drehen um die eigene Achse sind Aktionen, die der Flugprofi vom Stuttgarter Aero-Club liebt.

Den Zuschauern stockt das Herz

Den Betrachtern, denen bisweilen das Herz stockt, bleibt nur – teils mit offenem Mund – nachzuvollziehen, was sich hier an Kunstfertigkeit am Himmel abspielt. Das faszinierende Spektakel, begleitet von sanften Klängen, dauert nur wenige Minuten. Die Begeisterung aber hält weitaus länger an.

Bei einem halben Jahrhundert, das der Verein nun hinter sich hat, stellt sich die Frage nach dem Rückblick und den Aussichten für die Zukunft. Thomas Leibbrand sowie Fluglehrer Peter Lutz, der am Wochenende für die Flugleitung verantwortlich zeichnete, schauen zufrieden in die Zukunft: „Wir haben ordentlichen Nachwuchs. Von der Seite her habe ich ein gutes Gefühl“, meinte Peter Lutz, der sich mit weiteren vier Fluglehrern die Aufgabe der Flieger-Ausbildung teilt. Im Durchschnitt brauche es 80 bis 100 Starts, bis ein Pilotenneuling allein fliegen kann.

Dass sich die derzeit 44 Vereins-Aktiven obendrein als tolles Team verstehen, das nicht nur regelmäßig Fluglager im Ausland veranstaltet, sondern auch privat gemeinsame Aktionen macht, ist ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt. Die Flugsportvereinigung hat zudem in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Projekte mit viel Einsatz realisieren kann. „Als Burschen haben wir in den umliegenden Firmen gejobbt, um kostenintensive Projekte zu stemmen“, erinnert sich etwa Leibbrand.

Wo früher ein Unterstellschuppen stand, in dem die Flugzeuge immer noch abgebaut werden mussten, steht heute ein stattlicher Hangar. Auch dass sich der reine Segelflugverein, bei dem Starts nur mit der Flugwinde erfolgten, hin zu einer Vereinigung gewandelt hat, die sowohl einen leistungsstarken Motorsegler besitzt, der einsitzige Segelflugzeuge schleppen kann, aber auch einen Ultralight-Flieger, das bezeichnet Leibbrand als Verdienst der „Altvorderen“. „Die haben den Verein zukunftsorientiert nach vorne gebracht. Eine Phase, in der nicht das reine Fliegen im Vordergrund stand.“